Unter den Aufnahmen des Requiems (Missa pro defunctis) des spanischen Meisters Tomas Luis de Victoria gehört die Aufführung mit dem Westminster Cathedral Choir unter David Hill zu denjenigen, die den tiefsten Eindruck hinterlassen. "This goes to the head of the list of some fine versions of this Requiem" (Fanfare, U.S.A.), "Glorious" (The Good CD Guide) und Preis der deutschen Schallplattenkritik sind Zitate und Hinweise, die den vorgenannten Eindruck bestätigen.
Tomas Luis de Victoria ist ein spanischer Komponist, der 1548 geboren wurde. Schon früh wurde man auf die musikalischen Talente Victorias aufmerksam. Auf Unterstützung der Kirche und des Königs Philipps des II wurde er im Alter von 17 Jahren nach Rom geschickt. Dort erhielt er auf Schulen der Jesuiten eine theologische Ausbildung, an die sich später seine Priesterweihe anschloss. Gleichzeitig machte er sich als Musiker einen Namen. Er wurde Nachfolger von Palestrina, war aber später nur als Geistlicher tätig. Im Alter von 37 Jahren kehrte er nach Spanien zurück, um als Kaplan in die Dienste der Kaiserin Maria und nach deren Ableben in die Dienste ihrer Tochter Margarita zu treten. Anlässlich des Todes der Kaiserin Maria 1603 komponierte er das Requiem Missa pro defunctis Das musikalische Schaffen Victorias war im Vergleich mit anderen Komponisten seiner Zeit wenig umfangreich, aber von enormer Ausstrahlung. Das Requiem gilt als Meisterwerk der spanischen Renaissance und ist von überwältigender spiritueller Kraft.
Kaiserin Maria war die Schwester Philipps II. und Witwe des deutschen Kaisers Maximilian II. und lebte im königlichen Kloster der Karmeliterinnen, wo sie am 26. Februar 1603 verstarb. Tomas Luis de Victoria erhielt den Auftrag zur Komposition des Requiems. Auszug aus der Begleitbroschüre: "Die großen Trauerfeierlichkeiten fanden erst am 22. und 23. April in der Kirche von St. Peter und St. Paul (an der Stelle des heutigen Doms zu Madrid) statt" ... "Der Katafalk mit der Darstellung der Kaiserin Maria in ihrem Sarg stand zwischen Chor und Hochaltar. König Philipp III. war anwesend im Trauerkleid aus Schwarz und Silber, seine Kusine, die königliche Nonne Prinzessin Margarete, alle Würdenträger aus Kirche und Staat - eine Menschenmenge, die heute an eine Szene aus einem Gemälde von El Greco denken lässt - alle nahmen teil an dem alten katholischen Ritus der Requiemmesse."
Das eigentliche Requiem wurde durch andere Werke von Victoria (zu Beginn und am Schluss) ergänzt. Wegen der Einzelheiten wird auf das Booklet verwiesen.
Größe und Würde der Komposition finden in vorliegender Aufnahme mehr als nur überzeugenden Ausdruck. Komposition und Interpretation erfassen den verständigen Hörer auf Tiefste. Angesichts der Bedeutung Komposition sollte man auch zur Aufnahme mit Escolania & Capella de Musica Montserrat Ars Musicae Barcelona unter Ireneu Segarra greifen. Freilich sind auch die anderen Kompositionen von Victoria sämtlich eine Empfehlung.