Leid, Verzweiflung und Aussichtslosigkeit prägen seit jeher den Ausdruck des Blues. Und diese Stimmung ist auch häufig in dem vorliegenden Roman zu finden. Schließlich handelt die Geschichte ja auch von einer Gruppen von Indianern in einem Reservat des Bundesstaats Washington an der Westküste der USA, die einer Bluesband gründen. Wer jetzt spannende Indianerabenteuer oder unterhaltsame Geschichte aus dem Musikeralltag erwartet, wird nicht wenig enttäuscht sein. Gewiss kann man dem Autor (der übrigens im selben Indianerstamm aufgewachsen ist) nicht vorwerfen, Erwartungen zu enttäuschen und nicht die beliebten Klischees zu bedienen. Die Geschichte erzählt in oft schockierender Weise von dem bettelarmen und von Alkohol und Gewalt bestimmten Dasein der Indianer in den ihnen zugewiesenen Reservationen. Die Erzählung ist ausgemalt mit vielen schön-schrecklichen Bildern und Metaphern und verlässt so häufig den Rahmen des Realistischen, dass die ganze Geschichte meiner Meinung nach am Ende höchst unwirklich und wenig glaubhaft erscheint. Irgendwie nährt sich das ganze Werk von einer düsteren und destruktiven Fantasie, das Ende erscheint so gleichgültig wie der Anfang und alles zusammen wirkt schließlich wie eine böse Träumerei, ein Alptraum. Natürlich hat das ganze teilweise schon einen gewissen Touch einer indianischen Sagen- und Mythensammlung, doch kommt man beim interpretieren immer wieder an die Grenzen des Nachvollziehbaren. So liest sich „Reservation Blues" am Ende alles andere als leicht und undifferenzierte, provokativ-unpassende Formulierungen rufen immer wieder empörende Ablehnung hervor. Vergebens sucht man in diesem Buch einen Funken Hoffnung. Es scheint mir eben für Schwarzseher geschrieben zu sein, von der Sorte wie im Roman der „Mann-der-wahrscheinlich-ein- Lakota-war" und immer nur diesen einen Satz aufsagt: „Das Ende der Welt ist nahe!" Und keiner nimmt es ernst.