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Neulich war in der Sonntags-Zeitung aus Frankfurt eine Schmähschrift auf einen Politiker aus Deutschlands Südwesten zu lesen, die ungefähr so begann: Von der brandenburgischen Steppe aus kann man ja kaum anders, als sich zu sehnen nach Deutschlands Süden und Westen, nach jenem zivilisierten Land, wo die Leute grundlos freundlich sind; wo man noch weiß wie man einen Kuchen backt, eine Stoffserviette faltet, wo man noch bitte und danke sagt; und die Kinder lernen in der Schule Latein und nachmittags üben sie das C-Dur-Präludium auf dem Klavier. Konstantin Gropper ist seit ein paar Wochen 25 Jahre alt, stammt aus einem Kaff in Oberschwaben (zwischen Ulm und Bodensee) und ist Neuankömmling in Berlin. Er hat die Stoffservietten hinter sich gelassen, die saftigen grünen Wiesen und Weinberge seiner alten Heimat getauscht gegen den grauen Herbst in Berlin. Doch es ist aus allerlei anderen Gründen fraglich, ob er besonders gut zu den sonstigen Berliner Mitte Jungspunden um die Anfang 20 passen will, die sich allwochenendlich die Rübe wegkoksen und raven um zu vergessen. Konstantin Gropper ist viel eher Vertreter einer nachdenklicheren Jugend, die außerhalb von Deutschland schon längst ihre Kingpins gefunden hat (egal ob sie nun Conor Oberst, José Gonzales oder Joanna Newsom heißen mögen). Einer Jugend, die, literarisch vorbelastet, ihre Realitäten durchwandert, sie überprüft, beschreibt, nicht unbedingt verklärt und am Ende feststellt, dass die Dinge, wie sie sind schon recht düster sind, aber es sich durchaus lohnt zu leben und nach vorne zu schauen. Und die dazu nicht unbedingt Metal Hammer Methoden anwendet, sondern trotz ihrer jungen Jahre Inspiration bei den Klängen der Alten sucht.
Eine Vermutung, die Konstantin Gropper allerdings mit den Worten, ich will auf gar keinen Fall eine Vorzeige-Heulsuse sein weit von sich weist. Dennoch kommt die Musik ungewöhnlich wertkonservativ daher, dafür, dass sie ein damals gerade mal 21-jähriger ersonnen hat. Ebenso emotional wie nachdenklich, melancholisch, doch nie zynisch oder gar nihilistisch. Ein Silberstreif ist immer am Horizont zu sehen, es seien dennoch keine Liebeslieder. Gropper sagt, es sind eher so Zusammenhalt-Lieder. Gemeinsam durchhalten. Am Ende wird es schon gut ausgehen, auch wenn es jetzt gerade echt schwierig aussieht. Meine Musik mag desillusioniert sein, aber sie soll nicht desillusionieren. Eigentlich will ich nur Musik machen, die von der Norm abweicht, das ist mein Hauptziel.
Dabei entsteht schon mal Easy Listening, das keines ist. Gewagte Abläufe und Kombinationen finden sich auf diesem Album. Michael Holm und Underworld sind da nur die Spitze des Eisbergs. Erklärt Gropper: Ich dachte ja Born Slippy sei so was wie die Hymne meiner Generation, so wie Smells Like Teenspirit für die davor war, darum wollte ich das unbedingt aufnehmen. Aber es hat sich heraus gestellt, dass es wohl doch nicht so viele Leute kennen. Auf gar keinen Fall wollte ich Underworld verkackeiern...
Er hat ab dem 5. Lebensjahr Cello unterrichtet bekommen, zur Kommunion gabs ein Schlagzeug, später eine Gitarre (auch auf der war der Unterricht allerdings klassisch) und mit 13 die erste elektrische Gitarre. Mit 14 die erste Band. Vielleicht auch das kleine Latinum.
