Während der Aufnahmen zu "Meddle" saßen Roger Waters, Nick Mason, Rick Wright und David Gilmour im Studio und ließen ihre musikalische Vergangenheit für eine Kompilation-LP Revue passieren. Etliche interessante und für "Relics" geplante Titel fielen leider unter den Tisch, so z.B. "Scream Thy Last Scream", einer der letzten Titel, den sie noch in der alten Besetzung mit Syd Barrett aufnahmen, aber aus Respekt zurückhielten.
Dennoch wurde "Relics" ein spannender Trip, der noch heute hörenswert ist. Es beginnt mit der Hitsingle "Arnold Layne", der 1967 ein Achtungserfolg wurde. Der Text ist klasse! Es folgt die Albumversion von "Interstellar Overdrive", einem ihrer damals populärsten und abgedrehtesten Tracks auf der Bühne. "See Emily Play" war die zweite Single, ein feiner Popsong, gefolgt von Rick Wrights Träumereien aus der Kindheit: "Remember A Day". Die erste Seite der Original-LP hört mit der Single-B-Seite "Paintbox" auf, ein eigentlich nicht schlechter Titel der - so Pink Floyd selber - leider miserabel produziert wurde.
Die Single "Julia Dream" war der erste Floyd-Song, auf dem David Gilmour gesungen hat. Der atmosphärisch dichte und geisterhaft anmutende Track gehört meines Geschmackes nach zu ihren schönsten frühen Studio-Aufnahmen. Die Rückseite der Single "Point Me At The Sky" war eine Studiofassung von "Careful With That Axe, Eugene", der in dieser Fassung nur auf "Relics" zu finden ist (abgesehen von der Original-Single). Zwar ist er nicht ganz so kraftvoll wie die zahlreichen Live-Versionen, dennoch sehr hörenswert. Es folgen zwei Titel aus dem Soundtrack zum Film "More", das stimmungsvolle "Cirrus Minor" und die Rocknummer "The Nile Song" - für Pink Floyd-Verhältnisse ziemlich hart!
"Biding My Time" (ursprünglich "Worktime") war ein Überbleibsel aus ihren "The Man/The Journey"-Suiten, die Ende der 60er als konzeptionelles Showspektakel aufgeführt wurden. Es ist ein ungewöhnlicher Track, der langsam beginnt und plötzlich irgendwie Dixieland-Swing-mäßig losjammt, mit Trompete!
"Bike" schließlich ist eine Art verdrehtes Liebeslied von Syd Barrett, das in einem chaotischen Geräuschehagel endet und den perfekten Abschluß von "Relics" bildet.
Für Sammler möchte ich nur noch kurz erwähnen, daß die Original-LP "stereofizierte" Varianten der in mono aufgenommenen Songs "Arnold Layne" und "See Emily Play" enthält, die remasterte CD hat die ursprünglichen Abmischungen, was aber wirklich nur für Sammler interessant ist.
Das Cover ist ein Knüller! Für die Original-LP zeichnete Nick Mason eine Art fantastischer Musikmaschine. Es lag nahe, für die remasterte CD das utopische Ding nachzubauen und farbig abzubilden. Köstlich!