Dies ist die erste Staffel einer Serie des amerikanischen FX-Channel, der zu Fox gehört. Im Mittelpunkt stehen der New Yorker Feuerwehrmann Tommy Gavin (getrennt lebend, drei Kinder), dargestellt von Denis Leary, und seine Kollegen einer New Yorker Feuerwache. Wir schreiben das Jahr 2004 und die Ereignisse des 11.September, nach denen den New Yorker Feuerwehrleuten aufgrund der vielen Todesopfer unter ihnen ein Heldenstatus zugeschrieben wurde, sind noch frisch.
Die Staffel fokussiert v.a. auf die Person von Tommy. Er ist vom Typ her unbeherrscht, cool, agressiv und zwar mit einigem Verantwortungsgefühl und einem Hang zur Nachdenklichkeit ausgestattet, aber mit ebensoviel Missachtung der Gefühle und Bedürfnisse anderer Leute und von jeglichem menschlichen Anstand. Er lebt in einem Haus gegenüber der von ihm getrennt lebenden Ehefrau, die die gemeinsamen drei Kinder betreut. Zu Beginn hat die (Ex-)Frau einen neuen Partner, den er aber mit fiesen Trick drangsaliert (u.a. mit Hilfe seiner Brüder, die bei der Polizei sind). Er hat regelmäßig Visionen von seinem am 11.September als Feuerwehrmann gestorbenen Cousin, der auch sein bester Freund war, und 'unterhält' sich mit ihm, was ihn aber nicht daran hindert, mit dessen Witwe ein Verhältnis zu beginnen (neben anderen Frauengeschichten). Im Vergleich zu dem, wie die Serie äußerlich erscheint, liegt auf Figur und Privatleben von Tommy der absolute Fokus. Der Hintergrund der Geschichten um die Feuerwache ist schwächer ausgeprägt und beleuchtet hier wiederum v.a. private Geschichten der Feuerwehrleute: Einer versucht mit Poesie den 11.September zu verarbeiten. Einer ist homohpob und verprügelt einen schwulen Feuerwehrmann. Einer ist der hunderprozentige Weiberheld (dann aber auch irgendwann Vater). Einer legt sein Interesse auch hauptsächlich in Frauen, ist dabei aber weniger hunderprozentig bei der Sache und auch mal nachdenklich und ein bisschen sensibel. Der letzte schließlich gerät immer wieder in etwas skurrile Geschichten rund um Frauen und Sex.
Man sieht schon, in der Staffel dreht sich viel um Frauen und Sex. Nicht nur die Geschichten im Privatleben, sondern auch die Gespräche auf der Feuerwache. Am Anfang der Staffel ist es noch etwas weniger und in der letzten Folge auch, aber zwischendrin gibt es minutenlang nur derbe Männergespräche über Frauen, ihre diversen Körperteile und was man mit ihnen so erlebt hat (den Frauen und ihren Körperteilen). Szenen rund um die Feuerwehrarbeit kommen zwar in jeder Folge vor, aber eher kurz (und in den Pausen geht es nie um die Arbeit, sondern eben Frauen und vielleicht noch Sport). Auch sind die Einsatzszenen nicht nur kurz, sondern auch sehr zurückhaltend. Es gibt nur sehr kleine Feuer und gelöscht wird eigentlich fast nie, höchstens Menschen aus dem Gebäude gerettet. Hier machen sich wohl Budgetprobleme bemerkbar, da aufwendige Feuerszenen sicher teuer zu drehen sind.
Immer wieder thematisiert wird auch der Heldenstatus der Feuerwehrmänner nach 9/11. Sie selber sprechen es immer wieder an und auch die Menschen, die ihnen begegnen, wobei das von "Ihr seid Helden" bis zu "Jetzt ist aber mal genug mit dem Heldenstatus" variiert.