Es sollte hart zugehen in den Bands der Teenager Jahre. Kaum Coverversionen, eigene Stücke waren von Anfang an in der Mehrzahl. Grunge und Industrial-Noise, jugendliche Ungestümheit halt. Dann entdeckt der kaum 20-jährige Gropper die weicheren Betrübnisse von Leuten wie Tom Waits oder Leonard Cohen. Sanftere, folkigere Klänge öffnen den Horizont und ebnen den Weg für GET WELL SOON.
Vor ca. 4 Jahren hat Gropper mit der musikalischen Produktion angefangen, deren letztes Stadium heute hier vor uns auf dem Tisch liegt. Manche Stücke sind jüngeren Datums (If This Hat Is Missing... oder I Sold My Hand For Food...), manche sind bereits über drei Jahre alt (z.B. You/Aurora/You/Seaside). Zunächst sehr elektronisch dem Computer die Oberhand gelassen, wurde es nach und nach zu diesem seinen Projekt, GET WELL SOON. Es ist sein Plan, seine musikalische Vision, seine Songs, seine Arrangements. Er ist weitgehend Alleinunterhalter (mal kommt die ebenso hochtalentierte geigende und singende Schwester dazu, mal der trompetende Cousin), wenn er zu Hause seine Musik aufnimmt, doch er ist Chef einer wuchtigen, kraftvollen, siebenköpfigen Rockband, wenn es auf die Bühne geht. Das durfte die Band bereits an den wunderbarsten Gelegenheiten beweisen. Allein in diesem Jahr in Deutschland beim Haldern-, beim Glitterhouse- und Obstwiesenfestival. Gesichtet wurden GET WELL SOON aber im vergangenen Sommer ebenso beim legendären Glastonbury Festival in England, beim Electric Picknick in Irland sowie beim erlesenen Lattitude Festival in der englischen Countryside namens Suffolk.
Das Debutalbum zeigt, dass Aufzucht und Hege komplett von der klassischen Musik dominiert waren. Es beginnt mit einem Präludium und endet mit der Coda, ganz wie die klassische Symphonie aufgebaut ist. Der Vater ist Musiklehrer, der Sohn recht ausschließlich mit Klassik aufgewachsen. Die Musik ist so opulent wie elegisch. Mit Wonne wird zitiert, und mit musikalischen Stilistiken und Mitteln jongliert, sei es ein Tango, ein Walzer, Cheerleader Chöre an Morricone Verweisen es erscheint alles sehr mühelos. Von Hexen und Robotern wird erzählt, von der Wahrheit als Ware und Geschäftsmodell, das doch nur wieder auf Lug und Trug aufbaut. Ein sehr schönes, ein sehr forsches Album von einem jungen Großtalent, an dem die Welt, wenn es nach uns geht, durchaus genesen darf.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Melancholie...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon (Audio CD)
...ist die Grundstimmung dieses Albums eines wirklich begabten deutschen songwriters. Es ist Melancholie in Cinemascope mit ausufernden bombastischen Arrangements, die Art von Musik zu der man sich gern alleine betrinkt, wenn man von der Liebsten verlassen wurde, oder den Verlust eines anderen nahestehenden Menschen beklagt. Die Art von Musik zu der sich nur wenige Leute gern bekennen und die von vielen als Kitsch abgetan wird. Ist es aber nicht; es sei denn man reiht Künstler wie Tom Waits, Elvis Costello oder Van Morrison mit ihren langsamen wehmütigen Balladen auch unter Kitsch ein. Get Well Soon schaffen das Kunststück trotz Balladen mit Streichern und Chorgesängen hier Musik mit echtem künstlerischen Anspruch abzuliefern - nicht zuletzt wegen des Kunstgriffs auch einige ,rockigere' Stücke in das Album einzubinden, die wahlweise leicht an Joy Division oder die frühen Cure erinnern. Ein wunderbares Album - wegen der tollen Coverversion von ,Born Slippy' sowieso, daß sich in ihrer Version ohnehin anhört, als wäre es im Original ein Joy Divison Song. Man könnte jetzt bemängeln, daß sich die Arrangements auf CD-Länge hinweg zu sehr ähneln, aber das würde andererseits wieder die Möglichkeit zerstören sich mit diesem Album in Wehmut zu betrinken. Wer dieses Album langweilig findet, der hatte wohl noch nie echten Herzschmerz, oder den Mut es zuzugeben...
