Der Regisseur Louis Morneau hat einen Ruf als Macher schlechter bis unterirdischer Filme, aber mit "Retroactive" ist ihm wenigstens einer gut gelungen. Er zeigt auch, daß Morneau eigentlich sein Handwerk beherrscht, denn er hat ein originelles Drehbuch straff inszeniert, eine gelungene Eingangssequenz führt in eine gut strukturierte temporeiche Handlung, die ansprechend fotografiert ist, tadellos geschnitten und gut besetzt. Sie beginnt damit, daß ein Wissenschaftler in einer geheimen Forschungsanlage in der texanischen Wüste ein Zeitreiseexperiment vorbereitet, während in der Nähe eine Polizeipsychologin auf Urlaub eine Autopanne hat; sie steigt zu einem psychopathischen Verbrecher und seiner Freundin ins Auto, um zur nächsten Werkstatt zu gelangen, gerät aber stattdessen in eine Schießerei, die der Psychopath anzettelt, flieht, stolpert in das Zeitreiseexperiment und sitzt auf einmal wieder auf dem Rücksitz des Wagens, den sie zwanzig Minuten früher angehalten hatte. Nach einem Moment der Verwirrung und Benommenheit beschließt sie, ihre Chance zu nutzen und alles besser zu machen als beim ersten Mal. Aber wie das so ist im Kino (und im richtigen Leben auch), geht das gründlich schief, endet mit jeder Menge Toter, sich überschlagenden Autos, einer explodierenden Tankstelle und macht eine weitere Runde in der Zeitmaschine nötig.... Klingt nach Trash, ist es auch, aber einer von der richtig spannenden und unterhaltsamen Sorte und daher voll empfehlenswert; das Ende des Films ist übrigens unerwartet philosophisch.
Es gibt kaum ein Dutzend Darsteller und der bekannteste ist James Belushi, der deutlich Spaß hat an seiner Rolle als jovial-bösartiger Macho-Psychopath. Eine angenehme Überraschung war für mich die Hauptdarstellerin, die Australierin Kylie Travis; sie ist ansehnlich, macht einen robusten und sportlichen Eindruck und scheint wie gemacht für einen Action-Film (- sie sieht aus wie eine Mischung aus Tracy Lords und Cynthia Rothrock). James Whaley ist der Wissenschaftler und M. Emmet Walsh der Tankstellenmann, dem immer wieder sein Laden um die Ohren fliegt. Natürlich gibt es ein paar B-Film-Schlampereien - kleine Anschlußfehler, einen Trommelrevolver, aus dem zwanzig Schuß abgefeuert werden und einen kurzen überflüssigen Handlungsstrang - aber das merkt man erst beim dritten Ansehen. Alles in allem bewahrheitet sich wieder einmal, daß "ein Film mit M. Emmet Walsh nie ganz schlecht sein kann".
(Fünf Sterne nur für den Unterhaltungswert von "Retroactive")