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Respekt im Zeitalter der Ungleichheit
 
 
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Respekt im Zeitalter der Ungleichheit [Taschenbuch]

Richard Sennett , Michael Bischoff
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Bt Bloomsbury Taschenbuch Verlag; Auflage: 1., Aufl. (1. März 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3833300744
  • ISBN-13: 978-3833300745
  • Originaltitel: Respect in a World of Unequality
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 11,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 76.646 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Richard Sennett
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon-Redaktion

Die Verlockungen des Paradieses dürften es kaum mehr sein, die den US-Amerikaner zur Arbeit anspornen. Schon eher die Aussicht auf einen neuen Wagen. Die inbrünstige Leistungsbereitschaft ist dennoch unschwer als Relikt einer puritanisch-protestantischen Ethik zu erkennen, welche göttliche Erwähltheit einst am ökonomischen Erfolg ablas. In einem geistigen Klima, das seit den Gründervätern den aufrechten Staatsbürger mit dem arbeitenden Menschen gleichsetzt, haben es sozial Deklassierte naturgemäß nicht leicht. Die Schande der Armut und der Ruch des Parasitentums nagen bei so manchem Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger schwer am Ehrgefühl. Dass diesbezüglich gerade in den unteren Schichten besondere Sensibilität herrscht, zeigt der Soziologe Richard Sennett in Respekt im Zeitalter der Ungleichheit.

In a World of Inequality, wie es im Originaltitel treffender heißt, denn es geht hier weniger um ein epochales Phänomen. Gemeint ist die Ungleichheit, die sich über die Meinung der anderen in Kategorien wie Achtung, Ansehen oder öffentliche Wertschätzung manifestiert. Ganz im Sinne Rousseaus: "Derjenige, der am besten sang oder tanzte, der Schönste, der Stärkste, der Gewandteste oder der Eloquenteste wurde zum Geachtetsten; und das war der erste Schritt hin zur Ungleichheit und gleichzeitig zum Laster." Nicht von ungefähr beweist der in New York und London lehrende Gesellschaftstheoretiker viel Einfühlungsvermögen bei der Untersuchung sozialer Deprivation.

Wenn er auf die Diskriminierung durch Mildtätigkeit und Mitleid aufmerksam macht, wenn er Sozialhilfe zum Synonym für Demütigung erklärt oder die Degradierung ihrer Empfänger zu fremdbestimmten Konsumenten der ihnen gewährten Hilfe beklagt, bewegen Sennett Kindheitserinnerungen. Aufgewachsen in einem gemischtrassigen Armenghetto Chicagos, aus dem er sich nur dank besonderer Talente befreien konnte, machte der Bestsellerautor diesmal eigene Erfahrungen zum Ausgangspunkt seiner Reflexionen.

Nach viel versprechendem Anfang verliert sich Sennett in seinem intellektuellen Eifer dabei leider zusehends in soziologischer Geschwätzigkeit. Er kommt vom Hundertsten zum Tausendsten, bis man sich fragt: Worauf will der Mann eigentlich hinaus? Dennoch lohnt die Lektüre. --Roland Detsch -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Change X

Der ungelenke Titel schreckt im ersten Moment etwas ab, ist aber nur wortwörtlich aus dem Englischen übertragen. Nur keine Angst vor der politischen Soziologie! Der Leser muss nämlich nicht durch riesige Begriffspaläste und verdrehte Diskursschleifen irren. Nein: Sennett ist kein Cordhosen-Funktionär mit geschliffenem Soziologenlatein. Er ist ein umtriebiger Erzähler und Moderator, ein Fährtensucher jener Abdrucke, die Menschen in Folge der neuen ökonomischen Weltordnung hinterlassen. Inklusive seiner eigenen, deren Beschreibung er immer wieder in den Mittelpunkt seiner Erörterungen rückt. Sennett sucht auch in seinem neuen Buch jene Orte auf, an denen sich die Verwerfungen des "New Capitalism" turmhoch aufbauen. Diese trägt er dann Schicht für Schicht ab und lässt den Berg im Innern sichtbar werden.

