Als Studentin der Soziologie im Nebenfach habe ich das Thema "Religionssoziologie" für meine Magisterprüfung gewählt und mich zunächst von der Literaturliste für die Prüfung und den unterschiedlichsten Ansätzen verschiedener religionssoziologischer theoretischer und empirischer Werke "erschlagen" gefühlt. Die Religionssoziologie als in den letzten Jahrzehnten "boomende" Disziplin bildet ein weites Feld - das wir einem schnell klar, wenn man die internationalen Diskussionen verfolgt, die sich vor allem um das Verhältnis zwischen Religion und Moderne drehen. So stößt man auf theoretischer Ebene auch eine Pluralität an Begriffsdefinitionen und Theorien die versuchen Religion und Religiosität auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen oder ausgehend von Individuum zu erfassen. Dabei sind die "Säkularisierung" der Welt in der Moderne, die "Indivualisierung" oder "Privatisierung" der Religion oder das amerikanische "Marktmodell" erste Schlagwörter für verschiedene theoretische Ansätze zur Auseinandersetzung mit der Religion in unserer heutigen Welt. Daneben existieren eine Fülle von empirischen Forschungen auf quantitativer und qualitativer, nationaler und internationaler Ebene....
Aus der Sicht eines Studenten war ich hocherfreut festzustellen, dass unlängst (endlich) ein neues Handbuch publiziert wurde, da es an einem solchen aktuellen und vor allem deutschsprachigen (was sich ja doch für einen Muttersprachler schneller erschließt) mangelte. Das Buch ist sogar recht umfangreich und hat mir in vielen Dimensionen geholfen, das Gelesene - ein Konglomerat verschiedener Autoren europäischer und amerikanischer Herkunft - zu strukturieren, zusammenzufassen und mir darüber hinaus das Feld weiter zu erschließen. Gert Pickel kann in seinem Handbuch zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, aber dennoch kann ich dieses Handbuch zum ersten Einstieg empfehlen, da es auf verschiedenen Ebenen einen mehr oder weniger gut gelungenen Überblick bietet.
Alles in allem sicherlich ein lobenswerter Versuch ein Handbuch zu schaffen für einen sehr komplexen und sich stetig entwickelnden sozialwissenschaftlichen Forschungsbereich. Als Einführung in die Religionssoziologie ist es auf dem deutschen Markt momentan konkurrenzlos, sofern man ein einigermaßen aktuelles Handbuch sucht. Zudem ist es ganz gut geschrieben und bietet strukturiert erste Einblicke in verschiedene Felder der Theorie und Empirie, von klassischen bis modernen Autoren. Ich persönlich konnte es sehr gut zur Einführung gebrauchen - vor allem zur Erschließung gewisser gängiger theoretischer Modelle. Allerdings ist für eine Vertiefung ein eigenes Studium der Originaltexte aktueller Religionssoziologen natürlich unumgänglich. Dies liegt schon alleine darin begründet, dass nicht alle wichtigen aktuellen Autoren und ihre Ansätze in diesem Buch näher ausgeführt werden.
Am meisten hat mich jenes Kapitel gestört, was sich mit den empirischen Ergebnissen der Religiossoziologie beschäftigt - dieses ist einfach viel zu kurz und gibt - gerade was Nordamerika als eins der zentren der internationalen Diskurse - nur sehr fragmentarisch Auskünfte. Aber hierüber kann man sich anhand von Links zu Studien noch weiter einlesen.
Ich empfehle dieses Buch also unter rein pragmatischen Gesichtspunkten für jeden Studenten der Geisteswissenschaften/Sozialwissenschaften oder jeden Laien, der sich mit der Religionssoziologie beschäftigen möchte. Allerdings sollte man sich auf dieses Buch nicht zu sehr verlassen und es lieber als Ausgangspunkt für eine weitere Einarbeitung in die Materie sehen.