Christian Meiers erstmals 1966 erschienende "Studie zu Verfassung und Geschichte der späten römischen Republik" (Untertitel) ist mittlerweile zu einem geschichtswissenschaftlichen Klassiker geworden. Kaum ein Seminar über die römische Republik, oder auch die frühe Kaiserzeit, welches dieses Buch nicht in das Literaturverzeichnis aufnimmt. Und das vollkommen zu Recht.
Meiers Ansätze und Thesen zur Spätphase der römischen Republik sind bis heute in ihrer Substanz nicht angetastet worden und werden in Seminaren und Vorlesungen gelehrt.
Die Ausgangsfrage Meiers lautet nicht, warum die Republik untergegangen sei, sondern warum sie überhaupt solange hat überleben können. Aus diesem Ansatz leitet er dann seine Hauptthese der "Krise ohne Alternative" ab. Das bedeutet, dass sich keine gesellschaftliche Schicht ein anderes politisches System überhaupt nur vorstellen konnte. Die "gewachsene Verfassung" der res publica wurde als unantastbar und alternativlos betrachtet, da jahrhundertlang alle gesellschaftlichen Schichten von ihr, vor allem materiell, profitiert hatten.
Aus dieser Alternativlosigkeit folgte dann, nach Meier, zwangsläufig eine "Extensivierung" der Verfassung. Das heißt, dass versucht wurde, die Institutionen der alten Republik den neuen Gegebenheiten anzupassen. Höhe-, und gleichzeitig Schlusspunkt, dieser Entwicklung sei der von Caesar 49 v.Chr. wegen seiner dignitas entfesselte Bürgerkrieg gewesen. Dignitas (Würde, Ehre,) ist über die Jahrhunderte die Haupttugend der aristokratischen Elite gewesen. Man ging in die Politik, nicht um Reichtum zu erwerben (der war vielmehr überhaupt Voraussetzung zu diesem Schritt) sondern um seine dignitas zu vermehren. Nun trug gerade Caesars insistieren auf seine dignitas dazu bei, dass ein Krieg geführt wurde, der zum Untergang der Adelsrepublik führte. Die res publica ist also, wie es schon Montesquieu analysierte, an ihren eigenen Tugenden zu Grunde gegangen.
"Res publica amissa" ist aber nicht für den Einsteiger in die Geschichte der römischen Republik zu empfehlen. Die ersten 200 Seiten sind Strukturgeschichte pur, das heißt, im Mittelpunkt der
Darstellung stehen Ämter und Institutionen und nicht die Ereignisgeschichte. Diese wird vielmehr vorausgesetzt. Wer also nicht eine ungefähre Ahnung von den Gracchen, Drusus, Cinna, Mithridates, Sulla, den Seeräuberkriegen, Pompeius, Crassus, Cicero und, natürlich, Caesar hat, wird so seine Schwierigkeiten haben, Meiers Gedankengänge nachzuvollziehen. Der letzten hundert Seiten zeichenen dann die "entscheidenden Stadien der akuten Krise" nach und gehen somit mehr auf die Ereignisgeschichte ein. Im Mittelpunkt aber bleibt die Verfassung der Republik.
Fazit:fast 40 Jahre alt und immer noch DAS Standardwerk. Als Einführung in die Geschichte der römischen Republik ist aber eine der zahlreichen auf dem Markt erhältlichen Darstellungen zu diesem Thema zu empfehlen.