Alan Stivells Wiederentdeckung der keltischen Harfe war in den Siebzigerjahren eine große Bereicherung für Musik- und Naturliebhaber gleichermaßen. Die breite Aufmerksamkeit, die er gewann, war jedoch keine Überraschung, wenn man auf die Zeitumstände sieht. Französische Polizisten gingen mit unvorstellbarer Härte gegen Anti-Atomkraft-Demonstrationen vor, sodass manche Teilnehmer eine Hand oder einen Fuß dabei verloren. Ein Lehrer aus Marseille starb gar bei einem Polizeieinsatz. Die Havarie eines Erdöltankers hatte weite Teile der bretonischen Küste in einem kaum vorstellbaren Maße verunreinigt und ließ sich in ihren Folgen für Mensch und Tier nur schwer abschätzen. Das Erschrecken darüber, dass die so genannte Zivilisation immer größere Opfer verlangte, brachte geradewegs eine Gegenkultur auf. Alan Stivell war dieserhalb gar nicht wegzudenken.
Seine Musik reicht von eingängigen, schön klingenden Arrangements hin zu sehr komplexen Strukturen, die ihm und seinen exzellenten Begleitmusikern eine Menge abverlangen. Sie offenbart dem Hörer sehr viel von ihrer Inspiration: von einem Leben mit den Naturgewalten, einem unentwegten Dahinfließen in einer Landschaft von Wind und Weite. Als einem Bandleader im besten Sinne des Wortes gelingt es Stivell, sein Instrument für sich "sprechen" zu lassen - und er besitzt ein untrügliches Gespür, wann es an der Zeit ist, sich selbst zurückzunehmen, um seinen Mitmusikern die Gelegenheit zu geben, ihren eigenen Part einzubringen. Was dabei entsteht, ist ein außerordentliches Klangdokument des gelungenen Zusammenspiels. Leider reichen Stivells Studio-Produktionen bei Weitem nicht an seine Live-Einspielungen heran. Wer sich aber ein wenig mehr mit seiner Musik befassen will, findet hier einen geeigneten Ausgangspunkt.