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Der erste Gesamteindruck bringt einen Clapton, der mit dieser CD fast an die großartigen Aufnahmen des Unplugged-Albums anschliesst. Kein unbedingt sehr kommerzielles Album, aber Clapton wieder nahezu „back to the bluesroots", allerdings mit neuen Ideen, neuer Instrumentierung und mit Soundexperimenten, die in dieser Art noch nicht von ihm bekannt sind. Teilweise mit neuen Begleitmusikern und vor allem mit einer gewaltigen Portion Keyboardbegleitung, mit Vokalisten der Extraklasse (The Impressions) im Background und Gästen, die ihr (Blues-)Handwerk wirklich verstehen. Positiv zu vermerken ist, daß Simon Climie und Paul Waller sich mit der Drumprogrammierung endlich einmal zurückgehalten haben, was der Klangfülle dieses Werkes ganz entschieden gut tut. Auf der CD befinden sich die folgenden 14 Titel:
Reptile - Eine der wenigen Clapton-Kompositionen, jazziger als Clapton sonst ist, swingt diese Instrumentalnummer auf die kommenden 13 Titel ein.
Got You On My Mind - Ein Bluesklassiker, perfekt dargebracht und good old Billy Preston (seinerzeit der Tourpianist der Stones und Studiopianist der Beatles) an der Hammond Orgel moduliert den groovigen Blues excellent über die Runden
Travelin' Light - J. J. Cale hat diesen Blues geschrieben und wen ich es nicht besser wüßte, hätte ich beim Anhören sofort auf ihn als Interpreten getippt. Clapton imitiert Cale so großartig mit seiner Stimme, daß es ein wahrer Ohrenschmaus ist. Über allem hebt sich natürlich das Slidespiel des Meisters in grandioser Art hinweg.
Believe In Life - Eine jener romantischen Clapton-Kompositionen, die das Zeug zu einem Radiohit haben, wie es auch „My Father's Eyes" oder die Phenomenon-Titelmusik „Change The World" geworden sind.
Come Back Baby - Ein Blues von Ray Charles, natürlich mit Billy Preston an der Orgel und Tim Carmon am Piano, Clapton schafft zwar stimmlich nicht die Intensität des alten Herrn, aber gemeinsam mit den Impressions baut sich eine schwülstige Bluesathmosphäre auf, die kaum zu überbieten ist.
Broken Down - Simon Climie schrieb diese Nummer und prompt hat Paul Waller das drum programming übernommen. Auch wenn sich Joe Sample am Wurlitzer abmüht, kann dieser Titel nicht ganz das Niveau der restlichen CD halten. Trotzdem eine ausgesprochen gute, langsame Bluesballade.
Find Myself - Piano- und Gitarrenblues vom Feinsten, man fühlt sich in die Dancehall der Fünfziger zurückversetzt, denn dabei kann man so richtig verschmust übers Parkett walzen.
I Ain't Gonna Stand For It - Wem dieser Titel bekannt vorkommt, der hat ihn sicher bei Stevie Wonder gehört, der diesen souligen Sound produziert hat. Ein völlig anderer Clapton, offensichtlich hat ihm die beschwingte Nummer aber gut getan, denn das Lied klingt als unheimlich fröhlicher Hüpfblues aus den Boxen.
I Want A Little Girl - Auch hier erinnert mich jeder Ton an düstere Kaschemmen mit Barpianisten, verraucht, verrucht und mit schwüler Stimme betet Clapton diese Ballade herunter, die durch den Chorgesang im Hintergrund, wie eine Four Tops-Kreation klingt.
Second Nature - Diese Nummer swingt vom ersten Ton an, so kennen wir Clapton, so lieben wir ihn, so hat er die letzten Jahre seinen Sound gefunden. Diese Komposition von Clapton und Climie könnte nahtlos von „Pilgrims" entnommen sein. Was daran „störend" ist, ist wie üblich das fade drum programming.
Don't Let Me Be Lonely Tonight - James Taylor ist der Komponist und Clapton versucht wieder diesen zu imitieren und vergißt seinen eigenen Gesangsstil. Trotz dieser (kleinen) Mängel ist dieser langsame Blues vom Arrangement her ein Leckerbissen für Fans.
Modern Girl - Irgendwo kann der Bär mit dieser langsamen Clapton-Komposition nicht so recht glücklich werden. Nicht daß sie schlecht wäre, sie hat alles was Clapton-Nummern auszeichnet. Perfektes Gitarrespiel auf der Akustik, zarte romantische Vokals und eine behutsame Begleitung, aber nicht Fleisch und nicht Fisch, hier passen für mich irgendwie die unterschiedlichen Stil- und Rhythmusmischungen nicht ganz zusammen. Es klingt schön und interessant, aber auch nach wiederholtem Hören fehlt irgendein I-Tupfen.
SuperMan Inside - Hier fetzt es wieder, das ist Hardcore-Blues, elektrisch und aufrüttelnd und über alles webt Billy Preston einen Tastenteppich, wie es harmonischer nicht geht. Clapton on top, das muß ein Hit werden.
Son & Sylvia - Mit dieser romantischen Instrumentalabschlußnummer zu Ehren seiner Tante Sylvia endet die CD. Nach den harten Klängen des vorigen Liedes ein perfekter Ruhepol. Für den Bären die schönste Clapton-Ballade seit langem, man möchte am Liebsten die Liebste in den Arm nehmen, die Augen schliessen und Kuscheln, wenn Billy Preston auf der Harmonika mit Clapton's Gitarre im Duett zärtlich die Musik ausklingen läßt.
Fazit: Endlich wieder einmal eine Clapton-CD, die man trotz Mainstream empfehlen kann. Die Musik läßt sich trotz des Bluescharakters von jedem anhören und einige Titel haben das Zeug, in die Charts zu kommen. Trotzdem klingt diese CD nicht kommerziell geflickt, sondern perfekt durchstrukturiert mit neuen Ideen, neuem Sound und einem Clapton, der immer besser wird. Gelegentliche (stimmliche) Ausrutscher verzeiht man dem Vollblutmusiker, der sich mit diesem Werk wieder kräftig an der Blusgitarrenfront zurückmeldet.
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