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Religion und Politik im Tibetischen Buddhismus.
  
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Religion und Politik im Tibetischen Buddhismus. [Unbekannter Einband]

Michael von: Brück
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Produktinformation

  • Unbekannter Einband
  • Verlag: München, Kösel 1999. (1999)
  • ASIN: B0077LXKK2
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Noch nie ist der Buddhismus im Westen so en vogue gewesen wie heute, und nach Informationen von Fachleuten soll die Zahl der Anhänger der tibetischen Formen des Buddhismus im Westen größer sein als die jeder anderen. Kein Wunder, daß die Zahl buddhistischer Einführungen unüberschaubar groß geworden ist, und fast schon muß man sich fragen, ob es noch Bedarf gibt für neue Veröffentlichungen. Eine konzise Darstellung dessen, was der Mensch im Buddhismus will und wie er dies umsetzt, stellt jedoch noch immer eine Herausforderung dar. Immerhin unterscheiden sich nicht nur im Hinayana-, sondern auch im Mahayana- und tantrischen Buddhismus eine Vielzahl von Orden nach Lehrinhalten, deren Betonung sowie deren Deutung, nach Meditationspraktiken und monastischer Organisation. Über den tantrischen Buddhismus in seiner Ausformung als tibetischer Buddhismus haben die beiden Religionswissenschaftler Regina und Michael von Brück ihre Einführung vorgelegt. In einer Begegnung (so der Untertitel) wird der Leser in „Die Welt des Tibetischen Buddhismus" geführt. Nach einem ersten Eindruck vom geschichtlichen Hintergrund der Verbreitung des Buddhismus in Tibet wird dessen Geisteswelt diskutiert. Die Vertrautheit der Autoren mit dieser Geisteswelt drückt sich u.a. darin aus, daß sie eigene Worte finden, um diese zu behandeln. Scheinbar so leicht verständliche Inhalte wie der 'edle achtfache Pfad' gewinnen durch von Brücks eigene Deutungen erheblich mehr Klarheit als dies in gängigen Darstellungen der Fall ist. Da im tibetischen Buddhismus die meditative Praxis eine zentrale Rolle spielt, räumen die Autoren ihr einen entsprechenden Platz ein. Einen großen Teil nehmen in ihrem Buch daher die Beschreibung der bzw. die Hinführung zur spirituellen Praxis, den damit zusammenhängenden geistigen Prozessen sowie deren Erläuterung ein. Nicht nur weltanschauliche Grundlagen, sondern auch wichtige Definitionen der wirksamen Bewußtseinskräfte und -ebenen, die zugrunde liegenden mentalen Faktoren und in Frage kommende Meditationsmethoden werden knapp, aber klar beschrieben. Lobenswert ist, daß die Autoren kritische Anmerkungen nicht vergessen: „Westlichen Meditationsbegeisterten ist oft nicht klar, daß hier eine Aufgabe angesprochen ist, die man nicht im Vorübergehen lösen kann. Wer den buddhistischen Weg des Geistestrainings gehen will, braucht Hingabe, Geduld und Beistand in einem Maße, wie wir es uns kaum vorstellen können." Um den Einblick in den tibetischen Buddhismus abzurunden, werden am Ende die für das System des Lamaismus typischen Medienerscheinungen (Schamanen, Trance, Orakel) angesprochen. Eigentlich unmöglich erscheint das Unterfangen, Nichteingeweihte in einem solchen vergleichsweise dünnen Band nicht nur an die Oberfläche, sondern wirklich näher an die Inhalte des tibetischen Buddhismus heranführen zu wollen - und doch gelingt es in einem erstaunlichen Ausmaß. Mit Blick auf den gelungenen Entwurf der religiösen Inhalte sind die generalisierenden Skizzen zur Geschichte Tibets - die immer noch ausgewogener als manch umfangreichere Abhandlung sind - verzeihlich. Letztere hat sich Michael von Brück ohnehin in seinem Buch „Religion und Politik im Tibetischen Buddhismus" zum Thema gemacht. In angemessenem Umfang werden die Verquickung von Religion und Politik bei den Tibetern und ihre Implikationen für die Gesellschaft und das politische Alltagsgeschehen abgehandelt. Im ersten Teil räumt von Brück sachlich mit zahlreichen Verklärungen auf, die im Kern dem westlichen Tibet-Mythos zuzuschreiben sind. Dabei wird so manche, scheinbar unverrückbare Tatsache zur Disposition gestellt. Auch chinesische Projektionen und Positionen nimmt er mit Recht kritisch unter die Lupe, denn „weder die Dämonisierung noch die Glorifizierung Tibets ist historisch glaubwürdig und hilfreich für das tibetische Volk" (S.30). Nur die Einsicht in die Rolle des Lamaismus im historischen wie modernen politischen Ränke- und Machtspiel wird uns endlich einem Verständnis der Ursachen der Tibetfrage und