Wer sich geballt Stoff über menschliche Existenz und Sinnhaftigkeit von Paarkonstellationen geben will, sieht diesen Film zeitnah mit "Swingers - ein unmoralisches Wochenende". Das ist ein perfektes Double Feature. Wer dann noch Nerven hat, schiebt quasi zur Entspannung "Die zwölf Geschworenen" hinterher ... ;-)
Genau wie "Swingers" ist "Rendezvous" ein fast konsequent durchgezogenens Kammerspiel mit zwei Paaren. Aber während in "Swingers" der Partnertausch offen vollzogen wird und die Charaktere bezüglich des Grades ihrer Selbstreflexion und Selbstsicherheit beleuchtet werden und sich die gut verborgenen Unwahrheiten und Konflikte genau daran entzünden, betrüben sich die Paare in "Rendezvous" seit ein paar Wochen und die allesamt überdurchschnittlich reflektierten Figuren unterscheiden sich eher darin, wie sie ihren Lebenssinn definieren und sich in ihrer Umwelt verankern. Auch sind die Figuren in "Rendezvous" stärker stilisiert als in "Swingers"; hier macht sich wohl die Vorlage bemerkbar.
Walter gewinnt Lust durch Macht und Kontrolle und definiert Erfolg über Geld. Punkt. So einfach ist das. Und er hat sein Leben konsequent daran ausgerichtet.
Seine Partnerin Anna hätte lieber auch Streicheleinheiten und soziales Gefüge in ihrem Leben, kann sich aber nicht durchsetzen. Da Walter ihr Lebensmodell nicht attraktiv findet, übt es keine Anziehung auf ihn aus. Im Gespräch vereitelt Walter Erkenntnisgewinn und Ausgewogenheit durch Dominanzrhetorik. So findet Anna beim befreundeten Jost Verständnis und Zuwendung.
Jost seinerseits hat verloren. Er hat geerbt und kann das Unternehmen nicht erfolgreich führen. Sein halbes Leben hat er "geopfert, um" seiner Partnerin Yvonne "zu helfen". Im Moment unseres Zuschauens steht er vor dem äußeren Nichts. In der Affäre mit Anna kann er für einen Moment mit dem, was er am besten kann, Hoffnung schöpfen.
Yvonne kreist um ihr Selbstmitleid ebenso wie Walter um seine Macht. Sie glaubt wie er nicht an soziale Bindungen. Aber anders als Walter hat sie ihrem Leben keinen konkreten Sinn gegeben. Sie sucht nach Halt in der Bindung zu Jost, in der aber beide Rollen spielen, die nicht tragfähig sind. Die ungetrübte Konsequenz von Walters Dasein übt enorme Anziehungskraft auf sie aus.
Status wird sehr gut gespielt und in allen Szenen bleiben die Darsteller ihrer Rolle treu. Und da sind Szenen dabei, in denen Rollentreue heftigst auf die Probe gestellt wird. Es ist auch nicht eben leicht ein Theaterstück filmisch umzusetzen.
Wichtiger Stoff, glaubhaft besetzt, intensiv gespielt, stilistisch und technisch passend umgesetzt. Nichts für kuschelige Abende, klar.
Offenbar gab es wegen der Zuschüsse Grabenkämpfe oder andere Befindlichkeiten im Zusammenhang mit der Produktion; anders kann ich mir die inhaltlich weitgehend unhaltbare Rezension unten nicht erklären. Schade. Für mich als Zuschauer aber nicht erheblich. Ich befürworte die Verfügbarkeit der DVD, da ich den Film noch einmal sehen wollte, nachdem ich ihn im Kino gesehen hatte.