Dieses Buch, lässt sich kaum, etwa mit der Atemschaukel vergleichen, es ist zum Einen, gute 20 Jahre früher geschrieben, und erzählt von Irene, die von einem anderen Land (Rumänien) kommt, die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, um hier im Westen, wieder Fuss oder Bein zu fassen. Eine schwierige und schwere Lektüre, wo so mancher Leser, des Aufgebens geneigt sein mag, denn, die darin enthaltende Sprache, macht den Bogen, von surreal, verzerrt, manchmal unverständlich, verstört, fremd, grotesk, metapherartig, verwirrt, schwermütig, grass, eigenartig, bis hin zu melancholisch.
Leser, die sich auf diese Lektüre einlassen, fordern sich selbst, bis zur Grenze, des Verständnisses. Wir lesen Sätze, die wir nicht immer verstehen. Eine Geschichte, bei der eigentlich nicht viel passiert, als dass Irene, einem Mann hinterherreist, andere Männer kennenlernt, wirklich viel passiert hier nicht. Ein Buch, das viel mehr von den Momentaufnahmen lebt, von den subtilen Detailbeobachtungen, mit einem Blick für den Moment. Die darin beschriebene Irene, erlebt die Welt, wie, durch eine Brille. Eine Frau, die, wie in einem luftleeren Raum wirkt, wie in einem lautlosen Trauma. Eine Atmosphäre von Vertrauensverlust, aber auch Angst, macht sich vielerorts bemerkbar und ist nicht wegzuleugnen.
Ein paar wenige Sätze, um ein wenig, von der bedrückenden Atmosphäre wiederzugeben.
"Wenn das Bett sich wärmt, sind die Frauen durchsichtig...Wenn das Unglück eintrat, war das Nötigste nicht erreichbar...Irene sass am Fenster. Sie wollte Wolken sehn und ihre Angst. Und draussen auf den Wolken ihre Angst..Irene hatte Lust auf Franz und wünschte sich, dass er schwul sei, und vergass, dass sie kein Mann war, sondern eine Frau..Ich sah in seinem Mund, die Tasten des Klaviers..Ampeln wie Augen..Wünsche, die nicht wissen, was sie meinen...Barfuss, stand sie vor dem Spiegel. Im Spiegel, war ihr Gesicht noch nicht angekommen..Ich schaue mein Gesicht an, und es ist, also ob ich mich zum ersten Mal sehen würde: Ich habe das Gesicht eines Mannes, der ich gerne sein möchte. Ich mag mich. Ich spüre mein Glied. Ich gehe ins Bad und stöhne mich an, wie ein Mann einen anderen Mann anstöhnt. Ich küsse, was man an sich selber küssen kann. Ich liebe mich wie eine fremde Person."
Herta Müller schreibt darin Sätze, über die man nachdenken muss, nachdenken kann. Als ob, sie immer wieder versuchen würde, Sprache neu zu erfinden, neu auszuprobieren, neu damit zu experimentieren. Auf die Gefahr hin, dass die Leser ev. das Weite suchen. Eine Geschichte um Trauma und Fremdheit in sich, einer Frau, die wie in einer ganz eigenen Welt zu leben scheint. Eine Geschichte, in der sich eine Frau, als zwei verschiedene Frauen erlebt, die eine nennt sie einfach die andere, genauso, wie sie ihr Land nennt, aus dem sie kommt, ohne es zu nennen, sie nennt es einfach das andere Land. Als Leser frägt man sich, warum hat diese Frau soviel Angst, woher diese ganze innere Fremheit? Diese Buch, ist ein Angstbuch, ein Traumabuch, ein Beziehungssuchebuch, ein Sprachexperimentierbuch, ein Buch das nach Orientierung sucht, und mit der eigenartigen Fremdheit in sich selbst, einen Halt sucht, der dort im neuen Land, den dortigen Menschen, nur bruchstückhaft, nur ansatzweise zuteil wird, als ob sie auf dünnen Eis gehen würde...Eine Frau, die in einer äusseren, wie inneren Heimatlosigkeit zu stehen scheint, selbst der Kontakt zu verschiedenen Männern, die sie kennenlernt, ändert nichts daran, dass, sie sich alleine fühlt und erlebt..
Dieses Buch, ist erstmals 1989, im Rotbuch Verlag Berlin erschienen.