Kaum zu glauben, daß dieses Buch bei einem renomierten Verlag und in einer Reihe erschienen ist, die sonst für Qualität bürgt.
Dem Autor sei zugestanden, daß er eine gute Absicht verfolgt, nämlich die,den Ursachen religiöser Erfahrung und des religiösen Fanatismus auf den Grund zu gehen. Außerdem sei ihm zugestanden, daß er eine interessante Frage aufwirft: er versucht zu klären, wie beides (Religion und Fanatismus) im Gehirn verankert ist. Es bleibt jedoch bei der guten Absicht; an der Behandlung seines Themas ist der Autor auf ganzer Linie gescheitert.
Erstens bleibt der Autor in einer unbefriedigenden Vagheit stecken. Jede Aussage ist mit so vielen "Vieleichts" und "Möglicherweises" qualifiziert, daß sich am Ende gar nicht ergibt, welche These das Buch eigentlich zu verfechten hofft. Diese Vagheit hat ihre Gründe. Zweitens nämlich mangelt es durchgehend an Beweisen - und selbst an soliden Begründungen - für aufgestellte Behauptungen. Statt solider Argumentation findet der Leser vorwiegend freudianischen Jargon. Wo Wissenschaft sein sollte, ist Geschwätz.Das Buch wimmelt nur so von leeren Phrasen: "Wenn ein Mensch stirbt, stirbt der andere mit. Für die Spiegelneuronen ist es dasselbe, ob ich oder der andere stirbt." (Von der falschen Grammatik einmal abgesehen, handelt es sich hier um ein grundsätzliches Mißverständnis der Theorie von den Spiegelneuronen). Oder: "Wer in die Tiefe des Mandelkerns hinabsteigen will, hat eine harte Nuss zu knacken. Der Mandelkern ... ist eine Struktur im Schläfenlappen des Gehirns..."
Um daß Maß voll zu machen, ist das Buch auch noch in einem jämmerlichen Deutsch verfaßt. Grammatische Fehler, eine Häufung von wild gemischten Metaphern und ein beherzter Griff in die ideomatische Mottenkiste werfen die Frage auf, ob der Verlag eigentlich keine Lektoren mehr beschäftigt.
Gott, in welcher Region des Gehirns er auch immer angesiedelt sein mag, bewahre uns vor solchen Büchern.