die Tibeter einer Lösung ihrer Probleme näherbringen. Solches erkannt, beschäftigt sich von Brück im zweiten Teil des Bandes im wesentlichen mit der modernen Zeit. Ein Kapitel, das die Grundlagen und Problembereiche des Tantrayana in Tibet umreißt, ist in beträchtlichen Teilen eine Reaktion auf die in ihrem Anliegen zwar sehr wichtige, in ihrer inhaltlichen Durchführung oft aber phantastisch über die Stränge schlagende Studie von Victor und Victoria Trimondi (alias Roettgen: Der Schatten des Dalai-Lama - Sexualität, Magie und Politik im tibetischen Buddhismus. Düsseldorf: Patmos-Verlag 1999, 816 S). Einig sind sich beide Seiten wohl in ihrer Auffassung, daß der Westen die Chancen und Gefahren von Deutungen und Fehleinschätzungen der tantrischen Systeme nicht in angemessener Weise würdigt. Sind jedoch die Trimondis überzeugt davon, daß der Tantrismus den Lamas - insbesondere dem Dalai Lama - im Kern dazu diene, die Weltherrschaft zu erlangen, führt von Brück mit seinen Deutungen wieder zu den eigentlichen Anliegen des Buddhismus zurück - und vertritt dabei, daß die Exzesse des tantrischen Systems aus der Schwäche der Menschen resultierende Entgleisungen und daher nicht systemimmanent seien. Ein umfangreiches Kapitel ist der Kontroverse um Dorje Shugden gewidmet, einer Schutzgottheit, deren Kultus in der tibetischen Exilgemeinde und der westlichen Gelugpa-Anhängerschaft viel Unruhe gestiftet hat. Zwar rechtfertigt die Bedeutung dieser Schutzgottheit im Gesamtzusammenhang der Religionsgeschichte Tibets einen solchen Umfang nicht, doch ist dieses Kapitel bislang die einzige für eine breitere Öffentlichkeit bestimmte Publikation, in der sich ein interessierter Leserkreis über die Shugden-Kontroverse und ihre Hintergründe informieren kann. Als einer der größten doktrinären Konflikte in der Geschichte des modernen Lamaismus wird deren Kenntnis künftig wohl noch mehr von Bedeutung sein. Das abschließende Kapitel gibt Interviews mit dem Dalai Lama wieder, in denen er zu Gewalt und Gewaltlosigkeit befragt wird, wie auch zu Themen, die ökumenische Fragen betreffen sowie solche der Gedanken des Dalai Lamas darüber, wie religiöse Anliegen weltweit politische Kultur oder die Menschheit per se voranbringen könnten. Es stellt sozusagen die tibetisch-buddhistische Synthese aus Theorie und Wirklichkeit des Lamaismus dar. So interessant diese Ausführungen auch sein mögen, ist doch zu bedenken, daß die Vorstellungen des Dalai Lamas allein nicht den tibetischen Buddhismus - und schon gar nicht die daraus abgeleitete politische Marschrichtung der Exilregierung - repräsentieren können. Nicht nur ist der Dalai Lama lediglich eine - wenn auch für viele die wichtigste - der höchsten Inkarnationen, sondern er ist ein Vertreter einer einzigen der tibetischen Schulrichtungen, unter denen sich innerhalb der vier Hauptschulen eine Fülle ihm nicht unterstehender, in der Auslegung und Betonung der Inhalte sehr unterschiedlicher Orden finden. Jenseits der zentraltibetischen Grenzen haben die von Gelugpa-Traditionen unabhängigen Schulrichtungen durchaus ihre Eigenständigkeit bewahrt und bemühen sich auf andere Weise, die Sektengrenzen überwinden (wie z.B. in der osttibetischen Rime-Bewegung), als er dies zu tun wünscht. Das wird bei der Publizität des heutigen Dalai Lamas gerne vergessen. So ist als ein wesentliches Verdienst dieses Buches anzuführen, daß es mit der Verklärung der buddhistischen Tibeter aufräumt, daß es deutlich macht, daß auch in Tibet - wie andernorts auf der Welt - die Verquickung von Religion und Politik regelmäßig dazu geführt hat, daß religiöse Kerngedanken vergessen oder ihnen zumindest zuwidergehandelt wurde. Ein wenig schmerzlich ist, daß die Qualität der Darstellung, die insgesamt wenig vom Mythos Tibet getrübt ist, durch eine starke Zentriertheit auf den Dalai Lama andere Aspekte Tibets vernachlässigt und die modernen Tibeter in vieler Hinsicht auf ihre bekannteste Führungspersönlichkeit reduziert. Mit diesem Kritikpunkt im Hinterkopf kann dem vorliegenden Buch jedoch überaus viel abgewonnen werden. Andreas Gruschke
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Format:Taschenbuch
Der Autor, renommierter Religionswissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München, geht mit großer Sachkenntnis und Präzision zu Werke, ohne dabei in die häufig anzutreffenden Extreme zu verfallen, den Tibetischen Buddhismus bzw. Tibet als heiliges Shangri-la oder rabiate Feudalherrschaft zu verzerren.

