Grönbechs Arbeit über die germanische Kultur ist bis heute ein unübertroffener Klassiker. Dies liegt in erster Linie daran, daß Grönbech nicht auf die äußeren Merkmale der Kultur eingeht - er läßt eben diese beiseite - sondern sich auf die inneren Beweggründe beschränkt. Das Ergebnis ist eine tiefschürfende Psychologie der Germanen. Endlich verstehen wir nicht wie die Germanen gedacht und gehandelt haben, sondern wieso sie ebenso taten. Um dies zu bewerkstelligen geht Grönbech von den elementarsten Begriffen der germanischen Kultur aus (Heil, Ehre, Friede, Kleinod, Biertrunk usw.) und führt den Leser durch Erläuterung derselben in die verborgensten Winkel der germanischen Seele.
Für diesen Zweck zitiert Grönbech ausgiebig aus den alten Quellen. Er verwendet wahrlich jedes Zeugnis germanischen Schrifttums, inklusive der vielen Berichte von Fremden. Obwohl unbeabsichtigt zeigt er durch dieses Verfahren auf, daß die frühen Südgermanen kulturell mit den späten Nordgermanen identisch sind.
Das Werk ist ob seines diffizilen Themas nicht immer leicht zu lesen. Allerdings wiederholt der Author sich öfters wodurch auch schwierige Vorstellungen dem Geiste verständlich werden.
Für ernsthaft Interessierte (und Ethnologen) wärmstens zu empfehlen.