Keine Sorge, ich verrate in meiner Rezension nichts!
"Restraint" ist ein netter, kleiner Thriller, der eine etwas andere Schiene des Erzählens fährt und dadurch wirklich überrascht, aber leider auch verwundert. Warum kläre ich gleich.
Was für eine brilliante Idee: Ein Agoraphobiker hat so panische Angst davor rauszugehen, dass er einem Verbrecherpärchen, das in sein Haus eindringt, nicht davonlaufen kann.
Mich als Zuschauer kribbelt es bei solch tollen und aufregenden Filmideen. Leider, LEIDER(!) wurde sie kaum umgesetzt.
Wohingegen die höchstens mittelmäßige Synchronisation ärgert, die aber nicht so grottig wie in "Timber Falls" ist, sorgen die blassen, grauen Farben der Bilder und die Tristesse der Landschaft sofort für Stimmung.
Man bekommt zu Beginn einen Eindruck von der Angst des späteren Opfers, in meinen Augen jedoch zu wenig. Hinsichtlich dessen hätte der Film langsamer beginnen und erst das eingeschränkte Leben des Protagonisten zeigen müssen, um beim Zuschauer mehr Verständnis und Mitgefühl zu wecken.
Aber gut, es geht schnell los. Das Verbrecher-Duo sucht Schutz vor der Polizei im Haus des Agoraphobikers. Schnell wird er von ihnen überwältigt und spaßeshalber rausgeworfen.
Statt zu fliehen, kriecht unser Protagonist Andrew verängstigt zurück ins Haus. Das ist eine wichtige Szene, denn in ihr wird deutlich, dass Andrew in zweierlei Hinsicht die Hände gebunden sind.
Danach geht es erst mal spannend weiter, denn er versucht über das Telefon Hilfe zu rufen, was ihm natürlich nicht gelingt.
Ab diesem Punkt schlägt der Film leider in die falsche Richtung. Andrew verliert schnell und auf unglaubwürdige Weise die Rolle des Opfers. Vielmehr wird er zu einer Art "Kumpel", der unter der Fuchtel des labilen Einbrechers steht und dessen Freundin begehrt. Den Zuschauer verwundert das extrem. Andrew zeigt weder Angst, noch tüftelt er Fluchtpläne aus. Gefühle und Verhaltensweisen sind angesichts seiner Situation völlig unglaubwürdig.
Und so geschieht, was eigentlich nicht geschehen sollte: Das anfängliche Opfer wird unsympathisch!
Für einen Thriller ist das eine Katastrophe, denn es ist die Sympathie mit den Opfern, die den Zuschauer fesselt.
Ein weiteres Problem des Films ist das extrem in den Vordergrund gerückte Thema "Sex". Hier wird geknutscht, da wird gevögelt, dort wird geflirtet. Zudem drehen sich die Gespräche bald nur noch darum. Alles andere rückt in den Hintergrund.
Leider auch die Agoraphobie. Diese spielt so schnell keine Rolle mehr, dass man sie glatt vergisst. Und das darf nicht sein!
Hinzu kommt, dass das Verbrecher-Duo viel zu lasch bleibt und mit der Zeit immer sympathischer wird. Verkehrte Welt.
Wo sind die gnadenlosen Einbrecher? Wo ist das Opfer, das durch seine Angst vermeintlich keinen Ausweg hat? Wo sind die Fluchtpläne? Wo ist die nervenaufreibende Spannung? Wo ist das Mitfiebern mit Andrew?
All das fehlt. Und das ist angesichts der Grundidee zum Heulen.
Die "Auflösung" am Ende macht Andrew ein für alle mal zum A****loch und wirkt doch arg herbeikonstruiert, da nicht explizit genug darauf hingearbeitet wurde.
Fazit:
Der Film besticht durch eine gute Grundidee, atmosphärische Bilder und Spannung. Leider enttäuscht er durch die mittelmäßige Synchronisation, die Aufhebung der Opferrolle, die in den Hintergrund gerückte Agoraphobie, nicht nachvollziehbare Handlungen und Gefühle, und das penetrante Sexthema.
Dennoch lohnt es sich den Film anzusehen, denn er ist gerade aufgrund der Schwächen sehr speziell und unterläuft die Erwartungen des Zuschauers. Das könnte man hoch anrechnen, jedoch nicht, wenn die Agoraphobie als anfängliches Problem thematisiert wurde.
Der Film "Panic Room" zeigt dagegen eindrucksvoll, wie Spannend das Gefangensein in einem Haus sein kann!