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Religion als Droge


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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.05.2013 08:58:30 GMT+02:00
Es ist ein Buch geschrieben für das amerikanische Publikum. Es zeigt erschreckend, dass ausgerechnet im freiesten Land der freien Welt, sich die Menschen heute wieder von den Pfaffen wie im Mittelalter bevormunden lassen und in einen Glaubenskrieg führen ließen, der von vornherein aussichtslos war. Dabei gab es das Zeitalter der Aufklärung beginnend mit der „Kritik der reinen Vernunft.“ ab1781 von Imanuel Kant ,der bereits alle Gottesbeweise widerlegte.
Wir in Europa haben eine lange atheistische Tradition. Da war Ludwig Feuerbach 1842 mit seiner Aussage „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“. Während aber Feuerbach die Religion nur als persönliche Erfahrung sah, führte Karl Marx die Religion auf die politischen Zustände der Gesellschaft zurück und hat sie nicht als ein Nebenprodukt darwinistischer Überlebensvorteile betrachtet. Darwin betrachtet das einzelne Individuum. Religion hat aber eine soziale Funktion, denn sie basiert auf einer Sprache. Das unterscheidet den Menschen von allen anderen Lebewesen. Außerdem überblicken wir gerade mal 250 Generationen oder 5000 Jahre Entwicklung der Schriftsprache. Das ist für eine genetischen Hypothese ein viel zu kurzer Zeitraum. Insofern sind die ersten 6 Kapitel des Buches eher enttäuschend.
Erst wenn man Religionen und Gesellschaften miteinander vergleicht, kommt man dem Wesen einer Religion auf die Spur. Liest man Joseph Campbell „Die Masken Gottes“ so erkennt man, dass die Religionen und Riten über die Menschheitsgeschichte ein Spiegelbild der sozialen Entwicklung von Gesellschaften ist, so findet man die Feuerbachsche These im sozialen Kontext bestätigt. Die Demokratien des Altertums waren deshalb polytheistisch. Als der Übergang von der Demokratie zum Absolutismus der Kaiserzeit im alten Rom vollzogen war, war auch die Zeit für eine monotheistische Religion reif. Die modernen bürgerlichen Demokratien haben nun auch wieder ihre Probleme mit einem autoritären Monotheismus. Zunehmend wenden sich die Menschen davon ab. Nicht alle aber werden zu Atheisten.

