Mit "The Clayman" haben In Flames vor knapp 2 Jahren einen Meilenstein des melodischen Death Metals abgeliefert.
Dementsprechend groß war die Erwartungshaltung zum aktuellen Album "Reroute to Remain"...
Das Album hat bei mir einen eher zwiespältigen Eindruck hinterlassen, ich weiß nicht wirklich, was ich davon halten soll.
Einerseits... ganz klar. In Flames sind in Topform, das wird sehr deutlich. Einige sehr interessante Songs finden sich auf diesem Album, wie zB "Metaphor", das beinahe schon eine Ballade ist oder auch "Trigger", bei welchem sich heftig knüppelnde und softe, schmeichelnde Parts abwechseln. Abwechslungsreichtum wird groß geschrieben!
Auch einige potentielle Ohrwürmer finden sich auf dem Album, zB. "Egonomic", "Cloud Connected", oder auch der Rausschmeißer "Black & White", die aufgrund ihrer Ohrwurmqualitäten auch sehr gut auf "The Clayman" gepaßt hätten, ebenso wie "Free Fall", den möglicherweise melodisch stärksten Song des ganzen Albums. Und dann gibts da noch die wirklich heftigen Kracher, z.B. "Drifter", einen wirklichen UpTempo-Knaller, der trotz alledem mit einer sehr interessanten Melodie aufwarten kann, Sehr starker Song! Ein weiterer solcher "Gruftsong" ist "Minus", der mit einer wirklich bedrückend düsteren Stimmung aufwarten kann und trotzdem eine faszinierende Melodie vorweisen kann.
Interessante Experimente werden auch beim Opener und Titelsong gemacht, der stellenweise sehr an Peter Tägtgrens "PAIN" erinnert, ebenso wie "Transparent", bei dem ebenfalls industrialmäßige Effekte wie verzerrter Gesang ins Spiel gebracht werden.
Besonders beeindruckend wirkt dann das anschließende "Dawn of a new day", mit seinem faszinierenden Wechselspiel zwischen typischem In Flames-Geschrei und richtigem (man höre und staunde!) Gesang. Auch
Warum dieser fade Beigeschmack der Einleitung obwohl die Songs an und für sich doch alle toll klingen?
Ganz einfach: Auf diesem Album befinden sich 14 Songs, von denen ein Großteil so klingt, als hätte man ihn schon gehört, teilweise bei der Band selbst auf dem absolut genialen Vorgägner, teilweise auch bei anderen Bands.
Keine Frage, ein tolles Album, darüber braucht nicht gestritten zu werden. Die Frage ist nur, für wen es interessant ist, da sich aufgrund der industrialähnlichen Experimente und der Ballade mit Sicherheit der eine oder andere Fan der ersten Stunde überlegen wird, hier zuzugreifen.
Der Limited Digipak rundet das Gesamtbild dann ab. Bandpics, Songtexte, Linernotes in einem geschmackvollen, düsteren Artwork... Das gibt noch mal Punkte in der B-Note.
Fazit: Im Prinzip kann ein In Flames-Fan nicht viel falsch machen mit diesem Album. Für Leute, die das Melodic Death-Genre erst mal antesten wollen, ist dieses Album aber vielleicht nicht das richtige, dazu fehlt einigen Songs einfach die Schlagkraft.