Darf man Witze über Religion machen? Für den Rheinländer, der ohnehin keine Frage mit ja oder nein beantworten würde - schon allein, weil ihm so eine kurze Antwort die Gelegenheit nähme, längere Reden zu schwingen - ist klar: Es kommt wie immer darauf an, wie man es macht.
Und wenn man es so wie der Herr Becker macht, ja Jesusmariaundjosef, da muss einer schon der pietistischen Stahlhelmfraktion angehören, um sich noch in seinen religiösen Gefühlen verletzt zu sehen und nicht laut herauszulachen. Denn der Herr Becker macht das mit einem Augenzwinkern und mit einer Selbstironie, dass man ihm unmöglich etwas übelnehmen kann.
So startet er zu einem urkomischen Parforceritt durch die Religionsgeschichte. Wer den Becker aus den Mitternachtsspitzen kennt, ist im Vorteil, denn dann hört man ihn beim Lesen geradezu sprechen, hat den rheinischen Tonfall im Ohr und sieht auch den pseudonaiven Augenaufschlag geradezu vor sich. Diesen Blick setzt der Bühnen-Becker immer dann ein, wenn er wieder einmal eine abstruse Theorie entwickelt, wie die Dinge sich historisch-politisch-gesellschaftlich entwickelt haben dürften. Der Humor erwächst dabei zum einen daraus, dass Becker mit unglaublicher Kreativität immer wieder neue Details einfallen, mit denen man die absurde Theorie noch weiter anreichern und immer weiter ausbauen kann. Zum anderen ist er ein brillanter Wortakrobat und Sprachspieler.
Zugegeben, zwischendrin rutscht ihm immer mal wieder eine etwas plattere Pointe aus der Abteilung Tünnes und Schäl aus der Feder ("Die Eltern vom Jesus waren ja so arm, die haben den extra an Weihnachten auf die Welt kommen lassen, um dann später Geschenke sparen zu können"). Aber zu beckmesserisch darf man nicht sein, wenn kurz danach wieder ein kaberettistisches Kabinettstück wie das folgende aus dem Nichts um die Ecke kommt: "Hätte Karl Martell die Moslems bei Tours und Poitiers damals nicht zurückgeschlagen, wäre der Islam heute bei uns wahrscheinlich noch mächtiger als die Pharmalobby."
Jahrelang haben wir uns gefragt: Wozu gibt es eigentlich Sozialpädagogen? Braucht doch eigentlich kein Mensch, oder? Dann kam der Herr Becker, immerhin gelernter Sozialpädagoge, auf die Bühne und gründete die Kölner Stunksitzung. Das war eine volle Attacke auf den bürokratischen Karneval und damit eigentlich Humoranarchie! Denn wenn einer deutlich macht, dass der ursprünglich mal als Parodie auf die Obrigkeit und Bürokratie erfundene Karneval inzwischen selbst zur Bürokratie mit eingebauter Obrigkeit verkommen ist und seinerseits längst parodierbar geworden ist, dann läuft der Elferrat Amok.
Nun erklärt uns der Herr Becker auch noch die Religion. Und plötzlich weiß man: Dafür braucht man also Sozialpädagogen! "Ach, isch werd beklopp, die sinn ja doch für was gut", wie der Kölner das formulieren würde.
Höchstwertung, Hut ab vor diesem herrlichen Buch. Und, um es in Anlehnung an Wilfried Schmickler zu sagen: Weitermachen, herr Becker, weitermachen!