Man sollte sich mal die Frage vorlegen, warum Menschen es lieben, Geschichten zu hören. Geschichten und Alkohol gehören zu den ältesten Drogen der Menschheit, seit sie abends am Lagerfeuer oder vor dem TV sitzen. Drogen erzeugen bei den meisten Menschen ein Lustgefühl, weshalb es wohl immer ein Bedürfnis für Drogen geben wird. Dabei wird zwischen Geschichten, die geglaubt werden sollen und solchen, deren Glaubhaftigkeit angezweifelt werden darf unterschieden. Das richtet sich nach der gesellschaftlichen Stellung des Erzählers. Schon Friedrich Engels berichtete 1839 in seinen Briefen aus Wuppertal von der Religion und dem Branntwein als den gängigen Rauschmitteln. Wie bei allen Rauschmitteln entscheidet die Dosis über Segen und Fluch dieser Mittel. Am gefährdetsten sind Kinder, weil sie noch kein gefestigtes Urteilsvermögen haben.
Das heute viel gebrauchte Argument der Kirche, dass sie mit den 10 Geboten Hüter der Moral wäre,
widerlegt Dawkins anhand vieler Bibelstellen, ohne sich jedoch die Frage zu stellen, warum ein Gott so unmoralisch grausam dargestellt wurde. Seine Funktion bestand darin, die Menschen einzuschüchtern, sie in Angst zu versetzen, falls sie nicht den Willen der Priester erfüllten.
Heute sind die Erkenntnisse über den Einfluss von Drogen auf die Emotionen des Menschen ein ganzes Stück weiter gekommen. Angst als Gegenpol zur Lust bei der Drogenabhängigkeit ist ein bekanntes Phänomen.Trotzdem versucht Dawkins eine logische Argumentation gegen einen Gott. Es gibt kein logisches Argument weder für noch gegen Götter. Es gilt nur eine der beiden Grundannahmen der Philosophie bis die Erfahrung sie widerlegt. Im Zusammenhang mit Religion wird von Gefühlen und nicht von Logik gesprochen. Die Logik folgt mathematischen Gesetzen, Gefühle aber werden durch Hormone und eben auch Drogen gesteuert. Die religiösen Gefühle der Menschen sollen geachtet werden, um ihren Verstand scheren sich die göttlichen Stellvertreter nicht.
Wie bei allen Drogen steht dahinter ein Geschäftsmodell, was den Konsum zwecks Gewinn anheizen will. Was mich bei Gottesdiensten am meisten störte, war dass man die Gemeinde mit eine Herde Schafe verglich, die der Hirte auf den richtigen Weg geleitet. Hat sich niemand gefragt, warum er das tut? Hirten haben die Aufgabe, wirtschaftlichen Gewinn aus ihrer Herde zu ziehen. Ich möchte nicht zu den Schafen gehören, deren Fleisch verwertet wird noch dazu unter kapitalistischen Bedingungen.
Das eigentliche Übel ist nicht die Religion, sondern die Gier, die da als Demut daherkommt und mit suggestiven Techniken von den Menschen Besitz ergreift. Schon der Buddhismus lehrte, dass das Leid aus der Gier erwächst. Gefährlich wird es aber erst, wenn dazu noch ein Überlegenheitsgefühl und missionarischer Eifer vermittelt wird. Das ist dann in den Augen dieser Eiferer der Antrieb für die Ausrottung allen „Minderwertigens“. Die größten Verbrechen der Menschheit wurden und werden aus Gier unter dem Mantel des Glaubens an eine Mission und der Gemeinnützigkeit begangen.

Dazu gibt es viele Beispiele in der Geschichte:
Im Mittelalter musste ein stehendes Heer durch Raub seinen Lebensunterhalt „verdienen“. Dazu waren ständige Kriege notwendig. Aber Karl der Große ließ tausende Sachsen nur abschlachten, weil sie sich nicht dem christlichen Glauben unterwarfen, dem er sich verschrieben hatte und für sein Reich als den einzigen Glauben auserkoren hatte.
Das gleiche Schicksal ereilte die amerikanischen Ureinwohner, bei deren Kolonialisierung durch die europäischen Staaten.
Der Faschismus knüpft an den nordischen Götterkult an und predigte die Überlegenheit der arischen Rasse, um gegen die Juden und den Kommunismus vorgehen zu können.
Kommunistische Diktaturen verkündeten den Sieg des Sozialismus und verfolgten alle Andersdenkenden, mit den schlimmsten Ausschreitungen während der Kulturrevolution in China und in Kambodscha, begangen durch die Roten Khmer und zerstörte Kulturgüter im Namen ihrer Ideologie.
Die moslemischen Gotteskrieger glauben sich über die Christen erheben zu können und in einem heiligen Krieg berechtigt zu sein den Bombenterror ziellos in die abendländische Gesellschaft zu tragen. Auch die Taliban machen nicht vor den Kulturgütern der in ihren Augen Ungläubigen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika glauben, ihr Gesellschaftsmodell anderen Ländern mit Waffengewalt aufzwingen zu können und lösen damit den größten Glaubenskrieg der Neuzeit aus.
Ich habe hier bewusst theistische Sünden neben atheistische gestellt, denn sie entspringen dem gleichen Motiv. Ob die Formel „Gott mit uns“ oder „Lenin mit uns“ lautet, sie haben die gleiche Qualität, die Menschen zu bevormunden. Sie unterscheiden sich nur im Vorzeichen.
Es ist falsch, von Religion im Singular zu sprechen. Die Religionen halten uns einen Sittenspiegel unseres Menschwerdens vor und wir sollten uns daran messen und weiterentwickeln. Ich bin kein Bilderstürmer aber ein überzeugter Materialist.
Auch ein Richard Dawkins hat die Freiheit, sich über Jahwes Gebot hinweg zu setzen und sich mit mehreren Religionen zu beschäftigen und ihr gesellschaftliches Wirken zu erkennen. Ebenso wie ich kein Glas Rotwein und keine gute Geschichte verachte, haben die Metamorphosen von Ovid, die Bibel, der Koran und die sieben edlen Wahrheiten des Buddhismus nebeneinander einen Platz in meinem Bücherschrank. Auch ist der Vergleich der griechischen Mythologie mit der Edda durchaus empfehlenswert, wenn man etwas über Religion und ihre Funktion lernen möchte. Wie anders kann man die Geschichte jeglicher Kultur der Menschheit verstehen lernen? Allerdings muss sich jeder die Freiheit auch nehmen, die unsere Demokratie bietet. Wir sind vernunftbegabte Wesen. Es wird Zeit, dass mehr Menschen diese Begabung auch entwickeln. Beim Rauchen und Alkoholkonsum sind wir als Gesellschaft schon auf dem richtigen Weg.

