Bis auf den letzten Beitrag, der dem vorliegenden Buch seinen Titel gab, "Religion in der Verantwortung" und in dem Helmut Schmidt seinen auch schon früher immer wieder formulierten eindringlichen Appell an die Weltreligionen und ihre Führer wiederholt, endlich und konsequent ihrer Verantwortung für den Frieden der Welt gerecht zu werden, sind alle die in diesem Band abgedruckten Aufsätze, Reden und Essays des ehemaligen Bundeskanzlers und langjährigen Herausgebers der Wochenzeitung "Die ZEIT" schon an anderen Stellen veröffentlicht worden.
Doch, redaktionell überarbeitet, geben all diese, teilweise schon vor langer Zeit gehaltenen und geschriebenen, Reden und Aufsätze einen ganz hervorragenden Einblick in das Denken eines Mannes, dessen skeptisch - zweifelndes Christsein schon immer sein Handeln und seine Entscheidungen beeinflusst hat.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Helmut Schmidt mit seinem vorsichtig-zweifelnden Herangehen an den Glauben, die Traditionen des Christentums und seiner Kritik an der herrschenden Praxis der beiden Großkirchen vielen zeitgenössischen Menschen aus der Seele spricht. Er erzählt von seinen Begegnung mit Menschen und Führern anderer Weltreligionen und erkennt auch dort die Suche nach der Wahrheit. Im jeweiligen Alleinvertretungsanspruch der Religionen identifiziert er ein Grundübel, das den Frieden in der Welt immer wieder verhindert.
"Solange die großen Weltreligionen nicht bereit sind, sich gegenseitig zu respektieren und zu tolerieren, so lange gefährden sie den Frieden. Zu der notwendigen Verständigung - über alle Glaubensdogmen hinweg - will der vorliegenden Band ein Weniges beitragen. Dabei ist mir die Unvereinbarkeit vieler fundamentaler religiöser Positionen durchaus bewusst. Ich verkenne keineswegs die enormen Schwierigkeiten, über Glaubensfragen, über Respekt und Toleranz ins Gespräch zu kommen. Umso mehr bleiben die religiösen Führer aufgefordert, ihrer Verantwortung für den Frieden gerecht zu werden, und aufeinander zuzugehen. Denn angesichts der gegenwärtigen Explosion der Weltbevölkerung, angesichts der weltweiten Verstädterung und Vermassung können religiöse Kämpfe, wenn wie zusammentreffen mit ökonomischen, sozialen und politischen Missständen, sehr leicht für Bürgerkriege, für internationale Kriege, für Terrorismus missbraucht werden. Ein 'Clash of Civilizations' ist nicht mehr auszuschließen."
Ich persönlich habe als Christ und Pfarrer von diesen Texten enorm viel gelernt und möchte sie allen meinen Kolleginnen und Kollegen aller Konfessionen im Land, aber auch aufgeschlossenen Moslems zur Lektüre empfehlen. Denn der hier vom greisen Helmut Schmidt geforderte Dialog beginnt klein, beginnt lokal, wenn er auch im Großen tragfähig sein soll.