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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Weltanschauungsrecht aus kirchlich neutraler Sicht , 20. Mai 2008
Das neue Buch des ehemaligen Verwaltungsrichters Dr. Gerhard Czermak ist in vielerlei Hinsicht ein Novum. Es trägt den Titel: Religions- und Weltanschauungsrecht. Eine Einführung". Schon durch den Titel unterscheidet sich das Buch von vielen Vorgängern. Diese trugen meist die Bezeichnung Staatskirchenrecht" im Namen. Die Autoren solcher Fachbücher kamen bis auf wenige Ausnahmen aus dem theologischen Spektrum.
Am Anfang des Buches von Czermak findet sich ein Überblick über die Geschichte der Religionsfreiheit und Trennung von Staat und Kirche".
Dann folgt ein Überblick über Wirklichkeit, Recht und Moral", der v.a. für Nicht-Juristen interessant ist.
Es folgt der juristische Teil mit Urteilen und Kommentaren zu vielen verschiedenen aktuellen Themen, wie z.B.
· Gewissensfreiheit
· Neutralitätsgebot
· Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer
· Schule und Religion
· Staatsleistungen an die Kirchen
· Kirchliches Arbeitsrecht
Abgerundet wird das Werk mit einem Überblick über die europäische Entwicklung und einem Beitrag von Eric Hilgendorf zum Thema Strafrecht und Religion und zur Reformdiskussion zu § 166 StGB.
In den Anhängen des Buches finden sich alle maßgeblichen Rechtsnormen. Außerdem gibt es eine Auswahl wichtiger Bundesverfassungsgerichts- und Bundesverwaltungs-Gerichtsentscheidungen.
Den Abschluss bildet ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis, das nach verschie-denen Themen geordnet ist.
Czermak bereitet die wesentlichen Verfassungsfragen verständlich auf. Er hinterfragt die gängige Rechtspraxis vor dem Hintergrund des Gebotes religiös-weltanschaulicher Neutralität kritisch.
Das Buch von Czermak bietet einen Überblick über ein komplexes Rechtsgebiet. Es ist klar verständlich geschrieben. Juristische Fachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Das Werk eignet sich daher nicht nur für das Fachpublikum, sondern auch für den interessierten Laien.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Potenzieller Sprengstoff, 30. November 2008
Der Rechtswissenschaftler Gerhard Czermak unterzieht in diesem Buch die Entwicklung des Staat-Kirche-Verhältnisses in der Bundesrepublik einer Analyse, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Das juristische, historische und politische Material, das der ehemalige Verwaltungsrichter auf über 300 Seiten akribisch und auch für Nichtjuristen verständlich und überzeugend ausbreitet, ist potenzieller Sprengstoff - geeignet, das scheinbar unerschütterliche und fest gefügte Fundament des nach 1945 sukzessive und beharrlich aufgebauten Paktes von Staat und Kirche, von Politik und Religion ins Wanken zu bringen.
Allerdings dürfte das explosive Gemisch durch den Umstand teilentschärft werden, dass es sich bei dieser Abhandlung eben um ein juristisches Fachbuch handelt, das es weder auf die Bestsellerlisten der Populärmagazine noch auf die Aktionstische der Großbuchhandlungen schaffen wird. Finden sich doch dort vor allem die Angebote mit den griffigen Titeln wie »Der Gotteswahn« von Richard Dawkins (Großbritannien), »Der Herr ist kein Hirte« von Christopher Hitchens (Großbritannien/USA), »Das Ende des Glaubens« von Sam Harris (USA) oder »Wir brauchen keinen Gott« von Michel Onfray (Frankreich). Bücher, die durchaus das Bewusstsein schärfen für die geistige Auseinandersetzung mit den großen Kirchen und den dominierenden Glaubenssystemen, die aber der Ergänzung bedürfen durch eine kritische Darstellung von Geschichte und Gegenwart der oft schwer zu durchschauenden Verhältnisse in Deutschland.
Bezeichnenderweise finden deutsche Autoren mit ihren durchaus ebenbürtigen Arbeiten zu dieser Thematik in Deutschland entweder nur kleine Verlage oder sie müssen die Herausgabe gar in sogenannten Autorenverlagen selbst finanzieren. Ein Beispiel für den ersten Fall ist das Buch »Gott? Das Ende einer Idee« von Ernst Friedrich Salcher, in dem der Philosoph und Psychologe mit plausiblen natur- und geisteswissenschaftlichen Argumenten die Gottlosigkeit begründet. Für den zweiten Fall steht der Band »Papst-Entzauberung« von Hubertus Mynarek. Der renommierte Religionswissenschaftler zerpflückt darin unter anderem brillant das besonders von Benedikt XVI. bemühte Konstrukt der angeblichen Untrennbarkeit von Vernunft und Glaube.
