Wie kann das, was im Rahmen der Religionsausübung Menschen schon immer praktiziert haben, auch realisiert werden? Dieser Frage geht M. Josuttis in seiner „Handlungslogik spiritueller Methoden" (so der Untertitel) nach - ohne dass es zu menschlicher Hybris kommt, ohne Vereinnahmung durch die Institution Kirche, aber dass ein „Personanzraum von Gotteskraft" (S. 15) entsteht? Fasten, Beten, Weihen, Opfern, Segnen, Heilen sind Handlungen, mittels derer Menschen im Bereich der Religion aktiv werden: der Leib will durch Enthaltung gereinigt werden, um überlagerte Lebensenergien freizusetzen; der ganze Mensch betet, und spricht nicht etwa nur ein Gebet; Leib-, Orts- und Sachräume können geweiht werden usw. Präpariert durch Handlungen werden die religiösen Wahrnehmungen intensiviert oder überhaupt erst geöffnet: Hören, Träumen, Sehen. Phänomene, die teilweise unter pathologisierendem Aspekt beurteilt werden, erscheinen in einem anderen Licht.
So benennt diese überzeugende Einführung in die Handlungslogik spiritueller Methoden selbst ihre natürliche Grenze: nicht durch das Studium eines Buches kommt man zu handwerklichen Fertigkeiten, sondern durch personal vermittelte leibliche Einübung: es ist viel mehr zwischen Himmel und Erde möglich, als aufgeklärte Zeitgenossen sich träumen lassen.