Capcom hat wieder zugeschlagen. Das Debüt auf den Next-Gen-Konsolen ist gelungen, wer beim vierten Teil den älteren aber schon eine Träne nachgeweint hat, wird hierauf wohl verzichten müssen.
Die Geschichte ist simpel: Chris und seine Partnerin Sheva decken auf ihrer Mission in Afrika eine düstere Machenschaft auf, durch die die Welt mit einem Virus infiziert werden soll. Dabei trifft Chris auf alte Bekannte, die er schon totgeglaubt hat.
Capcom hat seine Hausaufgaben gemacht: War Resident Evil 4 auf dem PC ein Fiasko, muss der PCler diesmal keine Unzulänglichkeiten oder andere Einbüßen in Kauf nehmen. Obendrauf gibts DX10, was ich leider mangels Vista nicht ausprobieren konnte. Das Spiel läuft bei 1280x1024 selbst unter höchsten Einstellungen noch genügsam. Wer aber auf höheren Auflösungen spielen will, braucht für den immensen Hunger auch potente Hardware. Die Steuerung mit Maus und Tastatur funktioniert reibungslos, allerdings muss man sich dann statt mit Laser, mit Crosshair zufrieden geben, was allerdings kein allzu großes Problem darstellen sollte.
Eine große Neuerung, mit der sich das Spiel von älteren Vertretern abhebt ist das kooperative Gameplay: Chris und Sheva sind immer zusammen unterwegs; wenn kein menschlicher Partner via Split-Screen oder Online einspringen kann, macht das eben der PC. Die KI des Kollegen ist dabei OK, es lassen sich auch einfache Befehle geben, die man aber nicht zwingend zum Durchspielen braucht. Wie gewohnt ist die Sicht auf den Rücken des Spielers fixiert, was das ganze Geschehen etwas unübersichtlich macht. Das Inventar ist beträchtlich geschrumpft und lässt sich auch nicht vergrößern. Dafür gibt es für zwischen den Missionen eine große Ablagefläche für Dinge, die man sich für später aufheben will. Sheva hat ja aber auch noch Platz, wodurch man die Gegenstände oftmals hin und her tauschen muss. Die Waffen der beiden lassen sich erneut upgraden, diesmal ließe sich das komplette Maximum mit entsprechendem Budget aber schon zu Anfang erkaufen.
So sehr man hier auf den Platz achten muss, zumindest im zweiten der drei (?) Schwierigkeitsgrade hat das recht wenig Auswirkung, da sich immer ein guter Weg finden lässt.
Wie schon früher wollen diese Waffen benutzt werden, und diesmal gibt es eine wahrliche Unsumme an Feinden: Gleich zu Anfang wird man gejagt, wo man doch dort noch kaum Munition hat. Das lässt dann allmählich im Spielverlauf nach, und selbst wenn es mal knapp wird, findet man wieder genug, um den Bedarf erneut decken zu können.
Das große Wort, das Resident Evil bisher beschrieben hat ist Survival-Horror. Das ist passe. die Level finden fast ausschließlich bei hellem Tageslicht statt, wenn man sich nicht gerade in Gebäude-Komplexen bewegt, und die Locations wissen nicht durch gruselige Atmosphäre zu überzeugen. Darüber kann die Abwechslung (u.A. Afrika, Schiff, Sumpf) auch nicht hinwegtäuschen. Teilweise fühlt man sich hier eher wie in einem ganz normalen Shooter! Die KI ist wie gehabt, die Leute stapfen gemächlich auf den Spieler zu oder rennen auch mal. Später agieren die Infizierten, "Ouroboros" genannt, wie Soldaten, tragen Helm und Schutzweste und benutzen AKs und Stockgranaten, da ist Schluss mit Survival-Horror. Auf der anderen Seite kriegt das Spiel hier aufgrund des recht langsamen Gameplays und der Musik einen kleinen Jagged Alliance 2 - Touch, keine Ahnung, wie ich darauf komme.
Auf jeden Fall merkt man dem Spiel hier seine Wurzeln nicht mehr an. Zu selten werden die verbliebenen Momente genutzt, um die Atmosphäre gruseliger zu machen. Lichtblicke sind da eine riesige Halle, die einen Matrixtouch ala menschliche Brutkästen erzeugen kann und das Wiedersehen mit den Lickers, die im besten Falle leisen Schrittes umgangen werden müssen. Ruhige Momente mit einem gefundenen Dokument, leider zu selten, versprühen auch ganz gut Atmosphäre, aber das hält sich doch eher in Grenzen.
Apropos Matrix, der Oberbösewicht könnte direkt aus einem der Filme genommen worden sein: Er weicht Kugeln aus und hat nebst immenser Kraft einen Coolness-Faktor, der nicht nur Neo die Show stehlen würde, sondern vorallem dem Hauptprotagonisten Chris Redfield: Der Bizeps mag doppelt so groß wie der von RE4-Leon sein, das Profil ist aber nicht gewachsen, beliebig austauschbar.
Wie schon im vierten Teil wird jeder Akt mit einem Bossfight beendet, mal bockschwer (es sei denn, es befindet sich ein RPG im Gepäck <3), mal viel zu einfach. Quick-Time-Events sind dafür auch wieder stark vertreten, lassen teilweise aber meiner Meinung nach zu wenig Reaktionszeit. Oft sind Cutscenes damit bestückt, was doch schon oft genug ärgerlich sein kann, wenn man seinen Fingern etwas Ruhe geben wollte. Ich hab grundsätzlich nichts gegen QTE, aber manchmal rechnet man schlichtweg nicht damit.
So, halten wir fest: Horror's almost gone. Aber was die Locations an Horror verlieren, machen sie durch die Grafik wieder wett: Bis auf das matschige Wasser besticht das Spiel durch hervorragende Grafik, die erstaunlich flüssig über den Bildschirm wandert. Licht, Texturen, Modelle: Alles stimmt hier. Man kann sich teilweise garnicht satt sehen an der Umgebung. Streng linear, aber doch genug Finessen, um zu überzeugen.
Akustisch gibts auch nichts zu meckern, sowohl Effekte als auch Soundtrack passen ins visuell sehr gute Gesamtbild.
Das Spiel ist leider recht schnell rum, genug Entertainment gibt es aber. Freizuspielen sind unter Anderem noch andere Charaktere, wofür z.B. die Anzahl der Tode in jeder Mission begrenzt sein muss oder die Spielzeit. Für Lesefreudige gibt es ein paar Files, um etwas über die Personen und Organisationen in Erfahrung zu bringen, sie lesen sich doch aber teilweise eher wie Deutscharbeiten eines Schülers.
Fazit: Resident Evil 5 balanciert zwischen Action und Horror. Der Spagat funktioniert nicht, zum Gruseln ist definitiv zu wenig da. Nichtsdestotrotz ist hiermit ein Actionskracher vom Feinsten erschienen, der zu begeistern weiß, sofern man sich von den meisten bisherigen Merkmalen der Reihe trennen kann.