Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Melancholie..., 4. Juni 2008
...ist die Grundstimmung dieses Albums eines wirklich begabten deutschen songwriters. Es ist Melancholie in Cinemascope mit ausufernden bombastischen Arrangements, die Art von Musik zu der man sich gern alleine betrinkt, wenn man von der Liebsten verlassen wurde, oder den Verlust eines anderen nahestehenden Menschen beklagt. Die Art von Musik zu der sich nur wenige Leute gern bekennen und die von vielen als Kitsch abgetan wird. Ist es aber nicht; es sei denn man reiht Künstler wie Tom Waits, Elvis Costello oder Van Morrison mit ihren langsamen wehmütigen Balladen auch unter Kitsch ein. Get Well Soon schaffen das Kunststück trotz Balladen mit Streichern und Chorgesängen hier Musik mit echtem künstlerischen Anspruch abzuliefern - nicht zuletzt wegen des Kunstgriffs auch einige ,rockigere' Stücke in das Album einzubinden, die wahlweise leicht an Joy Division oder die frühen Cure erinnern. Ein wunderbares Album - wegen der tollen Coverversion von ,Born Slippy' sowieso, daß sich in ihrer Version ohnehin anhört, als wäre es im Original ein Joy Divison Song. Man könnte jetzt bemängeln, daß sich die Arrangements auf CD-Länge hinweg zu sehr ähneln, aber das würde andererseits wieder die Möglichkeit zerstören sich mit diesem Album in Wehmut zu betrinken. Wer dieses Album langweilig findet, der hatte wohl noch nie echten Herzschmerz, oder den Mut es zuzugeben...
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18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das erste wichtige Album 2008, 20. Januar 2008
Es passiert ja eher selten, dass bei den peniblen Musikkritikern mal ein Hype um ein Album aus Deutschland entsteht. Und noch seltener passiert es, dass dies auch berechtigt ist. Lassen wir da mal die Kilians außen vor. Doch hier ist es nun tatsächlich... Das Debüt von Konstantin Gropper, der um sich herum eine kleine Gruppe Mitmusiker versammelt hat und uns damit das erste richtig gute Album des noch jungen Jahres 2008 präsentiert. Und schon nach wenigen Minuten merkt man, wie Rest Now, Weary Head, You Will Get Well Soon" die Lorbeeren verdient hat. Dieses Werk ist atmosphärisch unglaublich stimmig, erlaubt sich aber auch Abwechslung. Es ist fesselnde, sehr schöne Musik. Die Referenzen sind allseits bekannt. Vom deutschen Conor Oberst war schon die Rede. Anleihen bei Beirut, Sigur Rós oder den omnipräsenten Radiohead hört man an jeder Ecke heraus. Sogar Arcade Fire hab ich schon gelesen. Das ist ja mal ne große Nummer. Generell... Referenzen an wohin man schaut. Da kann man jetzt über mangelnde Eigenständigkeit klagen, aber irgendwie ist ja jeder Musiker von irgend einem anderen beeinflusst worden. Und was am Ende zählt ist nicht die Referenzliste, sondern die Songs. Und diese 16 haben es voll drauf. Keine Ausfälle, wunderschöne Melodien, viele Spielereien mit Bläsern, Piano, Geigen, Akkordeon und auch Chören. Ein Album, was trotz seiner Komplexität wie aus einem Gus wirkt. Alle Teile wirken stimmig, alles sitzt und passt, wo es zu passen hat. Für ein Debüt wirkt die Get Well Soon LP unglaublich professionell. Für ein deutsches sowieso. Das gibt einem sogar den Glauben zurück, dass es Musiker in Deutschland gibt, die ein Album aufnehmen können, welches mit internationalen Standards problemlos mithalten kann. Ein Highlight herauszupicken wird schwer. If This Hat is Missing..." hat echte Hitqualitäten, das Underworld-Cover von "Born Slippy" lässt den Song in einem ganz neuen Licht erscheinen. We are safe inside..." und "Witches! Witches!" sind weitere Hits. Ausfälle gibt es nicht. Ein Album, welches in seiner atmosphärischen Geschlossenheit ein echtes Hörerlebnis ist. Es ist einfach nur schön. Und damit mein ich nicht, dieses nett" oder ja, ganz gut"... Nein, es ist einfach nur schön, sich diese Musik anzuhören. Also bitte alle mal ausnahmsweise wieder auf den Hype-Zug aufspringen und diesen Mann und seine Band supporten. Auf Konzerten oder mit dem Kauf dieses Albums. Für alle Freunde guter Musik ist das Album dieses Jahr unverzichtbar.
