Schnädelbach scheint einer derjenigen Religionskritiker, die intelligent und fundiert an die Materie herantreten, zu sein. Ich bin der Meinung, auch diejenigen, die sich um den Glauben bemühen, sollten sich mit einer Kritik des Glaubens oder der Religion auseinandersetzen, soweit sie sich tatsächlich differenziert damit befasst. Schnädelbach bietet hierfür zunächst interessante Anhaltspunkte. Auf Seite 66 allerdings stößt man auf folgenden Satz: "Carl Schmitt hatte einmal mit gutem Grund von einer Tyrannei der Werte gesprochen, die den juridischen Diskurs bedrohe; analog dazu möchte ich von einer Tyrannei des Sinnes sprechen, die heute den theologischen Diskurs dominiert." Carl Schmitt war ein Jurist der übelsten Sorte, der sich darum bemühte, das Barbarentum der Nazis mit höheren intellektuellen Weihen zu versehen. Die Nazis haben Andersdenkende mit Folter und Tod verfolgt, Werte der Humanität mit Terror außer Kraft gesetzt und Schmitt warf den Gegnern der Nazis eine "Tyrannei der Werte" vor. Was, wenn nicht dies, ist eine Blasphemie! Und ausgerechnet Schnädelbach spricht hier "mit gutem Grund" davon, dass Schmitt hier richtig geurteilt habe. Ein unglaublicher Vorgang! Eine Verhöhnung der Opfer des Nazi-Regimes, die sich unter Einsatz ihres Lebens für Werte der Menschlichkeit eingesetzt haben, für ihren Glauben und ihre Überzeugungen gelitten haben und ermordet wurden. Und das muss man sich nun 64 Jahre nach Beendigung dieses in der Menschheitsgeschichte einmaligen Barbarentums anhören. Ein unglaublicher Vorgang!