Das Anästhesie-Repetitorium von Heck/Fresenius genießt ja einen recht guten Ruf - also liegt der Gedanke nahe, sich auch mal das Pendant zum eigenen Arbeitsschwerpunkt näher anzusehen. Allerdings habe ich diese Entscheidung schon nach 15 Minuten bereut:
Zur Prüfungsvorbereitung empfehle ich am ehesten das Spiel "finde 10 Fehler im Medikamentenkapitel" - sehr lange wird man dafür nicht brauchen: Cyclizin wird fälschlich als Dopaminantagonist bezeichnet, Dimenhydrinat macht plötzlich Dyskinesien, Pestwurz wird für "vasomotorischen Spannungskopfschmerz" eingesetzt (eine nicht existente Erkrankung), Pregabalin ist angeblich nicht zur Anwendung beim neuropathischen Schmerz zugelassen (auf der nächsten Seite wird dann korrekterweise das Gegenteil festgestellt), um nur ein paar Beispiele zu nennen.
In anderen Kapiteln sieht es nicht viel besser aus: beim neuropathischen Schmerz wird Carbamazepin als erstes Mittel genannt, ohne darauf hinzuweisen, dass es für die Anwendung außerhalb der Trigeminusneuralgie keine Evidenz gibt, für Amitriptylin wird als höchste Dosierung 75mg empfohlen (entgegen der Studienlage), um nur einen kleinen Teil der Fehler zu nennen. Im Kopfschmerzkapitel wird die IHS-Klassifikation genannt, jedoch nicht die entsprechenden Diagnosekriterien für die einzelnen Erkrankungen (obwohl das mit 3 zusätzlichen Zeilen bei Besprechung der Symptomatik möglich gewesen wäre) - man erspare mir bitte weitere peinliche Details, die übrigen Kapitel habe ich nur noch überflogen.
Noch schwerwiegender ist allerdings, was das Buch komplett übergeht: Es gibt kein Kapitel zur Psychologie des chronischen Schmerzes, zur Schmerzmessung, interdisziplinären Therapie, biopsychosoziales Schmerzmodell, Chronifizierung - scheint alles unwichtig zu sein bzw. wird beim Rückenschmerz in wenigen Zeilen abgehandelt. Auch beim Thema Opioide ist die Problematik "Opioide beim chronischen Schmerz" offenbar nicht erwähnenswert - die Einstellung der Autoren zum chronischen Schmerz und seiner Therapie ist offenbar irgendwo in den 90er Jahren stehengeblieben.
Ich habe keine Ahnung, ob die Inhalte dieses Buches für die Prüfung "spezielle Schmerztherapie" ausreichen (ehrlich gesagt: Ich hoffe nicht!) - aber keinesfalls sollte man sich der Illusion hingeben, nach dem Durcharbeiten einen Überblick über die moderne Schmerztherapie gewonnen zu haben. Diesbezüglich bietet jedes Studentenlehrbuch mehr.