Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Weltanschauliche Neutralität, 25. Mai 2008
Immer komplizierter, aber auch immer wichtiger wird in den letzten Jahre das Verhältnis von Staat, Religionen und anderen Weltanschauungen. Angesichts der erstarkenden Diskussion um den Islam und andere nicht-christliche Weltanschauungsgemeinschaften gewinnt das Religionsrecht immer mehr an Aktualität und tritt aus der Abschottung heraus. In Kooperation mit dem Würzburger Strafrechtsprofessor Eric Hilgendorf hat sich der ehemalige bayerische Verwaltungsrichter Gerhard Czermak deshalb daran gemacht, ein Lehrbuch über das immer verworrenere Religions(verfassungs)recht zu verfassen.
Czermak vertritt entgegen der herrschenden Meinung konsequent eine aus dem Geist und Text des Grundgesetzes abgeleitete religiös-weltanschaulichen Neutralität. Er entwickelt konsequent eine Verfassungsinterpretation, die insbesondere dieses Neutralitätsgebot im Fokus hat. Das Gebot religiös-weltanschaulicher Gleichheit folgert er aus einschlägigen Artikeln des Grundgesetzes (Gleichheitsgrundsatz, Religionsfreiheit, bekenntnisunabhängiger Genuss der bürgerlichen Rechte und die zentralen Punkte der inkorporierten Weimarer Artikel).
Das Buch verdient fünf Sterne, weil es einerseits ein juristischer Meilenstein in dem ideologisch dominierten Religionsrecht ist und andererseits trotzdem auch für Nichtjuristen von Interesse ist.
Besonders hervorzuheben ist die für ein Jurabuch verständliche Sprache: Czermak enthält sich unnötiger Sprachakrobatik. Zusätzlich ist jeder Paragraph für sich lesbar, was zwar zu einigen Wiederholungen und Redundanzen führt. Querverweise auf andere Absätze ermöglichen so aber auch eine problemorientierte Leseweise des Lehrbuchs, das sich grob in drei Bereiche einteilen lässt: Die historische Entwicklung (§ 1), einen allgemeinen Überblick über Wirklichkeit, Recht und Moral (§§ 2-5) und den juristischen Hauptteil (§§ 6-20). Am Ende folgt noch ein ausführlicher Anhang, der neben einer Bibliographie und einer Auswahl relevanter Normtexte, eine Auflistung der wichtigsten religionsrechtlichen Entscheidungen des Bundesverfassungs- und des Bundesverwaltungsgerichts beinhaltet.
Der kurze aber prägnante Überblick dürfte für Nicht-Juristen von besonderem Interesse sein.
Themenscherpunkte dabei sind:
die ständig fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft, der aber
die staatliche Erledigung innerkirchlicher Angelegenheiten,
staatlich-kirchlichen Einrichtungen wie die theologischen Fakultäten aber auch dem staatlichen Einspruchsrecht bei manchen Bischofsernennungen,
die Privilegierung der Kirchen im öffentlichen Raum,
die finanzielle Kirchenförderung
und die allgemeine Benachteiligung nicht-großkirchlicher Gruppierungen entgegensteht.
Für den ehemaligen bayrischen Verwaltungsrichter stellt sich das Grundgesetz mit der persönliche und korporative Religionsfreiheit, der prinzipiellen Gleichheit der Weltanschauungen vor dem Gesetz, der grundsätzlichen aber partiell aufgehobenen Trennung von Staat und Weltanschauung und der Religionsfreundlichkeit zusammenfassend als kooperatives Trennungssystem mit umfassendem Neutralitätsgebot dar. Ergänzend stellt der Jurist schließlich einen aus der liberalen Rechtstheorie geborenen Neutralitätsliberalismus anderen Konzeptionen wie dem Naturrecht gegenüber.
Insgesamt stellt Czermak diese juristischen Auslegeregeln entsprechenden Ausführungen immer wieder der herrschenden Meinung seitens kirchenjuristischer Literatur entgegen. Klar formuliert er, wie umstritten ein Thema ist und dient da er ein sehr breites Themenfeld absteckt - somit auch als Einstieg in das Thema für den Juristen. Er verweist auch auf die von Kirchenrechtlern dominierten Standardwerke, die man um als Jurist tiefer in das Gebiet einzutauchen als Kontrapunkt lesen sollte.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Weltanschauungsrecht aus kirchlich neutraler Sicht , 20. Mai 2008
Das neue Buch des ehemaligen Verwaltungsrichters Dr. Gerhard Czermak ist in vielerlei Hinsicht ein Novum. Es trägt den Titel: Religions- und Weltanschauungsrecht. Eine Einführung". Schon durch den Titel unterscheidet sich das Buch von vielen Vorgängern. Diese trugen meist die Bezeichnung Staatskirchenrecht" im Namen. Die Autoren solcher Fachbücher kamen bis auf wenige Ausnahmen aus dem theologischen Spektrum.
Am Anfang des Buches von Czermak findet sich ein Überblick über die Geschichte der Religionsfreiheit und Trennung von Staat und Kirche".
Dann folgt ein Überblick über Wirklichkeit, Recht und Moral", der v.a. für Nicht-Juristen interessant ist.
Es folgt der juristische Teil mit Urteilen und Kommentaren zu vielen verschiedenen aktuellen Themen, wie z.B.