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bunt und schwelgerisch - wie ein Film,
Von Gayatri 447 (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon (Audio CD)
Es gibt nicht viele Alben in letzter Zeit, die mich so bewegt haben. Ein unfassbares Debüt. "Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon" ist echt ein kleines Wunder - Wunder-bar und wunder-voll süß, frisch, ambitioniert, neu und ehrlich - Musik, die tief berührt, wenn man sich darauf einlässt. Herzschmerz, Weltschmerz, üppig und strotzend vor Musik und reich an Lyrik -- Hier ist ein Genie mit Herzblut am Werk!
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das erste wichtige Album 2008,
Von Norman Fleischer "it's about progress" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon (Audio CD)
Es passiert ja eher selten, dass bei den peniblen Musikkritikern mal ein Hype um ein Album aus Deutschland entsteht. Und noch seltener passiert es, dass dies auch berechtigt ist. Lassen wir da mal die Kilians außen vor. Doch hier ist es nun tatsächlich... Das Debüt von Konstantin Gropper, der um sich herum eine kleine Gruppe Mitmusiker versammelt hat und uns damit das erste richtig gute Album des noch jungen Jahres 2008 präsentiert. Und schon nach wenigen Minuten merkt man, wie Rest Now, Weary Head, You Will Get Well Soon" die Lorbeeren verdient hat. Dieses Werk ist atmosphärisch unglaublich stimmig, erlaubt sich aber auch Abwechslung. Es ist fesselnde, sehr schöne Musik. Die Referenzen sind allseits bekannt. Vom deutschen Conor Oberst war schon die Rede. Anleihen bei Beirut, Sigur Rós oder den omnipräsenten Radiohead hört man an jeder Ecke heraus. Sogar Arcade Fire hab ich schon gelesen. Das ist ja mal ne große Nummer. Generell... Referenzen an wohin man schaut. Da kann man jetzt über mangelnde Eigenständigkeit klagen, aber irgendwie ist ja jeder Musiker von irgend einem anderen beeinflusst worden. Und was am Ende zählt ist nicht die Referenzliste, sondern die Songs. Und diese 16 haben es voll drauf. Keine Ausfälle, wunderschöne Melodien, viele Spielereien mit Bläsern, Piano, Geigen, Akkordeon und auch Chören. Ein Album, was trotz seiner Komplexität wie aus einem Gus wirkt. Alle Teile wirken stimmig, alles sitzt und passt, wo es zu passen hat. Für ein Debüt wirkt die Get Well Soon LP unglaublich professionell. Für ein deutsches sowieso. Das gibt einem sogar den Glauben zurück, dass es Musiker in Deutschland gibt, die ein Album aufnehmen können, welches mit internationalen Standards problemlos mithalten kann. Ein Highlight herauszupicken wird schwer. If This Hat is Missing..." hat echte Hitqualitäten, das Underworld-Cover von "Born Slippy" lässt den Song in einem ganz neuen Licht erscheinen. We are safe inside..." und "Witches! Witches!" sind weitere Hits. Ausfälle gibt es nicht. Ein Album, welches in seiner atmosphärischen Geschlossenheit ein echtes Hörerlebnis ist. Es ist einfach nur schön. Und damit mein ich nicht, dieses nett" oder ja, ganz gut"... Nein, es ist einfach nur schön, sich diese Musik anzuhören. Also bitte alle mal ausnahmsweise wieder auf den Hype-Zug aufspringen und diesen Mann und seine Band supporten. Auf Konzerten oder mit dem Kauf dieses Albums. Für alle Freunde guter Musik ist das Album dieses Jahr unverzichtbar.
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