Die vierte Auflage der RGG liegt nun in einer zwar auch nicht spottbilligen, aber bezahlbaren kartonierten Studienausgabe vor, die sich nur durch den Einband von der Originalausgabe unterscheidet und für den Hausgebrauch vollauf genügt. Es ist lobenswert, daß dies so kurz nach der Vervollständigung des Lexikons der Fall ist: der letzte Band erschien im Jahr 2005.
Schon beim ersten Aufschlagen wird deutlich, daß sich diese Ausgabe in der Tradition ihrer Vorgängerinnen sieht: die Gestaltung hat man von der RGG3 übernommen. Man findet am Anfang jedes Artikels eine Gliederungsangabe, am Ende - hilfreich! - weiterführende Literatur und den Namen des Verfassers. Bilder und Karten werden sehr sparsam eingesetzt. Bei den Verfassern handelt es sich durchweg um ausgewiesene Fachleute auf dem jeweiligen Gebiet, und so erhält man in der Regel verläßliche und präzise Informationen auf knappem Raum. Im Vergleich zur RGG3 hat man das Wort "Religion" im Titel in seiner umfassenden Bedeutung wichtiger genommen; vor allem Judentum und Islam werden ausführlich bedacht, aber auch viele andere Bereiche, die mit Religion zusammenhängen. (Zum Stichwort "Tier" gibt es acht Spalten, zu "Paul Tillich" nur zwei!) Ausgangspunkt ist aber die deutsche evangelische Theologie. Auch darin bleibt sich die RGG treu. Auffallend ist, daß viele Abstrakta ("Versorgung", "Verstand", "Verstehen"...) aufgenommen sind.
Nicht immer ist die Stichwortauswahl nachvollziehbar: Es gibt einen Artikel "Targumim-Forschung", aber keinen zu "Targum". Gänzlich verzichtet hat man auf Artikel zu noch lebenden Personen. (Man stelle sich vor, in der RGG3 würden Karl Barth und Rudolf Bultmann nicht behandelt!) Man findet Viktor, aber nicht Carl Friedrich v. Weizsäcker, Johannes Paul I., aber nicht II. Hier war man etwas übervorsichtig, und so fehlen wichtige Informationen bzw. der Benutzer muß sie mit Hilfe des Registers zusammensuchen. Das schreit nach einem Ergänzungsband. Verwirrend sind teilweise die gewählten Schreibweisen: Warum hat man für viele hebräische Namen und Begriffe weder die deutsche noch die wissenschaftliche Umschrift gewählt, sondern die englische, und das noch nicht einmal konsequent? Die jüdische Talmudschule wird "Jeshiva" geschrieben; ein Angelsachse würde "Yeshivah" schreiben, ein Deutscher "Jeschiwa"; was soll diese Mischung? Für russische Namen hat man (nicht immer; und auch hier wechselt die Umschrift oft mitten im Wort!) die wissenschaftliche Schreibweise gewählt (Dostoevskij statt Dostojewski). Sie zu lesen, erfordert Slawistik-Kenntnisse, die man bei Theologen nicht voraussetzen darf.
Solche Dinge sind ärgerlich. Trotzdem kann man für dieses Werk dankbar sein, und es wird an vielen Stellen gute Dienste leisten.