· Gewissensfreiheit
· Neutralitätsgebot
· Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer
· Schule und Religion
· Staatsleistungen an die Kirchen
· Kirchliches Arbeitsrecht
Abgerundet wird das Werk mit einem Überblick über die europäische Entwicklung und einem Beitrag von Eric Hilgendorf zum Thema Strafrecht und Religion und zur Reformdiskussion zu § 166 StGB.
In den Anhängen des Buches finden sich alle maßgeblichen Rechtsnormen. Außerdem gibt es eine Auswahl wichtiger Bundesverfassungsgerichts- und Bundesverwaltungs-Gerichtsentscheidungen.
Den Abschluss bildet ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis, das nach verschie-denen Themen geordnet ist.
Czermak bereitet die wesentlichen Verfassungsfragen verständlich auf. Er hinterfragt die gängige Rechtspraxis vor dem Hintergrund des Gebotes religiös-weltanschaulicher Neutralität kritisch.
Das Buch von Czermak bietet einen Überblick über ein komplexes Rechtsgebiet. Es ist klar verständlich geschrieben. Juristische Fachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Das Werk eignet sich daher nicht nur für das Fachpublikum, sondern auch für den interessierten Laien.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sicht eines Nichtjuristen, 4. Mai 2008
"Grundprobleme werden unter Einbeziehung konträrer Ansichten konkret nachvollziehbar entwickelt. Normtexte und Rechtssprechungsübersichten runden das leserfreundliche Buch ab. Statistische und historische Hinweise fördern das Gesamtverständnis und machen diese Einführung auch für Nichtjuristen, etwa Politologen, Theologen und Journalisten interessant."
Dies verspricht der Rückentext des Buches. Ist dies nicht ganz schön hoch gegriffen? Dazu meine Rezension, der Blick eines Nichtjuristen auf dieses Buch.
Zunächsteinmal ist die Themenauswahl des Buches zu loben. Es wird ein großes Spektrum abgedeckt. Insbesondere gefällt, dass aktuell kontroverse Themen wie (islamischer) Religionsunterricht, Kruzifixe in öffentlichen Gebäuden und ein mögliches Verbot von Weltanschauungsgemeinschaften behandelt werden. Das stellt eine Abkehr von älteren Lehrbüchern dar, die oft auf das spezielle Verhältnis des Staates zu den großen Amtskirchen fixiert waren.
Formal ist zu begrüßen, dass Czermak bewusst konsistent-systematisch argumentiert und besonderen Wert auf die Neutralität des Staates in Glaubensfragen legt. Diese Haltung befindet sich jedoch im Widerspruch zum Vorgehen des etablierten "Staatskirchenrechts", welches eben häufig die teilweise Verflechtung von Staat und Kirche in Deutschland hinnimmt und weniger Widerspruch zu den Normtexten (GG) sieht. Doch dies ist nicht unbedingt ein Nachteil: Man muss dem Autor zu Gute halten, dass er immer klar angibt ob eine Meinung "herrschend", "ganz herrschend", eine "gewichtige Mindermeinung" usw. ist. Somit ist dem Leser meist klar, welche (u.U. neue) Meinung Czermak vertritt und warum. Außerdem wird immerwieder auf Autoren und Werke der Gegenmeinungen verwiesen.
Der Lehrbuchcharakter ist recht gut ausgeprägt. Nach einer anfänglichen historischen Darstellung der Entwicklung des Religionsrechts folgt eine klare Erörterung der Grundbegriffe wie "Religionsfreiheit", "Gewissensfreiheit", "Neutralität" und "Toleranz". Der weitaus größte Teil (ca. 2/3) widmet sich dann den konkreten Beispielen wo die Religion in den staatlichen Bereich hineinwirkt, z.B. Kirchensteuer, Religionsunterricht, Subventionen, kirchliches Sozialwesen, Strafrecht (dieses Kapitel ist von Eric Hilgendorf) usw. Auf jeder Seite finden sich Fußnoten mit Hinweisen zur Quellen und weiterführender Literatur, am Ende des Buches nocheinmal ein 31-seitiges Literaturverzeichnis sowie eine Sammlung wichtiger Normen (Textform) sowie Urteile (Auflistung).
Inwiefern nutzt das Buch nun dem Nichtjuristen? Nunja, es wird sich wohl keiner aus reiner Langeweile mit Religionsrecht beschäftigen. Aber gerade bei journalistischer oder politischer Arbeit tauchen an gewissen Stellen Themen und Meinungen auf, die einer näheren Erörterung bedürfen. Schon allein der Begriff "Religionsfreiheit" wird von unterschiedlichen Interessengruppen sehr unterschiedlich verwendet und verstanden. Weiterhin liest man immerwieder von der "staatlichen Neutralität" einerseits und von Religionsunterricht in öffentlichen Schulen oder der teilweise staatlichen Finanzierung des Papstbesuchs andererseits. Das Buch gibt eine kompakte Einführung in das dahinterstehende geltende Recht, aber eben auch in die kontroverse Diskussion und verweist auf viele Kritiker des status quo. Mit einem Umfang von reichlich Dreihundert Seiten und äußerst kurzen Unterkapiteln (1/2 bis 3 Seiten) eignet es sich sowohl als Lehrbuch als auch zum Nachschlagen bei konkreten Fragen.
Fazit: Der Anspruch, auch dem Nichtjuristen hilfreich zu sein, ist meiner Meinung nach gut erfüllt.
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