Im ersten Kapitel "Deutungen und Projektionen - Die Wahrnehmung Tibets im Westen" geht er genau auf diese Extreme ein sowie auf die Gefahren, den Tibetischen Buddhismus zu schnell aus einem bestimmten Blickwinkel zu verzerren; Verzerrungen, die dann Bilder über Tibet hervorbringen, die mehr Projektionen der eigenen Wertevorstellung und des geistigen Hintergrunds des Beschreibenden sind, als dass diese Bilder irgendetwas mit Tibet oder dem Tibetischen Buddhismus zu tun haben. Als Beispiele für die Fehldeutungen erwähnt der Autor u.a. z.B. Trimondis "Der Schatten des Dalai Lama" oder Madam Blavatzky und die Entwiclung der Präsentation des "Tibetischen Totenbuches" im Westen.

(Obwohl nicht erwähnt - zumindest in der Ausgabe 1999 - gehört sicher auch Golin Goldners "Der Fall des Dalai Lamas" in diese Kategorie der Tibet-Fehldeutungen.)

Für den Autor sind Religion und Politik nicht zwei getrennte Bereiche, sondern voneinander abhängige Aspekte von gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen. Mit Detailkenntnis geht er zu Werke, die verschiedenen Interpretierungsversuche Tibets aufzuzeigen und ihren historischen oder ideologischen Hintergrund sichtbar und damit das vermittelte Tibetbild verständlich zu machen.

Allein das erste Kapitel ist es meines Erachtens wert, das Buch zu kaufen und eigentlich sollte kein Tibetophiler oder Tibetgegner vermissen dieses Kapitel zu lesen.

Das zweite Kapitel zeigt dann mit eben solcher Klarheit und Detailtreue die politischen Entwicklungen und Machtkäpfe in Tibet und die Entwicklung des mongolischen Schutzpatron-Status, die erst die Macht der Sakyapas stützen und später die Gelugpas; und wie sich die innertibetischen Kriege vor allem zwischen den Familen/Clans/Klöstern und ihren Schulen (Kagyupas und Gelugpas) entwickelten. Die Gewalt, die sich dabei entwickelte und die zu vielen Toten auf beiden Seiten führte, bezeichnet von Brück als "Gewaltausübung innerhalb und zwischen den Religionsinstitutionen in Tibet" um sie deutlich von dem im Westen geprägten Begriff "Religionskriege" abzugrenzen. Der Autor begründet dies auch ausreichend gut.

Das ganze zweite Kapitel liest sich ebenso spannend und leicht verständlich wie das erste und ist im Besten Sinne des Wortes erhellend.

Im dritten Kapitel geht der Autor auf den Mahayana und Tantra (Vajrayana) ein, inklusive Dzogchen, Kalachakra Tantra und Shambala Mythos.

