Während die radikal offene Biografie die betroffenen Leser geradezu schockte mit der Hoffnungsbotschaft: "Du bist nicht allein im Kotzkerker und Deine Befreiung ist ebenso möglich wie meine!", zeigt das neue Buch von Christina Didszun die konkrete Praxis der Befreiung:
Die Heilung besteht eben nicht in einem Überwinden der Krankheit durch einen erfolgreichen Selbstverbesserungskampf gegen die eigene Schwäche/Sucht, sondern paradoxerweise im Seinlassen von dem, was ist, war und eventuell wird. Heilwerden vollzieht sich nämlich von selbst, infolge meiner ganzheitlichen Bewusstwerdung bei den tagtäglichen Gefühlen, Gedanken und Entscheidungen. Es geschieht, indem Du einfach Dein Herz für Dich pochen lässt, Dich lieb hast und entspannst - egal, was passiert - um Dich herum, in Deinem Körper, in Deinem Fühlen, in Deiner Denkfabrik. In jeder Alltagssituation, bei jedem negativen Gedanken über Dich und andere, bei jedem Scheißgefühl und vor allem, n a c h jedem Rückfall und vermeintlichem Versagen: Hab Dich so lieb, wie Du gerade bist, entlasse Dich aus Deinem Anspruch ... und Du bist frei! Dieses Freisein - hier und jetzt - ist wie ein zweiter Urknall in Dir, der ein expandierendes Universum der Entspannung über alles ausbreitet ... Deine Neugeburt!
Diese persönliche Evolution basiert jedoch auf mutigen "Neuwahlen im Oberstübchen": Das bewusste Hinterfragen und Verabschieden der krankmachenden Glaubenssätze, Wertmaßstäbe und Normen, besonders der unbewusst-allmächtigen Überlebensprogramme aus der Kindheit und des Werturteilens an sich. "Liebe/Wertschätzung nur für Leistung!" ist das Hauptfolterinstrument, mit dem wir uns knechten und von uns selbst entfremden (lassen). Die heilende Praxis liegt in der Achtsamkeit für das Leben in unserem Körper und unserem Gefühl - jetzt, genau in diesem Moment! Die einzelnen Kapitel zeigen Schritt für Schritt und auf alltägliche Herausforderungen bezogen, vielfältige mögliche Alternativen zum destruktiven Selbstumgang. Ein wunderbar klärendes und Kraft gebendes Buch!
Es räumt nicht nur mit dem "Unheilbarkeits-Dogma" bezüglich Suchtstörungen auf, sondern mit dem "Unwissenschaftlichkeits-Tabu" in der therapeutischen Medizin überhaupt, indem es das Heilmittel beherzt "unwissenschaftlich" beim Namen nennt: Liebhaben seiner selbst! Wem das zu "naiv" - zu simpel, um hilfreich zu sein - erscheint, der kann ja noch eine Ehrenrunde der Anpassung im wissenschaftlich-ökonomisch manipulierten Normenland der postindustriellen Selbstentfremdung drehen ...,aber der eigene Erkenntnisprozess bleibt damit wahrscheinlich unnötig leidvoll. Hast Du Deine "Erkrankung" schon mal als ganz persönlichen Notausgang aus der gesellschaftlichen Lieblosigkeit betrachtet? Die Befreiung ist so schlicht wie sie klingt: Das bewusste Ja zu Dir und Deinem Leben: Öffne Dein Herz, atme tief und lass Dich so sein, wie Du jetzt in diesem Moment gerade bist! Die tägliche, situative Umsetzung dieser Weisheit braucht allerdings einen geklärten Fokus und Mut! Und das ist das unglaubliche Geschenk, das uns dieses Buch macht.
Ebenso wundervoll für die Leser ist die seelisch-geistige Verbundenheit mit den ErfahrungsgenossInnen, über deren abgedruckte Briefe. Als Leser erfährt man so den Heilungsprozess intersubjektiv, d.h. als gemeinschaftlich-verbundenes Erheben aus dem Ich-Kerker. Indem ich jemandes Heilungsspuren nachlese, ist es als ob ein Teil von mir selbst freigelassen worden ist - denn, ob ich das Mitgefühl, die Freude an zunehmender Selbstliebe, die Güte und Wertschätzung für einen anderen "Erfahrungsengel auf Erden" empfinde oder schon explizit für mich selbst - der Prozess des Liebens, Mitfühlens, der Bewusstwerdung und damit meiner Heilung ist bereits in vollem Gange ...