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Die Auflösung ist zu offensichtlich, als dass sie hier nicht verraten werden dürfte: "Reisen im Skriptorium" ist Paul Austers Auseinandersetzung mit dem Schreiben an sich, ein Vexierspiel über Pflichten und Verantwortung eines Autors. Der alte Mr. Blank erwacht in einem spartanisch eingerichteten Wohn- und Schlafraum. Da er sein Gedächtnis verloren hat, weiß er nicht, ob er sich im Knast oder in psychiatrischer Behandlung befindet. Auf dem Schreibtisch findet er Fotos von Personen, an die er eine vage Erinnerung hat, und nach und nach treten Ärzte, Pflegerinnen, Therapeuten und ein Polizist auf. Sie alle behaupten, Mr. Blank habe sie in der Vergangenheit mit gefährlichen Aufträgen betraut, und ihnen sei seinetwegen großes Leid geschehen. Wer Austers Romane kennt, dem sind diese Figuren vertraut: Anna Blume aus "Im Land der letzten Dinge", Benjamin Sachs aus "Leviathan", Daniel Quinn aus der "New York-Trilogie" ... Ein intelligentes, aber etwas zu selbstverliebtes Experiment, aus dem sich spannende Fragen ergeben. Was verraten Romanfiguren über die Person des Autors? Wie begründen sich wiederkehrende Motive? Doch wer nicht Austers kompletten Backkatalog kennt, ist raus. Wobei man sogar hardcore Fan sein muss, um die langatmigen Beschreibungen von Mr. Blanks Tagesablauf zu ertragen. (cs) kulturnews.de
Kurzbeschreibung
In einem verschlossenen, abgedunkelten Zimmer sitzt ein alter Mann: vergesslich, gebrechlich, inkontinent. Er weiß weder genau, wer, noch wo er ist. Eine Kamera und Mikrophone beobachten ihn. Auf seinem Nachttisch stehen Dutzende Fotos von Menschen, die ihm bekannt vorkommen. Auch Anna Blume, eine Schwester, die ihn versorgt, scheint ihm vertraut. Und richtig, auch sie ist als junges Mädchen auf einem der Fotos abgebildet. Sie nennt ihn Mr. Blank und sagt, er habe sie, wie viele andere, vor Jahren als seine «Beauftragte» in die Welt hinausgeschickt, an einen entsetzlichen Ort des Todes und der Zerstörung. Aber es sei nicht seine Schuld, er habe getan, was er musste. Je mehr und je vergeblicher Mr. Blank sich besinnt, desto tiefer gerät er in ein Labyrinth erdachter Welten, bis er sich schließlich selbst in den Zeilen eines Manuskripts begegnet, das auf einem Holztisch in seiner Zelle liegt: In einem verschlossenen, abgedunkelten Zimmer sitzt er als alter Mann… «Reisen im Skriptorium» ist ein raffiniertes Vexierspiel, finten- und voltenreich, brillant und kunstvoll. Begeben Sie sich mit Paul Auster auf die Reise in einen Teufelskreis der Phantasie.
Über den Autor
wurde am 3. 2.1947 als Nachkomme eingewanderter österreichischer Juden in Newark, New Jersey geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University New York (B.A. und M.A.) und fuhr danach als Matrose auf einem Öltanker zur See. 1971-74 lebte er in Frankreich, hauptsächlich in Paris. Nach seiner Rückkehr in den USA nahm er einen Lehrauftrag an der Columbia University an und arbeitete zusätzlich als Übersetzer französischer Autoren (Blanchot, Bouchet, Dupin, Joubert, Mallarmé, Sartre) sowie als Herausgeber französischer Literatur in amerikanischen Verlagen. Paul Auster lebt in Brooklyn, New York, ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder. Er erhielt Stipendien der National Endowment for the Arts (1977 für Lyrik, 1983 für Prosa), den France Culture Prix Etranger (1988) und den Morton Dauwen Zabel Award (1990).