Der Musiker Stevie Lehmann weiß das genau. Schließlich hat er so etwas wie die Relativitätstheorie der Liebe aufgestellt. Das hat mit Raum und Zeit, vor allem aber mit Glück zu tun. Glück braucht man auch, wenn man einen Film aus dem DVD Regal fischt, der einem völlig unbekannt ist, den man sich auf Grund der Sympathie zu Olli Dittrich mitnimmt und der einen voll und ganz überzeugt. Ja...Glück muss man halt haben.
Berlin, seine Menschen und die Liebe. Darum geht es in Otto Alexander Jahrreiss Film -Die Relativitätstheorie der Liebe-. Da ist der Werbetexter Frieder von Rade mit seiner esoterisch abgespacten Frau Eva, die weder mit der Kindererziehung noch ihrem Leben zurecht kommen. Frieders einziges Glück ist seine Geliebte Maria Hansen, die Schwester von Eva. Paul Matowitzki ist ein abgehalfterter Fahrlehrer, der seiner südländischen Frau Gabriela nicht über den Weg traut. Er ist sich sicher, dass sie ihn betrügt und hochgradig eifersüchtig. Tochter Alexa Matowitzki, Schauspielerin von Beruf, hat das Temperament von ihrer Mutter geerbt, die Fruchtbarkeit aber nicht. Sie will unbedingt ein Kind, aber woher nehmen ohne Freund? Der Libanese Youssef Al Bastani will seinen Beirut Grill zu einem Schmuckstück umgestalten. Doch wie soll das gehen, wenn die Kontrolleurin vom Amt, Peggy Gablenz, ihn ständig mit diesen elenden Vorschriften malträtiert und ihm das Geschäft schließen will? Dabei ist Peggy einfach nur einsam und alles andere als mit ihrem Leben zufrieden. Der Yogi Swami Helmut kümmert sich um seine esoterischen Schäfchen, zu denen auch Eva gehört. Und dann ist da noch der Musiker Stevie, der ziemlich planlos durchs Leben irrt, bis...ja, das sollten sie sich dann doch lieber selbst anschauen...
Otto Alexander Jahrreiss hat einen wunderbaren Berlin-Film abgedreht. In all den Rollen, die ich ihnen eben beschrieben habe, erwarten sie Katja Riemann und Olli Dittrich als Darsteller. Das Olli "Ditsche" Dittrich fast jeden Charakter auf Tasche hat, wusste ich schon, aber wie Katja Riemann die feurige Gabriela spielt, und kurze Zeit später das hässliche Entlein Peggy, das hat mich echt begeistert. Riemann und Dittrich spielen perfekt. Mit viel Liebe zum Detail, unbeholfen, linkisch, herzlich, liebevoll und warmherzig bringen sie ihre Berliner Charaktere an den Mann/die Frau. Die kleinen Storys sind witzig, unterhaltsam und ziemlich kreativ. Dabei lebt -Die Relativitätstheorie der Liebe vor allem vom brillianten Schauspiel seiner Hauptdarsteller.
Zu einem wirklich gelungenen Film hat Jahrreiss einen Soundtrack zusammen gebastelt, der es ebenfalls in sich hat. Nicht jeden Tag finden sich Songs von Jamie Cullum, Baccara, El Cartel, Lou Rawls und Duncan Townsend in einem Film vereint. So unterschiedlich die einzelnen Titel sind, so unterschiedlich sind die Typen, die Jahrreiss uns in seiner Komödie präsentiert. Gemeinsam haben sie nur Berlin, aber das ist ja schon eine ganze Menge. Der Raum, ein Teil der großen Theorie, wäre damit schon mal gegeben.
Ich kann ihnen -Die Relativitätstheorie der Liebe- jedenfalls ans Herz legen. Das ihnen der Film gefällt, kann ich nicht garantieren; dass er mich hervorragend unterhalten hat schon. Ich habe in letzter Zeit recht wenig von Katja Riemann und Olli Dittrich gehört und gesehen. Das hat sich seit gestern Abend geändert. Ich hoffe nur, ich muss nicht wieder so lange warten, bis die beiden Ausnahmeschauspieler mich wieder unterhalten werden. Ach ja...verpassen sie auf gar keinen Fall den Abspann, denn da kommt noch was.