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Neils Stimme nasaliert weniger als bisher, und der gelegentliche Einsatz dieser inzwischen überall zu hörenden Zittereffekte in der Stimme (Danke, Cher!) wirkt hier sehr passend; die typischen, introvertierten Texte sind hier und da ein wenig affektiert, bleiben aber so prägnant wie immer. Es gibt zwar -- mit Ausnahme des an die Beatles erinnernden "I Get Along" -- keine großen Mitsing-Hymnen und nichts tritt hervor und schreit laut "Single!", aber fast alle zehn Tracks gehören zu der Kategorie von Songs, für die so manch ein erfolgreicher Künstler sich überschlagen würde. Release ist eine echte Rückkehr zu der Form, die die Band zwischen Behaviour und Nightlife ein wenig verloren hatten. Damit melden sich die Pet Shop Boys definitiv zurück in die erste Liga der Pop-Musik. --Rikki Price
Genau umgekehrt verhält sich der Fall bei George Michael. Der haut mit "Freeek!" so richtig auf die Sahne: Fette Produktion und ein Video, von dessen Budget eine vierköpfige Familie in Deutschland über mehrere Jahre ein sorgenfreies Leben führen könnte. Schiebt man aber dieses Blendmaterial zur Seite, stellt man fest, dass Michael uns bloß sagen will, wie lang seiner ist, wie lange er kann und dass man sich für diese schlechte Welt gut wappnen muss. Letztere Behauptung ist sicherlich richtig, kommt aber in Verbindung mit dem dünnen Song und dem dicken Drumherum rüber wie gelebter und in Popverse gepresste Verbitterung. Und die wiederum ist ausgesprochen spaßfrei, unglamourös und unsexy. Dieses Urteil ist sicherlich das letzte, was George Michael über seine Songs lesen will. Da hilft dann aber nur eins: bessere Songs anliefern.
Michael Krumbein / Intro - Musik & so
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Knapp drei Jahre nach ihrer letzten Platte "Nightlife" präsentieren die Pet Shop Boys mit Release eine ausgesprochen typische, weil ungewohnte Platte. Ungewohnt sicher in Gestalt der neuen Gitarrenklänge und fast reinen Accoustic-Stücken wie "The Samurai in autumn", die man bisher bestenfalls von B-Seiten kannte.
Dabei setzen Neil Tennant und Chris Lowe eine Tendenz hin zum Introvertierten fort, die in ihrer Musik, vor allem den Texten, spätestens seit ihrem "Hit für die Ewigkeit", Go West, erkennbar ist. Es geschieht nicht oft, dass ein Lied ein Lebensgefühl, eine Stimmung der Gesellschaft so perfekt aufgreift und widerspiegelt, wie es den beiden in ihrem Cover dieses Village-People-Songs gelungen war. Am Zenit ihrer Popularität waren es die Pet Shop Boys, die ein deultiches Zeichen im Bewußtsein ihrer Zeit hinterließen.
Aber auch in die andere Richtung scheint der Erfolg von "Go West" gewirkt zu haben. Von "Bilingual" (1996) über "Nightlife" (1999) hin zu ihrem neuen Werk lassen sich mehrere entwicklungslinien verfolgen, die im zunehmenden Maße an Gewicht gewinnen, während andere Aspekte zunehmend in den Hintergrund treten.
Der Begriff des "Home" gewinnt in den Texten der beiden konsequent an Bedeutung; schon spürbar in Bilingual-Stücken wie "A red letter day", wurde schon auf Nighlife in "The only one" oder "Footsteps" eine Sehnsucht immer stärker: Der Wunsch nach dem Vertrauten, Bekannten, dem aus Gewohntheit Verlässlichen. Diese Linie ist es, die wir stärker als je zuvor in "Release" wiederfinden. Da ist die Auskopplung "Home and Dry", da ist ein Lied namens "London", und wenn Neil Tennant singt, "you`ve got a home here / call it what you want / you`ve got a home here / to return to when you can't / face theworld and you need / some support to succeed / you`ve got a home), dann verstehen wir das Zuhause als Schutzraum, als Ort der Erlösung.
Die Überschwenglichkeit, die in "Se a vida é" oder teilweise noch "New York City Boy" zu finden war, sucht man vergeblich auf Release, und gerade das gibt dem neuen Album eine Homogenität auf einem hohen sentimentalen Niveau; müßig zu erwähnen, dass gerade Neils Stimme diesem Bild eine unermeßliche, sinnliche Tiefe zu geben vermag.
Die Pet Shop Boys sind mit "Release" nochmal ein großes Stück reifer und älter geworden und, nicht zuletzt, sind sie menschlicher denn je zuvor. Hinter den Melodien der Pet Shop Boys verbergen sich nicht länger künstliche Figuren ohne eigene Realität, wie Neil die Gruppe noch vor wenigen Jahren selbst in einem Interview charakterisierte; Auf "Release" spüren wir vielmehr die reinen, menschlichen Sehnsüchte, Hoffnungen und Verzweiflungen, und gerade das lässt das Album so nahe und vertraut erscheinen.
Allgemein ist "Release" ein Album, dass auf ausgesprochene Höhpunkte verzichtet, kein Stück tritt hervor - was jedoch am Ende bleibt ist eine unerklärliche Sehnsucht, die zu beschreiben keine Worte ausreichen. Ein äußerst homogenes Werk, das Neil und Chris mit ihrem achten Studioalbum abgeliefert haben. Ob es gefällt, ist in diesem Fall mehr als üblich Geschmackssache.
So lautet auch der Titel des abschließenden Liedes aus Release: "You Choose".
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