"Renn, wenn Du kannst" ist nach dem Episodenfilm "Neun Szenen" das eigentliche Spielfilmdebüt des jungen Filmemachers Dietrich Brüggemann.
Die Geschichte dreht sich um den jungen Ben, der an den Rollstuhl gefesselt ist, und seinen Zivis auf die Nerven fällt. Sein neuer Zivi Christian erscheint ihm etwas anders, und die beiden schließen einigermaßen Freundschaft. Zu diesem Gespann kommt auch noch Annika hinzu, die Cello studiert, und in die Ben seit längerem heimlich verliebt ist. Die drei kommen sich näher und unternehmen ab und an etwas zusammen. Es kommt aber, wie es kommen muss, und die beiden Jungs verlieben sich in Annika. Dies bleibt nicht ohne Folgen, und es wird immer klarer, dass sich das Leben der Drei verändern wird.
Brüggemann hat das Drehbuch zusammen mit seiner Schwester Anna geschrieben, die (bekannt aus dem deutschen TV, "Tatort", "Polizeiruf 110") hier auch die Rolle der Annika spielt. Sie ist in jedem Fall eine super Besetzung, und neben ihr glänzen hervorragend Robert Gwisdek ("Neue Vahr Süd", "13 Semester") als Ben, und Jacob Matschenz ("Vorstadtkrokodile", "12 Meter ohne Kopf") als Christian. Die Geschichte mag tragisch klingen, und hat auch genügend dramatische Szenen zu bieten, ergeht sich aber nie in der Traurigkeit. Vielmehr versteht es der Regisseur hier einen Witz reinzubringen, der einen immer wieder schmunzeln lässt. Auch das wirkt aber nie aufgesetzt, oder zwanghaft auflockernd. Vielmehr würde ich den Film durchaus als tragische Komödie sehen, die obendrein Themen wie Liebe, Freundschaft und das Leben ansich anspricht. Auch wenn Bens "Läuterung" etwas extrem rüberkommt, versöhnt einen das sehr gelungene Ende dann doch wieder. Vor allem weil es nicht das typisch kitschige Happy-End ist, sondern eine logische Folge aus den Personen selbst heraus ist. Sehr gut gefällt auch der Soundtrack des Films, der eine gekonnte Mischung aus klassischen Musikstücken bietet, und einige Tracks der ehemaligen Britpop Band " The Cooper Temple Clause". Wer dem deutschen Film nicht abgeneigt ist, dem sei dieses Kleinod wärmstens empfohlen!
Neben Einem Audiokommentar und einigen Castingszenen bietet die DVD auch noch knappe 35 Minuten an entfallenen und verpatzten Szenen.