Im vorliegenden Fall widmet sich der amerikanische Soziologe der Frage, warum so vielen Menschen in der modernen Gesellschaft Respekt und Anerkennung verwehrt bleibt, obwohl wir doch vertragstheoretisch vereinbart haben, einander als gleich behandeln zu wollen. Mangelnder Respekt wird vielerorts besonders gegenüber den Schwachen, Langsamen und Erfolglosen sichtbar - mit Folgen. Denn Respekt ist ein knappes Gut geworden, und es verletzt bisweilen und tut weh, wo es abhanden kommt. "Man wird nicht als ein Mensch angesehen, dessen Anwesenheit etwas zählt", sagt Sennett. Er weiß, wovon er spricht. Denn Sennett ist in Cabrini Green in Chicago aufgewachsen, einer Sozialsiedlung, in der Schwarze und Weiße wie in einer Enklave zusammenlebten. Cabrini war der Versuch, den Rassenunruhen in den 1930ern zu begegnen. "1942 machten die Behörden armen Weißen ein Angebot: Wenn ihr mit den Schwarzen zusammenlebt, übernehmen wir die Miete." Rassenintegration am Reißbrett städtischer Sozialplanung. Ein Jahr später zogen die Sennetts ein, Richard war gerade einmal drei Jahre alt. Die Bewohner von Cabrini gehörten zu den Verlierern der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs. Sennett erinnert sich an Bandenscharmützel zwischen schwarzen und weißen Jugendlichen. Und an die behördlichen Versuche, Ordnung von oben zu verordnen. Was aber misslang. Mittels Sozialhilfe wurde Abhängigkeit geschaffen, sie war, so Sennett, sogar ein Synonym für Demütigung. Überdies raubte man den Bewohnern der Cabrini-Siedlung ihre Selbstbestimmung. Die Bewohner "erlebten jenen eigentümlichen Mangel an Respekt, der darin besteht, nicht wahrgenommen und nicht als vollwertige Menschen angesehen zu werden". Leider aber schafften nur wenige die Flucht aus diesem Dilemma. Wie fast überall in amerikanischen Großstädten.

Während Sennett auf dem linearen Erfolgspfad ein international renommierter Soziologe wird, bleiben die anderen in ihrem Milieu kleben. Strampeln vergeblich. Irgendwann übernimmt die Sozialstaatsbürokratie dann die Entfaltung und Lenkung des Einzelnen. Ein Punkt, der Sennett das ganze Buch über nicht mehr loslässt.

Das Entstehen von Ungleichheit hat Folgen - biografisch und gesellschaftlich. Die Aufstrebenden und die Zurückgelassenen verstehen einander nicht mehr oder nur noch mit großer Anstrengung. Obwohl wie gesagt Heerscharen von Beamten und Sozialarbeitern tagtäglich Brücken zu schlagen versuchen. Es fehle, so Sennett, am wechselseitigen Respekt über die Grenzen der Ungleichheit hinaus. Überdies würden sich überall Netzwerke bilden, auf die sich die jeweiligen Mitglieder stützen könnten. Schutzräume der jeweiligen Schicht, in denen nie etwas Schlimmes passiert. Man kümmert sich um seinesgleichen. Beispiele gibt es zuhauf. Studenten in den Eliteuniversitäten, die in einem Sicherheitsnetz leben und arbeiten. Und später als Topmanager wie in einem Herrenklub für gegenseitige Solidarität und Anerkennung sorgen. Die aber unten sind, die sieht man nicht: "Netzwerke auf den unteren Ebenen sind zu schwach, um den Menschen sonderlich viel Halt zu geben."