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17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kitsch is coming home. , 29. März 2008
Kitsch ist ein plakatives Spiel mit Erwartungen. Große Gefühle, aber keine große Kunst. Tatsächlich? In den 80ern änderte die Kunst ihre Sicht auf den Kitsch. Seither verwischen die Grenzen: Kunst zitiert Kitsch und ist damit erfolgreich. Bestenfalls funktioniert Kunst wie bei GET WELL SOON auf vielen Ebenen, deren eine, der Kitsch, kaum mehr als eine Folie ist. Die ironische Distanz zum Kitsch erhebt die Musik zur Kunst, ist vielmehr ein Zitat von Kitsch, dem kurz vor der Unerträglichkeit ein Zwischenboden eingezogen wurde.
Damit ist klar: Kitsch bedeutet heute nicht mehr nur Flucht vor der Realität, sie ist auch ein Spiel mit der Realität. Auch wir Hörer sind heute in der Lage, uns aufzuspalten. Wir wissen aus kritischer Distanz, dass wir Kitsch hören und sind doch nicht länger peinlich berührt. Müssen wir auch nicht.
Mit diesen Tatsachen sollte man sich auseinandersetzen, bevor man GET WELL SOON hört. Das Album ist für mich die große Überraschung des Frühlings: ein Album voller Melancholie, Dramatik und Bombast mit dem rechten Gespür für Tempo und Ausstattung. Auch wenn mit Streichern, Bläsern und Chor operiert wird, hält Konstantin Gropper immer Maß. Konstantin Gropper? Klingt irgendwie deutsch. Und richtig, nächste Überraschung: GET WELL SOON ist offenbar ein deutsches Projekt. Was soll ich sagen - ausgerechnet das Wort Kitsch entstand um 1870 in München und ist einer der erfolgreichsten deutschen Sprachexporte, nicht nur ins Englische, und wird heute in aller Welt verstanden.
Was ich mit der Kunst und ihrem Zitat von Kitsch meine, kann man am deutlichsten auf "Christmas In Adventure Parks" hören. Dort sind nur schwer erträgliche Textzeilen zu finden wie "In Alaska there's no refridgerator needed" und "Save our souls with your golden heart", und dazu wird Gropper von antiquiertem Chor und Glockenspiel begleitet. Doch dass Gropper das Ganze mit einem Augenzwinkern verstanden wissen will, merkt man, wenn er nach einem Klampfen-Intro mit Lagerfeuer-Atmosphäre ein Räuspern und Nasehochziehen einbaut. Augenzwinkern, wohlgemerkt, nicht Ulk oder Verballhornung. In diese Kerbe schlägt z. B. auch "Witches! Witches! Rest Now In The Fire", wo zu einer Melodie, die James Last zur Ehre gereichen würde, davon die Rede ist, dass es die Adressatin des Textes verdient habe, vom Mob als Hexe verbrannt zu werden.
Wer diese Ambivalenz, diese Gratwanderung ebenfalls hervorragend beherrscht, ist Neil Hannon mit seiner Divine Comedy. Nirgends werden die Parallelen zum frühen Hannon so deutlich wie auf "People Magazin Front Cover", wo Gropper händeklatschend und mit diskretem Größenwahn darüber schwadroniert, wie er mit "a new industry" reich und berühmt wird und schließlich halb China aufkauft. Dabei kann sich seine Stimme nicht recht entscheiden, klingt teilweise wie Hannon und dann wieder wie Muse, auch nicht eben Gefühlsroboter vor dem Herrn. Auch die altenglischen Muster auf Cover und Booklet weisen in Richtung Insel, wo diese Art von Kunst weite Verbreitung und Anhängerschaft findet und mit Belle & Sebastian weitere prominente Vertreter hat.
GET WELL SOON bietet gut produzierten und englisch inspirierten Bombastpop, den man nicht bierernst nehmen sollte. Ein Album mit großartigen musikalischen Ideen, das sich lohnt. "I tried my very best to make this music loveable" steht auf der CD-Hülle. Das ist gelungen.
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