Kurzbeschreibung
Die kleine Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas z-hlt zu jenen vergessenen Opfergruppen der NS-Diktatur, deren Schicksal und Leid in der ffentlichen Erinnerung lange Zeit verdr-ngt worden ist. Und zwar in West wie Ost gleichermaßen. Die Leidensgeschichte dieser missionarisch sehr aktiven Religionsgemeinschaft war jedoch mit dem Zusammenbruch der NS-Diktatur keineswegs beendet. Bereits 1950 wurden sie in der DDR erneut verboten und abermals Opfer harter Verfolgungsmaßnahmen, wie sie keine andere Religionsgemeinschaft erdulden mußte. Insgesamt wurden ²ber 6000 Zeugen Jehovas verhaftet und teils zu -ußerst harten Strafen verurteilt, gut ein F²nftel der Verurteilten waren Frauen. Es ist wohl dem Mechanismus der gesellschaftlichen Marginalisierung und der Ausgrenzung zuzuschreiben, daß die einzigartige Kontinuit-t der Verfolgung in beiden deutschen Diktaturen ²ber Jahrzehnte hinweg von der Forschung kaum wahrgenommen wurde, von der "ffentlichkeit ganz zu schweigen. In beiden Systemen hielten die Zeugen Jehovas unersch²tterlich an dem Grundsatz der strikten politischen Abstinenz fest. Sie untersagten ihren Anh-ngern die Mitarbeit in politischen Organisationen und Parteien, enthielten sich der Aus²bung des Wahlrechts und verweigerten, was am schwersten wog, konsequent den Milit-rdienst. Diese Grunds-tze der privaten Lebensf²hrung stellten keine bewußte politische Opposition dar, sondern resultierten aus der Glaubenslehre und der Bereitschaft zum duldsamen M-rtyrertum. Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in den totalit-ren Weltanschauungsdiktaturen ist vor allem eine Geschichte standhafter Verweigerung aus ihrem Glauben heraus. Der vorliegende Sammelband enth-lt einen fundierten aberblick ²ber den Forschungsstand und beleuchtet die unterschiedlichen Facetten des Themas.