"Requiem" beschreibt in der Retrospektive den 2. Weltkrieg und das Kriegsende aus der Sicht der daheimgebliebenen und nicht aktiv am Kampf teilnehmenden Frauen. Die Protagonistin ist ein 16-jähriges japanisches Mädchen, das sich als vermutlich einzige Überlebende ihrer Familie entkräftet in einem Bombenunterstand versteckt hält. Um es gleich vorweg zu nehmen: das Buch hat, wie es die Thematik erahnen lässt, kein Happy End.
Zum Inhalt: Die Protagonistin Setsuko erinnert sich an die Bombenangriffe, an den Tod geliebter Personen und auch an ihre Überzeugungen und die Propaganda, der selbst die Schulmädchen ausgesetzt waren. Das Buch ist somit keine bloße Darstellung des Leidens der Zivilbevölkerung, sondern enthält auch starke politische Aspekte. In den Briefen zwischen der Protagonistin und ihrer engsten Freundin wird über das Für und Wider des Patriotismus diskutiert, aber am Ende wird vor allem eines klar, nämlich die ganze Sinnlosigkeit des Krieges.
Von den handelnden Personen und der Thematik her weist das Buch starke Parallelen auf zu dem Roman "Der Sommer an jenem Tag" von Kazuko Saegusa, bzw. von der Stimmung her zu dem Animationsfilm "Das Grab der Leuchtkäfer".
An manchen Stellen hat man das Gefühl, als wolle einem das Elend der daheimgebliebenen Frauen oder die Schuldfrage mit der Holzhammermethode verdeutlicht werden. Wenn man aber bedenkt, dass der Roman autobiographische Züge aufweist, lässt sich dies zumindest erklären, wenn es auch trotzdem etwas unangenehm auffällt. Zudem spricht aus der Reflektiertheit der Gedanken teilweise eher die erwachsene Autorin in den 1970er Jahren als das junge japanische Mädchen während des Krieges. Das ist vermutlich gewollt, lässt die Perspektive aber dennoch etwas unrealistisch wirken. Die Übersetzung von Jürgen Berndt ist gelungen, er bleibt sehr nah am Original und der Text liest sich flüssig.
Zusammengefasst: Das Buch ist keine seichte Abendlektüre. Darauf sollte einem nicht nur der Titel, sondern bereits der Verlag, nämlich der Orlanda Frauenverlag, einen Hinweis geben. Es ist ein Zeitzeugnis und wer sich mit Japan und dem 2. Weltkrieg beschäftigt, wird dort einiges finden, was ihn zum Nachdenken anregt.