"Dass man zu keinen gesicherten Aussagen kommen kann, liegt im Wesen der menschlichen Vernunft begründet." (Kant)
Warum? Für Kant kann die Vernunft nicht hinter die sichtbare Wirklichkeit zurückgehen und in den Abgrund hinabblicken. Man kann überzeugende Gründe für beide Seiten einer Medaille bringen und findet sich am Ende aller Fragen im Unwegsamen, in Widersprüchen und gerade dort geht der Mensch in die Irre, wo es um die höchsten Interessen seines Geistes handelt: in den Fragen nach Gott, Unsterblichkeit und Freiheit. Und doch führen Kants Betrachtungen der Religion in den Grenzen der Vernunft notwendig zu der Erkenntnis, dass der Mensch die Ideen von Gott, der Freiheit und die der Unendlichkeit notwendig braucht, um ethisch-moralisch im Sinne der Praktischen Vernunft handeln zu können.
Warum? könnte man fragen. Nun, eines scheint wohl klar, dass man Metaphysik drehen und wenden kann wie man will, sie enthält das Quantum an nicht erkennbarer Vernunft, die dann jede Beurteilung dieser schwierigen Lage zur subjektiven Bestimmtheit macht. Geheimnisse welcher Art auch immer sind nicht objektiv und nicht a priori und damit kann man sie nur finden im Inneren, im subjektiven der moralischen Anlage. Da wo die unbedingten Faktoren: Freiheit, Unsterblichkeit und Gott sich in der theoretischen Vernunft als nicht nachhaltig erweisen, da sie im Denken zum ewigen Zwiespalt werden und in Zweideutigkeit verharren, bleibt wohl nur ausschließlich die Lösung, sich der Metaphysik auf dem Wege der praktischen Vernunft zu nähern. Damit erkennt Kant den denkenden Menschen als ebenso handelnden und mit dieser Wendung verbindet er die Ansicht, das Unbedingte im Praktischen zu finden. Und eine Entscheidung bzgl. eines Gebotes "Du sollst" ist nur möglich, wenn Freiheit vorausgesetzt wird. In dem Maße, wie man ein unbedingtes Gebot vernimmt, wird man der Freiheit gewiss. Der Mensch in Beziehung zur Religion oder zu Gott folgt dem Bedürfnis der praktischen Vernunft und erkennt lt. Kant, dass der allgemeine wahre Religionsglaube der Glaube an Gott ist als (1) mächtigsten Schöpfer (heiliger Gesetzgeber), (2) Erhalter des menschlichen Geschlechts, als gütigen Regierer und moralischen Versorger desselben, (3) an ihn als gerechten Richter.
So erkannt, entdeckt der Mensch, dass er, obwohl in Endlichkeit verhaftet, einer übersinnlichen Ordnung angehört. Er ist damit Bürger zweier Welten.
Kant beeinflusst mit diesem Gedanken Kierkegaards Idee von der Freiheit der Entscheidung, der dem Verbot vom Baume zu essen, die Absicht unterstellt, dem Menschen in der Entscheidung frei zu machen. Diese Freiheit erzeugt nach seiner Vorstellung gleichzeitig Angst (vgl. sehr interessantes gleichnamiges Werk).
Wird gerade in Zeiten des von Dawkins unterstellten Gotteswahns die Meinung eines einzelnen Naturwissenschaftlers und Biologen als die Vernunft bringende in Sachen Religion, Gott und Metaphysik allerorten diskutiert, so erkennt man spätestens mit ein wenig mehr Ambitionen im Auffinden bisheriger Erkenntnisse, dass er nicht weit genug langt. Mit Kant erkennen wir, das Dawkins an der Grenze des eigenen Verstandes, der eigenen Vernunft scheitert, wenn er das Metaphysische ins Abseits zwingt.
Nun, ob der Mensch jemals das metaphysische Denken aufgäbe zu Gunsten einer reinen Vernunft, scheint so sicher, als wenn er das Atmen aufgäbe, weil ihm die Luft zu unrein erscheine.
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