Ich habe eine Weile mit mir gerungen, ob ich für dieses Buch eine Rezension schreiben soll. Ich wollte nicht noch zu den negativen Kritiken beitragen, denn diese Serie, obwohl sie nicht alles gehalten hat, was sie in Shaman's Crossing versprochen hat, ist einzigartig und verdient, gelesen zu werden.
Nachdem ich jetzt Renegade's Magic vor zwei Tagen fertig gelesen habe, und immer noch darüber nachdenke ' und mich darüber ärgere, und mich über die zwei Ein-Stern-Rezensionen ärgere, die Recht haben, mit dem, was sie sagen und doch am eigentlichen Punkt vorbeigehen - muss ich wohl loswerden, was mir keine Ruhe lässt.
Ja, die ersten Kapitel sind praktisch nur Wiederholung. Und die letzten hundert Seiten (Ähnlich wie in Fool''s Fate übrigens, ich hoffe, sie macht da keine Gewohnheit draus) bestehen aus einem letzten überflüssigen Konflikt, der nach dem eigentlichen Höhepunkt stattfindet, ärgerlich kitschig ist und gestrichen gehört hätte. Ja, dieser Band hat nicht wirklich viel eigenständige Handlung, im Grunde genommen nur Ausschlachten der anderen beiden Bücher. Mrs Hobb hatte offensichtlich nicht genug Plot für ein Buch, das so lang sein sollte wie die beiden Vorgänger, deswegen wirkt hier alles ein wenig leer und ausgewalzt. (Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich das Buch in zwei Tagen durch gelesen hatte!)
Die Begegnungen mit den Specks und die Vorbereitungen auf den Überfall wirken ein wenig primitiv, nicht sehr gut ausgearbeitet, nicht sehr gut recherchiert. Einleben in die Kultur der Specks, so sie denn existiert (was nicht ersichtlich ist), hätte Plot und Tiefgang auch für diesen Band bieten können. Und Gott allein weiß, dass, wenn man das Ende streichen würde, auch dieser dumme God of Balance nicht heranbemüht werden müsste. (Das ist schon ziemlich himmelschreiend konstruiert, aus einer einzigen Szene in Forest Mage. Wohl auch nur Seitenfüller.)
Ah, aber dann die Gründe, wieso ich es trotzdem empfehle:
Die der Magie zugrunde liegende Idee ist einzigartig und fantastisch. Und wenn auch alles, was dafür nötig ist, nur der erste und zweite Band sind, ist es trotzdem interessant und spannend, wie die einzelnen Hinweise an ihren Platz fallen und auf einmal Sinn ergeben. Das eigentlich Ende ist ziemlich gut, und wenn nur Mrs Hobb es dabei hätte bewenden lassen, hätte ich mich zu vier Sternen durchringen können.
Die Spaltung Nevares in zwei Seelen ist, wie bei Hobb nicht anders zu erwarten, das Fesselndste an diesem Band. Sie lässt ein paar geniale Ideen anklingen, die auszuarbeiten diesen Band fantastisch hätte machen können. (Wiederum zu wenig Handlung allerdings und die meiste Zeit wird Bezug genommen auf Geschehnisse aus den beiden Vorgängerbüchern.)
Ich kann diesen Band nicht wirklich verteidigen, aber er ist nun mal der Abschluss der Serie, und, wenn man wissen will, worauf all die Andeutungen hinauslaufen, dann wird man sich wohl oder übel mit diesem etwas ungenügenden Abschluss abfinden müssen. Jedenfalls sollte man sich über einiges im Klaren sein, wenn man diese Serie in die Hände nimmt: es ist keine gewöhnliche Fantasy, es ist keine actionlastige Fantasy. Nevare ist nicht Fitz (obwohl Amzil erschreckende Ähnlichkeit mit Molly aufweist). Der Leser hat sehr viel zu leiden, weil im allgemeinen die Hauptfigur von allen schlecht behandelt wird und jede Menge Ungerechtigkeiten erleidet. Aber die Konzepte und Ideen hinter dem eigentlichen Plot sind es, die diese Bücher wirklich lesenswert machen. Wer sich darum nicht schert, wird, das kann ich mir durchaus vorstellen, seine Probleme mit der Lektüre haben. Wer sich darauf einlässt, wird auf ein paar Überlegungen stoßen, die auch nach Ende der Lektüre nicht mehr loslassen, und die auch diesen Band einigermaßen rehabilitieren.