Normaler Weise habe ich eher Probleme mit jungen "Künstlern", die nach oben gepusht werden. Auch bei Renee Olstead bleibt, obwohl das Mädchen wirklich singen kann, ein kleiner Rest fahlen Nachgeschmacks. Dass soll jetzt keineswegs anmaßend sein, aber über Olsteads "Lebenswerk" sollten wir frühestens in 25 Jahren diskutieren. Zugegeben muss ich auch, dass ich jetzt nicht der "große" Jazz-Kenner bin. Dennoch bin ich durchaus in der Lage Bebop, Swing, klassischen Jazz und Big Band-Jazz von einander zu unterscheiden.
Was bei diesem durchweg interessanten Debüt auffällt, ist, dass sich Olstead vorwiegend (um ja nichts falsch zu machen?) im leicht zugänglichen Mainstream bewegt. Alle Songs sind locker und leger auf eine (vermute ich) eher stromlinienförmige Hörerschaft zugeschnitten. Dass soll aber nur ein kleiner Kritikpunkt sein, denn Renee hat eine wirklich schöne, angenehme Stimme und auch die Band (1a Studio-Musiker) hat ihr Handwerk erlernt. Trotzdem ist es vor allem Olstead's Stimme, die dann auch mal über zu geschmeidig-flockig-schwülstige Musikpassagen hinweg hilft.
Insgesamt ist dieses Debütalbum also eher etwas für den normalen Musikkonsumenten, der, in lauen Sommernächten, gerne mal den Schritt in eine neue Musikrichtung wagt. Dafür ist diese CD wie geschaffen! Der echte Jazz-Freund wird mit der CD, außer als angenehmer Background-Musik, nicht ganz soviel anfangen können. Gleichwohl möchte ich auch diesen Musikfreunden empfehlenl in dieses Debüt hineinzuhören.
Renee Olstead bleibt zu wünschen, dass sie sich positiv weiter entwickeln kann, und, dass ist durchaus ernst gemeint, dem Mädchen (natürlich erst wenn sie 18 ist!) mal ein paar Single Malt Whisky's und ein paar gute Nummern (seien sie musikalischer oder körperlicher Natur) zukommen.
-Dass kann dieser Stimme nur gut tun, denn dann kann sie sich bestimmt auch mal an so richtig kantige Songs im Stile einer Etta Jones oder Billie Holiday wagen...
-Und dann gibt's auch ein fünftes Sternchen!