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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen
Eine Rose ist nicht in jedem Fall eine Rose,
Von Heiko Bolick (Olten, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Reread Another. Nochmal den Text ein anderer (Gebundene Ausgabe)
Der in Rumänien aufgewachsene Siebenbürger Sachse Oskar Pastior lebte von 1927 bis 2006. Er hat ein umfangreiches lyrisches Werk hinterlassen, für das er auch oft ausgezeichnet wurde (so noch im Todesjahr mit dem Büchner-Preis). Pastior wurde 1945 in die Sowjetunion deportiert und lebte 1949, nach seiner Rückkehr, als Hilfs- und Gelegenheitsarbeiter, dann als Betontechniker. Nach dem Germanistikstudium veröffentlichte er 1964 seinen ersten Band mit Gedichten ("Offene Worte"). 1968 flüchtete er in den Westen. Seine Lyrik war stark beeinflusst vom Sprachspiel und von der Lautpoesie des Dadaismus. Er war Mitglied der Autorengruppe OULIPO (u.a. mit Italo Calvino und Raymond Queneau), die mit Spracherweiterungen durch formale Zwänge (z.B. kein "e" im Text) hervorgetreten ist. Oskar Pastior war eine singuläre Erscheinung im deutschsprachigen Literaturbetrieb.Das vorliegende Buch enthält das 1921 von Gertrude Stein geschriebene "Reread another", eine See- und Alpenlandschaft in 24 Szenen. Die deutsche Nachdichtung von Oskar Pastior ("Nochmal den Text ein anderer") hält sich weder genau an die Form, noch an den Inhalt, erhält aber durch die scheinbare Flapsigkeit eine ungeahnte Aktualität und subversive Sinnebene, vor allem durch die Bezüge zum Krieg. Das Buch enthält (neben einem Nachwort von Oskar Pastior) auch eine CD mit der musikalisch unterlegten Hörfassung des deutschen Textes aus dem Jahre 1994. Ein guter Einstieg, um sich danach mit den Texten zu beschäftigen. Ein Sinn ergibt sich bei der Lektüre nicht, aber einen solchen zu verlangen, steht den Lesern von Stein und Pastior nicht an. Es geht letztlich um den Umgang mit Sprache, um die Unterscheidung von Identität und Differenz. Eine Rose ist nicht immer eine Rose, so wie eine Wiederholung nicht Stillstand bedeutet. Mit jeder Wiederholung verändert sich die Bedeutung des Gesagten um Nuancen. Mit der ersten Rose verbinden wir andere Erlebnisse oder Bilder als mit der zweiten. Die Lektüre bietet keinen roten Faden, eher semantische Felder, die einen nach Wortverwandtschaften Ausschau halten lassen. Oskar Pastior spinnt den Text nach eigenem Gutdünken weiter, ganz im Sinne von: "Die erste Nachahmung gelingt sehr gut. Die zweite Nachahmung ahmt sehr gut nach. Die dritte Nachahmung ist nicht ganz umsonst. Die vierte Nachahmung zwingt zu größerer Genauigkeit." - Ein toller Text, ein tolles Buch! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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