Seit dem Vorgänger-Album "Killing season" (2008) hat sich einiges getan im Hause DEATH ANGEL. Mit Dennis Pepa (b.) und Andy Galeon (dr.) haben gleich zwei Mitglieder der Alt-Besetzung die Band verlassen, so dass mit Will Carroll und Damien Sisson erstmals Musiker integriert wurden, die nicht zur Familienbande gehören. In musikalischer Hinsicht macht sich dieser Wechsel aber zu keiner Zeit negativ bemerkbar. Im Gegenteil: Auf dem brandneuen Longplayer "Relentless retribution" ist der frische Wind teilweise wirklich spürbar, auch wenn die beiden Band-Neulinge noch keine eigenen Ideen beisteuern konnten.
Während Uralt-Klassiker wie "Frolic through the park" oder "Act III" immer zusammen im Kollektiv komponiert wurden, so zeichnet sich für die neuen 12 Songs nur Rob Cavestany fürs Songwriting verantwortlich, der "Relentless retribution" praktisch im Alleingang aus den Angeln gehoben hat. Dabei herausgekommen ist eine starke, teilweise hoch aggressive Thrash-Scheibe, die es mit den beiden Vorgängern "The art of dying" oder "Killing season" locker aufnehmen kann. Auffällig ist jedoch, dass einige Songs dieses 56-Minüters teilweise sehr sperrig ausgefallen sind, weswegen man "Relentless retribution" schon mehrmals am Stück hören sollte, um sich ein erstes Urteil zu bilden. Dabei werden die mehrstimmigen Background-Chöre - seit Jahr und Tag eines der auffälligsten Merkmale des Quintetts - leider nur noch sehr spärlich eingesetzt. Schade eigentlich!
Ungewöhnliche Nummern wie der melodische Stampfer "Opponents at sides" , "Claws in so deep" (mit feinem Akustik-Outro) oder das zackige "Absence of light" (erinnert auf Anhieb an METALLICA in ihrer "Justice"-Phase!) springen dem Hörer nicht mit vollem Anlauf ins Gesicht, sondern entfalten ihre Song-Qualitäten erst beim näheren hinhören. Aber diese Eingewöhnungszeit sei DEATH ANGEL natürlich gegönnt.
Zugegebenermaßen sind mit dem halbgaren "Into the arms of righteous anger" und "Death of the meek" (melodisch interessant, aber zu unaufdringlich) auch zwei schwächere Nummern vertreten, die selbst nach dem x-ten Hördurchlauf nicht so richtig zünden wollen, und daher als entbehrlich einzustufen sind.
Im direkten Gegensatz hierzu stehen jedoch bandtypische Granaten wie "I chose the sky" , "This hate" , "Truce" , "Rivers of rapture" oder der pures Adrenalin pumpende Rausschmeißer "Where they lay" (wie geil ist das eigentlich?) , die allesamt in klassischer "Act III"-Tradition stehen. Hier machen DEATH ANGEL mal wieder absolut alles richtig - grandioser Thrash-Sound in Vollendung. Mit dem ruhigen "Volcanic" hat die Band zudem eine ihrer typischen Akustik-Verschnaufpausen zu bieten, so dass beim Hörer rührselige Erinnerungen an alte "Veil of deception"-Momente aufkeimen. Insgesamt sehr schön !!! Den Höhepunkt dieses 12 Trackers haben Mark Osegueda & Konsorten jedoch gleich zu Beginn des Albums platziert: Der unwiderstehliche Mid-Tempo-Prügler "Relentless retribution" ist nämlich ein Ohrwurm allerbester Kajüte, der sich auf Konzerten fortan neben Klassikern wie "Seemingly endless time" , "Kill as one", "Bored" oder "Stagnant" zum absoluten Live-Abräumer entwickeln wird. Getreu dem Motto: "Join us or step aside!"
Als weiteren positiven Aspekt muss man noch den kraftvollen, glasklaren Hammer-Sound erwähnen, für den DEATH ANGEL den etatmäßigen Metalcore-Produzenten Jason Suecof (u.a. WHITECHAPEL , TRIVIUM , CHIMAIRA) an Land gezogen haben. Für "Relentless retribution" hat sich diese Wahl als Glücksgriff erwiesen - soundtechnisch ein gelungener Spagat aus Moderne und traditionellem "Back to the roots"-Spirit. Lediglich das pappig-sterile Schlagzeug hätte noch etwas druckvoller in Szene gesetzt werden dürfen...dies aber nur als Einwand für alle Erbsenzähler da draußen, die immer zwingend ein Haar in der Suppe finden müssen..
Alles in allem ist "Relentless retribution" selbstverständlich ein Pflichtkauf für alle Thrash-Heads, mit dem DEATH ANGEL ihre Daseinsberechtigung mehr als eindrucksvoll untermauert haben. Dennoch bin ich der Meinung, dass einige der 12 Songs teilweise auch mit minimalen Schwachstellen behaftet sind und sich das Album somit nicht mit dem aktuellem OVERKILL-Meisterwerk "Ironbound" messen kann. Aber wer kann das schon ?!?
Allein schon die Tatsache, dass auf einer DEATH ANGEL-Scheibe endlich mal wieder die flotten Uptempo-Songs in der Überzahl sind, macht die Sache für alle Nostalgiker natürlich nochmal interessanter. Kurzum: Die Höchstnote darf es schon sein - aber nur ganz knapp.