Ich finde die Staffel äußerst schwierig zu beurteilen. Zunächst mal kommt sie von der Anmutung so daher wie die modernen Qualitätsserien a la Sopranos und Six Feet under. Das betrifft die sehr rhytmischen und präzisen Dialoge, die Zerrissenheit der Figuren, die nicht linear erzählten Plots, etc.. Diesen modernen Ansatz setzt man im Prinzip gekonnt um, wenngleich merklich etwas weniger intensiv. Die Dialoge sind ähnlich präzise, aber die Figuren sind zwar auch dunkel, aber doch etwas simpler und die Stories werden etwas stringenter erzählt. Auch werden viele Stilmittel dieser Serienart aufgegriffen, zunächst mal der Einsatz von Licht und Kameraperspektiven, aber auch Dinge wie Erscheinungen von toten Personen. Ein in den letzten Folgen auftauchender Zwerg erinnert fast sogar an 'Carnivale'. Der Einsatz wirkt aber weniger durchdacht und manchmal etwas gewollt.
Das ist teilweise überzeugend, im ganzen hat es aber weniger Substanz. Es stört zum einen die geringe Berücksichtung der eigentlichen Feuerwehrarbeit. Sie hat zu wenig Raum und die Szenen sind auch nicht gut gespielt. Ist sonst das schauspielerische Niveau sehr hoch (v.a. Dennis Leary hat sehr viel überzeugende Präsenz), wirken sie im Einsatz doch eher wie Schauspieler, die Feuerwehrmänner spielen und das fast lustlos. Das nimmt der Serie Charakter und Herz. Die Männer reden ständig davon, wie es ist ein Feuerwehrmann zu sein; wenn sie es aber mal wirklich sind, sind sie irgendwie mit halben Herzen dabeo. Das nimmt dem sonstigen Reden deutlich die Kraft. Ebenso stört die zunehmende Betonung des Sex-Themas. Die coolen Sprüche und die aufgesetzt sexuelle Sprache ist auf Dauer einfach nicht mehr cool und witzig, sondern kann fast nerven. Und wenn man bei jedem Kontakt mit einer neuen Frau weiß, wie das drei Szenen später endet, dann wird's auf Dauer auch ermüdend. Sehr eigenartig ist die völlig Oberflächlichkeit und moralischer Nihilismus der Männer. Selbst auf den Tod eines Feuerwehrmannes (bzw. auf den Tod von Familienmitglieder oder Dinge wie Feuer im eigenen Haus) reagieren sie äußerst gelassen und sind zwei Szenen weiter schon wieder bei coolen Gesprächen über Frauen. Auch die extreme Aggressivität der Akteure wirkt manchmal etwas übersteigert.
So schwankte ich während der ganzen Staffel zwischen einerseits Gefallen an der prinzipiell handwerklich hohen Qualität und der hohen Präsenz und dem starken Charisma der Akteure und Genervtsein über die erzählerischen Schwächen und die Mono-Thematik. Starke Szenen und Themen wechselten sich mit Oberflächlichkeiten und schwach erzählten Stories ab. Am Ende bleibt ein Bild, wo man das Gefühl hat, dass die amerikanische Gesellschaft und ihre Helden hier endgültig zetrümmert und vernichtet werden. Abgesehen davon, dass sie ab und zu mal jemand retten, sind die Akteure aggressiv, chauvinistisch, homophob, sexfixiert, sozial-kulturell knapp über der Grasnarbe angesiedelt. Und andere Akteure (wie Polizisten) sind auch nicht besser. Interessant auch das Frauenbild, denn eigentlich sind alle Frauen immer sehr willig und außer an Sex auch an nicht viel interessiert. Es erscheint das Bild einer amerikanischen Gesellschaft, die völlig verroht und kaputt ist. Selbst ihre vermeintlichen Helden sind nur eine Chimäre, weil eigentlich aggressive, asoziale Trottel, die eher zufällig mal was Gutes tun. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es Absicht war, das so darzustellen. Entweder haben die Macher hier ausversehen nicht die coole Serie gemacht, die sie machen wollten, sondern den finalen Schlag gegen die Gesellschaft geführt, oder es ist eine absolut geniale - weil völlig getarnt daher kommende - Zetrümmerung der Gesellschaft, die viele der Zuschauer bloß nicht begreifen und so von den Machern grandios vorgeführt werden.
Wen diese Frage neugierig macht, dem sei die Staffel sehr empfohlen. Ansonsten ist es eine gut gemachte Serie, die einige Höhepunkte hat, die man aber wegen zahlreicher Schwächen nicht unbedingt gesehen haben muss.