Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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69 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
filmgewordene Kunst, diese Totenmesse, 22. Mai 2005
Ein Satz vorweg: "Requiem for a Dream" schafft das, was Gaspar Noë mit möglichst provozierender Gewalt schafft (man sehe sich "Irreversibel" an): einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, der sich vor allem mit einem Wort beschreiben lässt. Dieses Wort ist Hoffnungslosigkeit. Wie der Titel des Films es schon plakativ und poetisch zugleich herausposaunt: Aronofsky destruiert im Verlauf des Films sämtliche Freuden, sämtliche Hoffnungen, sämtliche Träume eben, die die vier Protagonisten zu Beginn des Films noch gehabt haben. Da wären Harry und Tyrone, die vom großen Drogengeschäft träumen und zu diesem Zweck Stoff kaufen, strecken und weiterverkaufen. Harrys Freundin Marian, Kind aus reichem Hause, die wie Harry und Tyrone süchtig nach zahlreichen Drogen ist. Und Harrys harmlose alte Mutter, die verwitwet zu Hause sitzt und süchtig nach einer bunten lauten Fernseh-Selbstfindungsshow ist. Als sie in die Sendung eingeladen wird, fasst sie den Beschluss abzunehmen, und als das zu mühsam wird, verschreibt ihr ein Arzt Appetitzügler, von denen sie abhängig wird - immer noch allein zu Haus, sogar einsamer denn je. Der Mutterplot entwickelt sich im Verlauf des Films zum eindrücklichsten der beiden Hauptgeschichten, da die alte Dame es sich nicht aussucht, abhängig zu sein. Sie versteht ja bis zum Schluss nicht, was mit ihr geschehen ist, und auch als ihr Kühlschrank sich wiederholt in seiner Ecke mit lautem Krachen bewegt, lautet ihre einzige Reaktion: noch eine Appetitzüglerpille. Und noch eine. Aronofsky schafft es wie schon bei "Pi", die Talfahrt seiner Protagonisten visuell künstlerisch und gleichwohl wie mit dem Holzhammer zu untermalen. Die Szenen, in denen Harrys Mutter von Wahnvorstellungen geplagt auf die Straße flüchtet, mitten im Winter nur mit ihrem idealisierten roten Kleid bekleidet, überbieten an optischer Brillianz alles, was ich bisher in Filmen gesehen habe. Aronofsky benutzt für die Visualisierung des Innenlebens seiner Figuren unorthodoxe Mittel. Zum Beispiel setzt er die schon aus "Pi" bekannten schnellen Ablaufsequenzen ein, wenn seine Figuren die Drogen zu sich nehmen. Dadurch verkommt die Prozedur zum bloßen Automatismus, während der Zuschauer gleichzeitig schnell und intensiv ins Erlebnis hineingeworfen wird. Überhaupt lässt Aronofsky wenig Distanz zu seinen Figuren zu. Während man sie anfangs gut kennenlernt in ihrem gemeinsamen Sommer, sich teilweise gar mit ihnen identifizieren mag und ihren kleinen Wunschträumen inmitten der grell-sommerlichen Realität, lernt man später ihren Untergang kennen - und damit den eigenen gleich mit. Sämtliche Szenen basieren letztlich auf der gezeigten Dualität von Innen- und Außenleben der Figuren. Das betont Aronofsky durch jene filmischen Mittel, die beispielsweise ein andermal Harrys Mutter am Frühstückstisch zeigen, vor sich eine Grapefruit, ein hartes Ei und eine Tasse Kaffee. Man sieht ihr trauriges Gesicht - Schnitt - und die leergegessene Grapefruitschale - Schnitt - ihr immer noch unbefriedigtes Gesicht - Schnitt - die Eierschalen - Schnitt - ihre unveränderte Miene - Schnitt - die leere Kaffeetasse - Schnitt - und ihren Blick zum Kühlschrank. Auf diese Weise lässt Aronofsky den Zuschauer gleichsam am äußeren Geschehen - in diesem Fall dem Essen - und am Innenleben - dem unbefriedigten Zustand der alten Frau - teilhaben und konzentriert sich dabei aufs Wesentliche, ohne allzu akribisch Abläufe aufzuzeigen. Um diese geht es ja auch