Vertrat Richard Florida in "The Rising of the Creative Class" (2002) die These, dass eine neue Klasse, die "Kreative Klasse" schon bald zur führenden Gesellschaftsschicht heranwachsen würde, so erweitert er diese These in seinem neuen Buch: Angesichts der Folgen der Finanzkrise fordert er einen radikalen "Reset" der Gesellschaft, der sich an der Freisetzung unserer ungenutzten Fähigkeiten zu kollektiver Kreativität orientieren sollte. Überzeugend zeigt er, dass ein grundlegender, an nachhaltiger Entwicklung orientierter Umbau unserer "Wirtschaftslandschaft" und - damit einhergehend - die Entwicklung eines entsprechenden Lebensstiles anstehen.
Als Schlüssel sieht er die Entwicklung eines Bildungs- und Ausbildungssystems, das den Anforderungen der neuen Kreativwirtschaft gerecht wird. Stichpunktartig formuliert er eine zugespitzte, aber im Kern zutreffende Kritik unseres Schulsystems und benennt die Alternative: "Wir brauchen ein Bildungssystem, das unsere kollektive Kreativität anspornt, anstatt sie zu ersticken." (S.217) Ja, mehr noch fordert er einen neuen Gesellschaftsvertrag, der ein Grundrecht zu umfassenden Entwicklung und Nutzung kreativer Fähigkeiten garantiert.
Beziehen sich weite Teile seiner Ausführungen auch auf die Situation der amerikanischen Gesellschaft nach der Finanzkrise, so sind doch seine Einsichten zur kreativen Ökonomie auch für die deutschen Leser/innen anregend und liefern dringend benötigte Argumente für den anstehenden Umbau unseres nachwievor rückständigen Bildungssystems: "Bildung und Infrastruktur, Kreativität und Konnektivität, das sind die Dinge, die wir in Angriff nehmen können und verbessern und gewährleisten müssen, um diesen Reset zu überstehen und neuen Wohlstand aufzubauen." (S.220)
Fazit: Ein überzeugendes Plädoyer für den Ausbau und die Nutzung kollektiver Kreativität.
Prof.Dr. Olaf-Axel Burow Universität Kassel