Dass deutsche Großverlage bei der brisanten Thematik Religionskritik/Atheismus nichtdeutsche Autoren vorziehen, hat zweifellos mit der Furcht vor dem Risiko zu tun, sich durch dezidierte Auseinandersetzungen mit den deutschen Zuständen den Unmut der Kirchen und ihrer politischen Lobby zuzuziehen. Die wachsenden wirtschaftlichen Aktivitäten der Kirchen im Verlagswesen tun ein Übriges, den publizistisch wahrnehmbaren Widerstand gegen die Verfilzung Staat-Kirche in überschaubaren Grenzen zu halten.
Umso mehr ist dem Buch von Gerhard Czermak, der auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Giordano-Bruno-Stiftung ist, eine Verbreitung zu wünschen, die weit über den Kreis juristischer Spezialisten hinausgeht. Denn die darin geschilderten Faktizitäten sollte kennen, wer den Bewahrern und Verteidigern des »staatskirchlichen« Status quo mit fundierter Polemik begegnen will.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Weltanschauliche Neutralität, 25. Mai 2008
Immer komplizierter, aber auch immer wichtiger wird in den letzten Jahre das Verhältnis von Staat, Religionen und anderen Weltanschauungen. Angesichts der erstarkenden Diskussion um den Islam und andere nicht-christliche Weltanschauungsgemeinschaften gewinnt das Religionsrecht immer mehr an Aktualität und tritt aus der Abschottung heraus. In Kooperation mit dem Würzburger Strafrechtsprofessor Eric Hilgendorf hat sich der ehemalige bayerische Verwaltungsrichter Gerhard Czermak deshalb daran gemacht, ein Lehrbuch über das immer verworrenere Religions(verfassungs)recht zu verfassen.
Czermak vertritt entgegen der herrschenden Meinung konsequent eine aus dem Geist und Text des Grundgesetzes abgeleitete religiös-weltanschaulichen Neutralität. Er entwickelt konsequent eine Verfassungsinterpretation, die insbesondere dieses Neutralitätsgebot im Fokus hat. Das Gebot religiös-weltanschaulicher Gleichheit folgert er aus einschlägigen Artikeln des Grundgesetzes (Gleichheitsgrundsatz, Religionsfreiheit, bekenntnisunabhängiger Genuss der bürgerlichen Rechte und die zentralen Punkte der inkorporierten Weimarer Artikel).
Das Buch verdient fünf Sterne, weil es einerseits ein juristischer Meilenstein in dem ideologisch dominierten Religionsrecht ist und andererseits trotzdem auch für Nichtjuristen von Interesse ist.
Besonders hervorzuheben ist die für ein Jurabuch verständliche Sprache: Czermak enthält sich unnötiger Sprachakrobatik. Zusätzlich ist jeder Paragraph für sich lesbar, was zwar zu einigen Wiederholungen und Redundanzen führt. Querverweise auf andere Absätze ermöglichen so aber auch eine problemorientierte Leseweise des Lehrbuchs, das sich grob in drei Bereiche einteilen lässt: Die historische Entwicklung (§ 1), einen allgemeinen Überblick über Wirklichkeit, Recht und Moral (§§ 2-5) und den juristischen Hauptteil (§§ 6-20). Am Ende folgt noch ein ausführlicher Anhang, der neben einer Bibliographie und einer Auswahl relevanter Normtexte, eine Auflistung der wichtigsten religionsrechtlichen Entscheidungen des Bundesverfassungs- und des Bundesverwaltungsgerichts beinhaltet.
Der kurze aber prägnante Überblick dürfte für Nicht-Juristen von besonderem Interesse sein.
Themenscherpunkte dabei sind:
die ständig fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft, der aber
die staatliche Erledigung innerkirchlicher Angelegenheiten,
staatlich-kirchlichen Einrichtungen wie die theologischen Fakultäten aber auch dem staatlichen Einspruchsrecht bei manchen Bischofsernennungen,
die Privilegierung der Kirchen im öffentlichen Raum,
die finanzielle Kirchenförderung
und die allgemeine Benachteiligung nicht-großkirchlicher Gruppierungen entgegensteht.
Für den ehemaligen bayrischen Verwaltungsrichter stellt sich das Grundgesetz mit der persönliche und korporative Religionsfreiheit, der prinzipiellen Gleichheit der Weltanschauungen vor dem Gesetz, der grundsätzlichen aber partiell aufgehobenen Trennung von Staat und Weltanschauung und der Religionsfreundlichkeit zusammenfassend als kooperatives Trennungssystem mit umfassendem Neutralitätsgebot dar. Ergänzend stellt der Jurist schließlich einen aus der liberalen Rechtstheorie geborenen Neutralitätsliberalismus anderen Konzeptionen wie dem Naturrecht gegenüber.
Insgesamt stellt Czermak diese juristischen Auslegeregeln entsprechenden Ausführungen immer wieder der herrschenden Meinung seitens kirchenjuristischer Literatur entgegen. Klar formuliert er, wie umstritten ein Thema ist und dient da er ein sehr breites Themenfeld absteckt - somit auch als Einstieg in das Thema für den Juristen. Er verweist auch auf die von Kirchenrechtlern dominierten Standardwerke, die man um als Jurist tiefer in das Gebiet einzutauchen als Kontrapunkt lesen sollte.
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