Sennett beschreibt ausführlich seine Begegnungen mit diesen "Zurückgelassenen". Er will sich nicht abfinden mit den trüben Wirklichkeiten. Er sucht die Bande, mit denen man ein starkes Respektseil knüpfen könnte. Gegenseitige Anerkennung wird bei ihm zu einem der zentralen Begriffsfäden, sowohl im Sinne von John Rawls als "Achtung der Bedürfnisse von Menschen, die einem nicht gleichgestellt sind", als auch wie Jürgen Habermas es formuliert als "Achtung der Bedürfnisse, die einem nicht gleichgestellt sind". Doch wie formt die Gesellschaft den Charakter, der die Menschen befähigt, den Respekt der anderen zu gewinnen und deren Bedürfnisse zu achten?

Der Autor manövriert sich in eine ausweglose Situation. Geradezu harsch kritisiert er jede Flexibilisierung oder Privatisierung des Sozialstaats, weil sie den Einzelnen in eine noch prekärere Lage bringt, andererseits nimmt man ihm aber vieles von der Autonomie, die zur Selbstachtung und damit für Respekt anderen gegenüber nötig ist. Was nun? Der Ausweg liegt für Sennett in der Selbstbeschränkung als Ausgangspunkt für ein Zusammenspiel der Kräfte. Sich ausdrücken und darstellen können, gleichzeitig aber auch neue Werte aufnehmen und erproben, ohne zu dominieren. Klingt wie die Quadratur des Kreises. Sozialhilfe in Deutschland klingt anders. Dennoch hat Sennett mehr zu bieten als biedere Zahlenarithmetik von Sozialpolitikern: "Der Kern des Problems, vor dem wir in der Gesellschaft und insbesondere im Sozialstaat stehen, liegt in der Frage, wie der Starke jenen Menschen mit Respekt begegnen kann, die dazu verurteilt sind, schwach zu bleiben." Und dies beginnt bei jedem Einzelnen. In der Tat: Ein starkes Buch, hochbrisant und wegweisend, ohne jede Besserwisserei. Aber dafür mit viel Respekt vor dem Thema geschrieben. Ohne zu dominieren. Respekt!

(c)changeX – Online-Magazin für Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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13 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Respekt gegenüber anderen und die Selbstachtung, 24. Februar 2006
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Respekt im Zeitalter der Ungleichheit (Taschenbuch)
Der Umgang zwischen Menschen ist seit der französischen Revolution durch Freiheit und Gleichheit geprägt. Eine dänische Karikatur eines Abbildes Mohammeds hat bewiesen, das Freiheit - und hier nur die Pressefreiheit - immer eine Grenze im anderen hat. Und wenn Freiheit unter diesem Aspekt betrachtet wird, wird ihr gleichzeitiger Respekt beigefügt. Respekt gilt damit nicht nur in den Grenzen frühstaatlicher Ideen, sondern gerade im Zuge der Entgrenzung und Globalisierung in gleicher Weise global.

Sennett prüft - im nahezu autobiographischen Stil - , welche Voraussetzungen geschaffen wurden, um Ungleichheit zu erzeugen, (hier auf einem abstrakteren Niveau) was wiederum, die der zureichende Grund für Respektlosigkeit ist. Eine Gesellschaft, sagt Sennett, muss lernen, mit wirklichen Ungleichheiten umzugehen. Daraus folgt, dass Menschen auf der jeweils anderen Seite mit Achtung zu begegnen sind. Diese erwiesene Achtung, bedingungslos, weil als Mensch und gegenüber Menschen, ist Basis für die Selbstachtung. Sozialstaatliche Prinzipien sind daher nicht aufzugeben, sondern in einer klaren Botschaft aufrechtzuerhalten. Respekt dient dem Menschen zur Selbstachtung, im hohen Masse ist er aufzubringen gegenüber Gescheiterten.

Sennett schreibt essayistisch amerikanisch und wegen seiner persönlichen Bezüge äußerst anschaulich.
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