nicht. Es geht nur darum, wo alle Figuren aus Aronofskys Film am Ende landen: sehr weit unten. Dies alles schafft Aronofsky ohne moralischen Zeigefinger zu präsentieren. Zu alltäglich wirken die Charaktere, zu tragisch deren Schicksal, zu nachvollziehbar ihre Beweggründe, als dass noch Platz für aufgesetzte Moral wäre. Zugegeben: Ab 16 ist der Film nicht, das aber allein aufgrund psychischer Gewalt, nicht physischer. Eines dürfte sicher sein: Wer diesen Film gesehen hat, lässt die Finger von Drogen. Zu eindrucksvoll ist das Schauspiel, das sich da vor den eigenen Augen abspielt, zu grausam, zu hoffnungslos, zu erniedrigend, zu erschlagend die optische sowie auditive (der Soundtrack zählt zu den besten seiner Art) Omnipräsenz des Films. Aronofsky stellt sein Können als Filmkünstler nach dem sehr guten "Pi" mit einem noch besseren Film unter Beweis, einem Film, der das geistige Potential des Großteils der weiter unten herbeipolemisierten "MTV-Jugend" weit übersteigen dürfte. Was bleibt, ist das Wissen, dass es auch anders ginge. Vielleicht wird das Requiem im eigenen Leben ja doch zu einem Menuett. Zu hoffen wäre es.
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61 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
NICHT GESCHNITTEN, 3. November 2005
Von Ein Kunde
Ich muss hier meinem Vorredner wiedersprechen. Dieser Film ist keinesfalls geschnitten! Mein Vorredner hat wohl die Filmlägen der NTSC-Version und der PAL-Version verglichen. Beim Transfer vom Kinoformat(24fps) zum PAL-Format(25fps) wird das Bild um vier Prozent beschleunigt -- also von 24 fps auf 50 Bilder pro Sekunde. Dadurch laufen die Filme 1,04-mal schneller und sind dementsprechend um 4 Prozent kürzer -- ganz ohne Zensur. Der Film selbst ist auf jeden Fall eine Herausforderung für den Seher, fordert er doch zum Mitdenken auf. Die gut agierenden Darsteller zeigen eindrucksvoll den Verfalll der Charaktäre durch die inneren und äußeren Veränderungen. Hier wird nicht die heilge Welt vorgegaukelt, sondern man wird als Zuseher unter die kalte Dusche gestellt. Offen und ehrlich bis zum bitteren Ende. Die vorliegende Premium Edition liefert zusätzlich zur normalen Fassung noch ein recht umfangreiches Bonusmaterial. Waren Bild und Ton schon vorher auf einem gut-durchschnittlichen Niveau, so hat man nun auch über den Film hinaus noch einiges zu tun. Wer anspruchsvolle Filme liebt, kann hier unbedingt zugreifen.
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103 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Genialer Film, schlechte DVD, 14. Dezember 2002
Da anscheinend die meisten hier nur über den Film und niocht über die DVD sprechen, werde ich jetzt mal nicht über den FIlm, sondern nur über die DVD sprechen. Der Film selbst ist zweifelsohne einer der beunruhigendsten und gnadenlosensten Drogen-Filme, die es gibt und er hat 10 von 10 Sternen verdient! Gerade deshalb ist es verwunderlich, wie ein so grandioser Film in eine so schrecklich schlechte DVD gepackt werden kann. 1. Der Film ist nur mit deutscher Tonspur enthalten, das allerdings einmal in Dolby Digital 2.0 und 5.1. 2. Es ist kein zusätzliches Material auf der DVD, ausser ein paar Trailer, die vom Genre her alledings ganz und gar nicht zu dem Film passen. 3. Die Bildqualität ist nur mittelmäßig. 4. Der Kollege, der den Text hinten auf der Hülle verfasst hat, hat entweder den Film nicht gesehen oder interpretiert völlig daran vorbei.Was haben sich die Leute von HighlightDVD bloß dabei gedacht, dieses Aronofski-Meisterwerk in so ein dreist schlechtes Kostüm zu zwängen?? Film: 5 Sterne, DVD: 1 Stern = 3 Sterne insgesamt. Matthias
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