Vor vielen Jahren habe ich mir das Buch "Pferdekenner und Fehlergucker" von Hans Joachim Köhler gekauft, auch in der Hoffnung, endlich zu verstehen, warum manche meiner warmblütigen Freunde hoch und andere weniger hoch bewertet wurden, wenn sie bei Hengstkörungen oder Stutenschauen vorgestellt wurden. Köhlers Buch war ein Meilenstein und ich habe viel daraus gelernt. Warum meine Freunde hoch oder niedriger rangiert wurden, blieb mir allerdings weiterhin ein Rätsel.
Viele Jahre später bin ich ein bißchen sicherer darin, Pferde nach marktgängigen Kriterien einzuschätzen. Trotzdem habe ich mich über Christian Schachts Buch gefreut und es sofort gelesen, als es rauskam.
Es ist ein handfestes Lehrbuch, das Leuten wie mir, die sich erst einmal schwer damit tun, Pferde sozusagen zu rastern, jede Menge Hilfestellung gibt und dabei trotzdem nicht allzu verächtlich über "minderbemittelte" Pferde abledert ( wer je am Rand einer Fohlen-, Stuten- oder Hengstschau stand und den Gesprächen der fachkundigen Zuschauer lauschte, weiß, was ich meine!).
Schachts Buch gibt anhand einer sehr guten Struktur und Linie einen detaillierten, kenntnisreichen, gut gelungenen Überblick über den optimalen Körperbau und die Abweichungen von demselben. Er erklärt Vorzüge und Nachteile bestimmter Pferdekörper in Bezug auf die Rittigkeit nachvollziehbar und anschaulich. Anhand der gut ausgesuchten Fotos kann man sein Auge schulen, Doppelseiten zur Exterieurbeurteilung von Vor-, Mittel- und Hinterhand einzelner Pferde helfen hierbei noch einmal besonders gut. Viele Randbemerkungen wie "Die Seiten der Belastungshufe soll mit dem natürlichen Fall der Mähne übereinstimmen- eine Theorie, die zwar wissenschaftlich nicht erklärt, aber bis dato auch nicht widerlegt wurde..." ( S. 126) verraten die Sachkenntnis und den Humor des Autors. Auch seine Toleranz und kritische Offenheit hat mir gefallen. (" In den Staaten sind die Parcours von Gleichmaß, Balance und Rhythmus geprägt. Ein etwas hängendes Vorderbein wird als Indiz der Gelassenheit gesehen- ein Ansatz, über den es nachzudenken gilt." S. 78)
Spannend fanden wir, unsere eigenen Pferde zu fotografieren, Lotrechte und Winkel einzuzeichnen und mit den im Buch abgebildeten Informationen zu vergleichen. Wir haben unsere Vierbeiner nun nicht weniger gern. Aber wir können sie besser einschätzen.
Ein tolles, empfehlenswertes Standardwerk.