Neue Zürcher Zeitung
Reiseziele für Lebenskünstler
W. E. Seit einem Vierteljahrhundert reisen Martina Meuth und Bernd «Moritz» Neuner-Duttenhofer in Sachen Kochkunst und Tafelfreuden in der Welt herum. Wir kennen die beiden Autoren als Verfasser der im Droemer-Verlag erscheinenden Reihe «Kulinarische Landschaften», nicht nur schön gestalteter, sondern auch inhaltlich höchst ansprechender Bücher. So überrascht es eigentlich nicht, dass sie jetzt auch noch die Reihe «Reiseziele für Lebenskünstler» auflegen, gewissermassen die Quintessenz ihrer auf Dienstreisen gesammelten Erfahrungen. Überraschend ist auf den ersten Blick höchstens die Wahl des ersten Reiseziels: Mallorca. Ausgerechnet die beliebte Last-minute-Destination, wo der Massentourismus seine hässlichen Blüten treibt, wo sich jährlich um die sechs Millionen Touristen aufhalten, wo in der Hochsaison mehr Deutsche und Schweizer als Einheimische leben ausgerechnet diese Baleareninsel soll Lebenskünstlern schmackhaft gemacht werden.
Doch den beiden anspruchsvollen und kritischen Autoren gelingt es erneut, eigene Wege zu gehen und dem ebenfalls die versteckten Schönheiten suchenden, individuell Reisenden mit guten Tips zu «Entdeckungen» zu verhelfen, seien dies Restaurants oder Hotels, Landschaften oder Kochrezepte. Sie präsentieren eine bunte Mischung aus Essen und Trinken, Kultur und Geschichte, sie vermitteln mediterrane Kultur auf sehr sympathische Weise. Dass nicht alle Geheimtips verraten werden, ist tröstlich, denn zu befürchten ist, dass dank dieser Publikation Mallorca auch in jenen Gegenden überschwemmt wird, die bisher nur Kennern bekannt waren.
Leider wird der Sprache nicht durchwegs die erwartete Sorgfalt gewidmet. Dennoch eine empfehlenswerte Lektüre, allerdings etwas zu gross, um mit auf die Reise genommen zu werden, eher geeignet zum Studium zu Hause. Man kann sich die guten Adressen ja gleich in die Agenda notieren, und dann nichts wie los, ab auf die Insel.
Kurzbeschreibung
"Reiseziele für Lebenskünstler" heißt deshalb die neue Reihe, deren Ziel es ist, die Kunst des Reisens mit der Kunst des Lebens, die Information mit dem Genuß, die Anschaulichkeit mit der Phantasie so zu verbinden, daß dabei alle auf ihre Kosten kommen: die erfahrenen Reisenden, die - fast - schon alles kennen, genausogut wie die vielen, die sich darauf freuen, Neues zu erkunden und Fremdes zu erleben.