Das vierte Kapitel widmet sich dann ausführlich und fundiert dem Dorje Shugden Konflikt der vor allem durch die Aktivitäten Geshe Kelsang Gyatsos, Gründer der Neuen Kadampa Tradition, es wiederholt bis in die Weltpresse schaffte. Selbst im Jahre 2008 beschäftigten sich New York Times und Time Magazine mit diesem Konflikt - wenn auch deutlich überfordert, den komplexen Hintergrund zu begreifen.

Der Autor beschreibt den Hintergrund ausführlich, macht deutlich, dass der 14. Dalai Lama ein Reformer ist - der mit entsprechenden Gegenreaktionen von Gegnern konfrontiert ist - und liefert eine sachlich nüchterne und neutrale Perspektive. Interessanter Weise findet von Brück keine Belege für erhobene Vorwürfe von Sektierertum von Anhängern des Shugden Kults, Vorwürfe, die in anderen Forschungen (z.B. Tibetan and Zen Buddhism in Britain: Transplantation, Development and Adaptation (Routledgecurzon Critical Studies in Buddhism), Dreyfus) deutlich herausgestellt und unterstrichen werden. Auch andere wissenschaftlichen Arbeiten geben dazu Anhaltspunkte oder erwähnen Zwangskonversionen von Nyingma Klöstern durch Shugden Anhänger, z.B. Samuel "Civilized Shamans", Bayer The Cult of Tara: Magic and Ritual in Tibet (Hermeneutics: Studies in the History of Religions) und Himalayan Dialogue: Tibetan Lamas and Gurung Shamans in Nepal (New Directions in Anthropological Writing), wenn auch eher in einem untergeordnete Zusammenhang oder Fußnoten.

Das letzte Kapitel beinhaltet passende Gespräche mit dem Dalai Lama zu Fragen wie "Gewalt und Gewaltlosigkeit", Religion und Politik" und runden das Buch mit der Sicht des Dalai Lama ab, die ja wesentlich die tibetische Exilsituation sowohl politisch wie auch religiös-sozial und die Rezeption des Tibetischen Buddhismus im Westen prägt.

Ein sehr gutes und hilfreiches Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann.
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Von Nina R.
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Zu dem Zeitpunkt, da ich meine Rezension schreibe, existiert zu diesem Buch nur eine einzige weitere, ein sehr langer Text, signiert "Andreas Gruschke". Ich kann meinem Vorredner in jedem Punkt zustimmen, gehe aber mal davon aus, dass er im Gegensatz zu mir zum Thema 'Tibetischer Buddhismus' wesentlich mehr Vorwissen mitbringt.

Ich gebe dem Buch genau aus diesem Grund einen Stern mehr. Eben weil ich als vollkommener Laie, der Tibet auch in erster Linie über die Medienpräsenz des 14. Dalai Lama und den China-Konflikt kennt, das Buch gelesen habe, ist es für mich vermutlich erhellender als für Herrn Gruschke. Ich glaube ihm absolut, dass in dem Buch noch immer zu viel Scheinwerferlicht auf den Dalai Lama geworfen wird und andere Bestrebungen ein wenig im Schatten stehen. Für mich war allerdings bereits diese Sichtweise völlig neu und insofern ausreichend, um mein sehr einseitiges Tibetbild zu relativieren.

Oder anders ausgedrückt: Was einem Auskenner noch nicht detailliert genug erscheint, ist für einen Neueinsteiger gerade mal überschaubar. Ich muss gestehen, das Buch hat mich teilweise überfordert und ich bin nunmehr sicher nicht zum Buddhismus- oder Tibet-Auskenner mutiert. Ich kann die Behauptungen Michael von Brücks natürlich weder bestätigen noch widerlegen, doch schien er mir aufgrund seiner wirklich detaillierten Quellenverweise und vor allem dem Bemühen, immer mehrere Auslegungen und Standpunkte darzulegen, sehr seriös und glaubwürdig. Dass er ein Bewunderer des 14. Dalai Lama ist, steht außer Frage.

Ich halte das Buch für eine sehr gute Einführung in den Tibetischen Buddhismus FÜR LAIEN. Denn das Buch dogmatisiert nicht und jeder, der sich danach weiter mit dem Thema und auch sämtlichen Kontroversen auseinandersetzen möchte, kann das tun.
Es ist allerdings keine leichte Lektüre für den Nachmittag. Wer eine schnelle Einführung sucht, wird möglicherweise überfordert.
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