Eben auch der Titel "Reizwörterbuch" funktioniert nach diesem Prinzip: Ein zusammengesetztes Substantiv wird durch ein drittes Substantiv (oder selten ein anderes Wort) verlängert. Und dadurch entstehen unerwartete neue Sinn-Kombinationen.
Die "Star-Beispiele" von der ersten Seite zum Beispiel:
Himmelszeltverleih,
Violinschlüsseldienst,
Hörfunkstille,
Weltalltag. ...
Die "Einbauküchenschaben" und das "Unrechteck" auf S. 19 konkurrieren später mit der "Rechteckkneipe" und dem "Weltallengang" auf S. 20 - bis hin zur "Badeölkrise" (S. 21) und der nicht recht zu verortenden "Imbisswunde" auf S. 19. ....
Das Buch besteht aus einer reinen Aufzählung. Die "Frühlingsluftstreitkräfte" (übrigens eine 4er-Kombination!) und der "Luftschlangenbeschwörer" von S. 19 sind da sicher ein besonders beflügelndes "Gedankenguthaben" (S. 80) des Autors und Werbefachmanns - und der läßt uns hier augenscheinlich in die "Nebenproduktküche" (M. Borchert) seiner Arbeit hineinblicken!
Das vorliegende Werk beinhaltet außer dieser großräumigen Aufzählung ein Vorwort (in welchem ein Cassis Kilian eben diese als eine "Sammlung von Kleinstaphorismen" (Vorwort) bezeichnet) und ein Nachwort, das die Sprachwissenschaftlerin Elke Donalies verfaßte. Es geht in diesem Nachwort um die für das Deutsche ziemlich maßgebliche Wortbildungs-Struktur durch SUBSTANIVE.
Und wie entsteht bspw. "das längste Wort der Welt" (S. 88)? - Der bekannte "Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän" stellt da für E. Donalies und einige andere österreichische Rechercheure (vgl. S. 88) nur die Basis für weitere abenteuerliche Wort-Sinn-Verlängerungen dar! ....
Das alles ist hier nachzulesen. Und man muss aufpassen, dass alles Halb-Unnsinnige nicht so mir nichts, dir nichts im "Kerzenscheinangebot" (S. 57) verschwindet oder an "Sprechblasenschwäche" (s. 39) zugrunde geht. Doch immerhin: Der AUTOR hat sich diese Gedankenwelt ja hiermit so etwas wie "patentieren" lassen. Und sie ist sicher zur weiteren stilgerechten Fortentwicklung empfohlen, denn man erhebt hier "keinen Anspruch auf Vollständigkeit" (wie schon C. Kilian im Vorwort schreibt), sondern will mit der Leserschaft weiter möglicherweise neuen Sinn entdecken.