Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Christentum ist eine monotheistische Religion, doch innerhalb dieses Monotheismus gibt es zahlreiche unterschiedliche religiöse Ausprägungen und Bewegungen. Einige sind dem Namen nach bekannt, andere stigmatisiert und von wieder anderen hat man außerhalb von Fachkreisen noch nie etwas gehört. Die Anfänge dieses Pluralismus gehen in das 17. und 18. Jahrhundert zurück und reichen bis zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Verdienst dieses Aufsatzbandes ist es, diese religiöse Vielfalt außerhalb der traditionellen Kirchen einem größeren Publikum zugänglich gemacht zu haben.
Das Spektrum reicht von universitärer Theologie und Glaubenstrends in den Kirchen über Seelenwanderung, Spiritismus und Rosenkreuzerorganisationen bis hin zur Diskriminierung und Verfolgung der Zeugen Jehovas in der DDR wie der Anthroposophie in Bezug zum Christentum. Über diesen westlichen Kreis hinausgehend sind der Umgang mit dem Islam, Religion und nationale Identität am Beispiel von Indien sowie der Umgang mit östlichen Religionen Gegenstand einzelner Untersuchungen. Nicht alles wird jeden interessieren, doch der Vorteil von Sammelbänden ist ja schließlich die Möglichkeit der Auswahl unter abgeschlossenen Darstellungen.
Die Beiträge sind -- mit leichten Abstrichen hier und dort -- qualitativ auf hohem Niveau, klar und konzise geschrieben. Allerdings hätte man bei einigen Aufsätzen auf die Vortragsform verzichten sollen, und leider mangelt es dem Band an einem Register sowie einem Literaturverzeichnis. Das gestaltet die Benutzung aufwändig und erschwert die weitere Beschäftigung mit einem gewählten Thema. Nichtsdestotrotz ist Religiöser Pluralismus und das Christentum nicht nur all jenen an religiöser und kultureller Vielfalt sowie der Auseinandersetzung mit Andersgläubigen zu empfehlen, sondern erst recht all jenen mit begrenztem und intolerantem Blick auf das Christentum. --Osseline Kind
Umschlagtext
"Der christliche Glaube hat ein genuines Verhältnis zur Öffentlichkeit. Er ist seinem Wesen nach auf Öffentlichkeit bedacht." (Eberhard Jüngel).
Die Beiträge dieses Bandes untersuchen die in der Öffentlichkeit wahrgenommene religiöse Vielfalt und ihre Konsequenzen für das christliche Zeugnis. Religion im Kontext der Individualisierung und Säkularisierung manifestiert sich nicht selten als Religiosität neben den Kirchen, dabei sind Anleihen an andere Religionen (Seelenwanderung, Karma) oder an parapsychologische Phänomene nicht erst typisch für das 20. JAhrhundert. Psychomarkt, Esoterik, Satanismus entwickeln Anziehungskraft, aber neben der Prävention von Abhängigkeiten steht die Dialogbereitschaft mit früher als "Sekten" bezeichneten Gemeinschaften. Die verfassungsmäßige Verankerung der Religionsfreiheit (auch in der DDR) und der religiösen Unterweisung wird im Umgang mit neuen (Zeugen Jehovas) oder traditionellen Religionsgemeinschaften (Islam) auf die Probe gestellt. Die häufig verklärte Toleranz im Viel-Religionen-Staat Indien mus im Hinblick auf das Verhältnis von Religion und Nationalismus kritisch geprüft werden.