Veröffentlicht am 21.08.2013 02:16:36 GMT+02:00
un-ist meint:
Hierzu einige passende Zitate aus dem Buch von Klaus Huber "Hätte man Verstand, brauchte man keine Götter":

Das weltweite Volk der Gläubigen ist ein Volk von abhängigen, aber auch therapieresistenten Junkies (Opium für das Volk), unbeweglich, unselbstständig und unglücklich. Glückliche Menschen brauchen keinen Gott.
Helge Nyncke, dt. Illustrator und Autor

Der Volksmund sagt: Religion ist Opium für das Volk. Das ist irreführend. Opium ist eine bewusstseinserweiternde Droge.
Volker Pispers, dt. Kabarettist

Die Tatsache, dass ein gläubiger Mensch glücklicher ist als ein Skeptiker, trägt zur Sache nicht mehr bei als die Tatsache, dass ein betrunkener Mensch glücklicher ist als ein nüchterner.
George Bernhard Shaw, irischer Schriftsteller

Manche sagen, die Religion mache sie glücklich.
Dasselbe ließe sich vom Lachgas sagen.
Clarence Darrow, amerik. Anwalt

Religion eignet sich hervorragend dazu, einfache Leute ruhig zu stellen.
Napoleon Bonaparte

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.08.2013 20:52:37 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.08.2013 23:18:52 GMT+02:00
Holger Barth meint:
Na ja, was der "Volksmund" dazu sagt, wage ich wirklich nicht zu beurteilen.

Karl Marx hat zumindest geschrieben:

"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen, das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks: Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist."

Ich denke, mit der Darstellung von Klaus Huber wird man dem Phänomen Religion nicht gerecht.

Übrigens ist die Suche und das Streben nach "Glück" ja ziemlich out. Vielmehr geht es um das Glück nach etwas zu streben (Erfinder mir derzeit nicht bekannt). Oder vielleicht etwas einfacher: Menschen streben nach einem erfüllten Leben, nicht nach "Glück" an sich. :-)
In diesem Sinne macht Lachgass sicher partiell glücklich. Aber ob es zu einem erfüllten Leben beiträgt? :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.10.2013 09:17:17 GMT+02:00
Motörfader meint:
Berauscht von Ihrem Vergleich Religion=Rauschgift, so stellt sich mir noch die Frage: sehen Sie überhaupt irgend einen Unterschied zwischen Religion und Rauschgift? Ist für Sie Religion per Definition ein entmündigendes, eigentlich nur für die Befriedigung der Gier Einzelner entworfenes System? Wenn das so ist, bin ich auch gegen Religion.
Meine Vernunft (Achtung!!) sagt mir jedoch, dass Religion eigentlich Ausdruck und Form von etwas anderem ist und hier etwas Differenzierung nicht schaden kann.
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Erster Beitrag:  21.05.2013
Jüngster Beitrag:  07.10.2013

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