Selten habe ich ein Buch gelesen, dass Intellekt und Coolness auf dermaßen lässige Art und Weise miteinander verbindet. Geoff Dyer schafft es, obwohl er das Reisen bisweilen zu entmystifizieren versucht, Neid und Neugier zu erwecken und einen auf eine nie vorher dagewesene Abenteuerreise mitzunehmen. Man würde am liebsten sofort mit ihm tauschen wollen, die Koffer packen und sich treiben lassen, von Flughafen zu Flughafen, Küste zu Küste, Station zu Station. Sex, Drogen und Alkohol, alles findet seinen Platz in dem Buch, wohldosiert und stets überaus amüsant. Man mag dem Autor dieses (wahrscheinlich autobiographischen) Textes sein Alter kaum glauben, doch merkt man zwischen den Zeilen, mit welch weltgewandten Augen der junggebliebene Autor auf Mensch und Gesellschaft blickt. Jedes Kapitel behandelt ein Reiseland, einen Ort, und immer wieder ist man fasziniert, wie er es schafft, in seiner ihm eigenen Nüchternheit, umgehend Gefühle und Eindrücke so zu vermitteln, dass man ebenfalls glaubt, dort zu sein. Sein Geheimnis: Authentizität und ungeheures Sprachgefühl, das zwischen Informationsgehalt, Anspruch, Irrsinn und Coolness einen Pfad einschlägt, der abhängig macht. Das Resultat: Ich habe das Buch verschlungen, konnte nicht warten, die nächste Episode zu lesen um Teil zu haben an einem Leben, dass ich leider so nie führen werden kann. Eine große Entdeckung eines großen Schriftstellers, der hierzulande leider noch nicht zu dem Ruhm gekommen ist, der ihm gebührt.