Auch wenn Enoch Freiherr zu Guttenberg anfangs kritisiert wurde, so gilt sein Stil mittlerweile als unverkennbar und durchaus legitim.
Mein persönlicher Zugang zu dieser Aufnahme war ein Begleittext des Dirigenten selbst im Booklet. In diesem schreibt Guttenberg über die Arbeitsweise, wie er das Werk erarbeitet hat. Schnell wird klar, dass es ihm ganz und gar nicht um die Musik und deren Ästhetik geht. Nein, ihm geht es allein um die Absicht, Ansicht und die erzielte Wirkung des Komponisten.
In diesem Fall bei Mozart eine Kritik am Glauben zu Gott, seine Sehnsucht nach Rettung im Tod und auch der Wahnsinn eines Genies.
Besonders beeindruckt haben mich die mächtigen Crescendi, die Guttenberg eingefügt hat ' kaum deutlicher zu hören als im "Dies Irae". Die mächtigen Pauken und die Trompeten entfalten hier ihre volle Wirkung.
Schon beim "Introitus" war ich schlichtweg sprachlos. Es beginnt sehr leise, aber dennoch abgehackt, und dann plötzlich: ein möchtiges Forte der Trompeten, kurze mächtige Schläge der Pauke und der Chor beginnt mit "Requiem..."
Beim "Kyrie" wurde ersichtlich, was dieser Chor überhaupt zu leisten vermag. Für einen Laien vielleicht nicht ersichtlich, aber wer sich ein wenig auskennt, wird mir hier Recht geben müssen. Klare, saubere Töne und das gebunden in Sechzehnteln, wo kein einziger Ton auch nur verschwommen, geschweige denn verschluckt wird.
Das berühmte "Lacrimosa" ist für meinen Geschmack zu schnell im Tempo, doch sehe ich es im Kontext dieser Aufnahme als durchaus gerechtfertigt an. Das Tempo verleiht dem sonst so wehleidigen klingenden "Lacrimosa" einen etwas federnden, heiteren Charakter, das vielleicht zum Ausdruck bringen soll, dass Mozart vielleicht doch ein wenig im Reinen zu sich gefunden hat.
Schön abgerundet wird das unvollendete Requiem in einer passenden Fassung, die noch einmal Mozarts Themen und Motive aufgreift.