Dieses Buch habe ich binnen weniger Tage verschlungen. Wie viele andere sehne ich mich manchmal nach Denkalternativen, scheint es doch, als ob unsere Politik alles Visionäre eingebüßt hätte und nicht einmal mehr das mittelfristig Machbare wahrnehmen könnte.
Politik ist ja bekanntlich die Kunst des Machbaren. Um aber aus dem Machbaren das Brauchbare zu wählen, braucht es ein Wissen um das Mögliche und, zweitens, ein Wissen vom Wünschenswerten. Die erste Bedingung ist in den Zukunftsentwürfen dieses Sammelbandes erfüllt: die Autoren der Beiträge gehen vom derzeitigen Stand der Dinge aus und schildern uns eine Welt von Morgen, in denen der, in den meisten Fällen, technische Fortschritt zu neuen Formen des gesellschaftlichen (oder auch privaten) Lebens geführt hat.
Hier setzt meine Kritik ein: das Machbare ist nicht immer das Wünschenswerte. Eine Utopie sollte nicht einen möglichen Ausgang eines historischen, z.B. technischen, Prozesses darstellen, sondern eine lebenswerte, in die Zukunft versetzte Alternative zum Bestehenden. Wenn dazu Technologien dienlich sind, sollte dargestellt werden, inwiefern diese Technologien zu einem besseren Leben beitragen. Eine Welt, die aufgrund technologischer Entwicklung anders ist, ist deshalb noch lange nicht besser. Kurz, die Autoren schienen mir oft etwas vom Machbaren hypnotisiert gewesen zu sein, und haben dadurch das Wünschenswerte aus dem Blick verloren.
Daran, dass die "utopischen" "Berichte" spannend zu lesen waren, ändert meine Kritik aber nichts.