In den letzten Momenten des Filmes "Confessions of a Dangerous Mind" sinniert der frustrierte Erzähler über seine Idee für eine neue Gameshow: "I call it the Old-Men-Show. Three old men are sitting on a stage and talk about the dreams and ambitions they had when they were young and which of these they could realize. The one who doesn't blow his brain out wins. He gets the refrigerator."
Stevens, der Protagonist und Erzähler von "The Remains of the Day" hätte keine Chance, den Kühlschrank zu gewinnen. Während einer sechstätigen Reise zu einer wichtigen Person seiner Vergangenheit, berichtet uns Stevens über seine Tätigkeit als Butler auf dem Anwesen von Lord Darlington zwischen den Weltkriegen. Ausgiebig beschreibt er seine Vorstellung der "dignity" eines Butlers sowie den zahlreichen geheimen Treffen wichtiger Persönlichkeiten auf dem Anwesen. Doch den wichtigsten Teil seines Lebens, der gleichzeitig der Grund für seine Reise ist, nämlich seine nie realisierte Liebe mit der Hausdame Miss Kenton, erwähnt er nur indirekt, was daher die volle Aufmerksamkeit des Lesers erfordert.
Es ist mitreißend, faszinierend und genial wie Ishiguro sich den Ich-Erzähler selbst entlarven lässt und sein gesamtes Leben als unglücklich, leer und sinnlos dekonstruiert wird. So beschreibt Stevens den glücklichsten Tag seines Lebens, als er, trotz des Todes seines Vaters, der zu diesem Zeitpunk ebenfalls als Butler bei Lord Darlington angestellt war, seine Pflichten zur vollen Zufriedenheit aller anwesenden Gäste erfüllt hat. Er habe an diesem Tag das Ideal der "dignity" voll und ganz erfüllt, so Stevens.
Ebenso berichtet er, wie er auf Anordnung seines Arbeitgebers zwei jüdische Hausmädchen entlassen muss. Es kommt ihm nicht einmal der Gedanke, diese Entscheidung in Frage zu stellen, da dies wiederum seiner so hochgeschätzten "dignity" widersprechen würde. Die Empörung Miss Kentons wiegelt er daher mit einem Lächeln ab.
Und dann sind da die vielen kleinen Hinweise, die erahnen lassen, was Stevens wirklich für Miss Kenton fühlt, ohne dies jemals sich selber oder gar Miss Kenton einzugestehen. So nimmt er stoisch zur Kenntnis, als sie ihm eines Tages unter Tränen offenbart, dass sie einen Mann heiraten wird, den sie nicht liebt.
Als er sie nun 20 Jahre später wiedertrifft, wird sich Stevens schließlich bewusst, was von seinem Leben übrig bleiben wird: Nichts!
Fazit: Neben der genialen Charakterstudie, besticht der Roman vor allem durch sein einmaliges Sprachniveau. Ishiguro schreibt in einer Kunstsprache, so wie Thomas Mann sie in seinen Geschichten und Romanen benutzt hat. Jeder Satz ist perfekt konstruiert und die Grenze zwischen Prosa und Poesie ist oftmals fließend. "The Remains of the Day" ist einer der besten englischsprachigen Nachkriegsromane überhaupt!